Erneuerbare Energien: Was vom Solarboom übrig blieb

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Erneuerbare Energien: Was vom Solarboom übrig blieb

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Sun-Blocker: Proteste von Mitarbeitern aus der Solarwirtschaft gegen die Kürzungspläne der Bundesregierung.

von Mario Brück

Eine Exklusivstudie zeigt, dass nur wenige deutsche Unternehmen gute Chancen haben, die mörderische Konkurrenz im Solarmarkt zu überleben. Investoren schwenken bereits in Richtung Windanlagen.

Aus Inge Wagner spricht die pure Verzweiflung: „Die Kunden können direkt zu uns kommen, kein Problem“, sagt die studierte Verfahrenstechnikerin. Die gebürtige Thüringerin ist Betriebsleiterin des mittelständischen Solarmodulherstellers Sontor in Bitterfeld-Wolfen, Sonnenallee 7–11, mitten im ostdeutschen Solar Valley.

Natürlich weiß Wagner, dass sich kein Kunde zu ihr verirren wird, auf das hoch gesicherte Firmengelände in Sachsen-Anhalts ehemaliger Chemiehochburg. Aber viel anderes, als zu flehen, bleibt der Frau nicht mehr. Ob Handwerker oder Hausbesitzer, sie bräuchten sich ja nur übers Internet zu informieren, Fragen zu stellen, beraten zu lassen, sagt sie. „Wir bieten kurze Wege durch den Direktvertrieb, Montage und Service vor Ort bei allen Problemen.“ Am liebsten würde die Managerin jedem Kunden persönlich ein Solarmodul in die Hand drücken.

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Denn die Lage bei Sontor ist trostlos. Fotovoltaikmodule mit einer Gesamtleistung von rund 20 Megawatt könnten die gut 30 Mitarbeiter auf ihren High-Tech-Maschinen pro Jahr produzieren. Tatsächlich verließen 2011 aber nur ein Zehntel, etwa 18 000 Module, die Fertigungshallen, der überwiegende Teil in Richtung Lager.

Das Schicksal von Sontor ist exemplarisch für die einstige deutsche Boombranche. Die von gigantischen Überkapazitäten und erdrutschartigem Preisverfall geplagten Hersteller sind – verstärkt durch Missmanagement sowie durch Förderkürzungen in Deutschland, in Italien und Spanien – in weiten Teilen in ihrer Existenz bedroht. An die Stelle von Hoffnung tritt für viele Firmenchefs immer mehr eine Art Reise nach Jerusalem: Wer kippt als Nächster, wer bleibt am Ende übrig?

„Nur wenige werden es schaffen, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit aus eigener Kraft wieder herzustellen“, sagt Jochen Hauff, Direktor Erneuerbare Energien bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney in Berlin. Die Möglichkeiten, die Zukunft zu gestalten, seien bei dem rasenden Preisverfall und den verzögerten Reaktion mancher Unternehmen, begrenzt. „Mit dem Rücken zur Wand gestaltet es sich eben schwierig.“

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2 Kommentare zu Erneuerbare Energien: Was vom Solarboom übrig blieb

  • Jetzt wird auch klar, wieso die Solarzellenhersteller problemlos und ohne jegliche Praxiserfahrung 25 Jahre Lebensgarantie auf ihre Solarzellen geben konnten, da von ihnen sowieso keiner in Regress genommen werden kann, wenn ihre Firmen nicht mehr existieren.

  • Was vom Solarboom übrig bleibt, sind überhöhte Strompreise für den Privatverbraucher, der die irrsinnige Subventionierung chinesischer Modulhersteller und die Gewinne der von der Einspeisevergütung profitierenden Immobilienbesitzer noch jahrzehntelang über seine Energierechnung bezahlen muss.
    Förderwahnsinn von der übelsten Sorte. Meinen Dank an die Blockparteien...

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