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Europäische Energieversorgung: Wer noch am deutschen Strom hängt

von Silke Wettach

Von wegen Nachbarschaftshilfe. Staaten wie Frankreich hatten sich auf Stromlieferungen aus Deutschland verlassen. Jetzt könnte es auch bei ihnen stockdunkel werden.

Deutschlands Handelsbilanz mit Strom mit ausgewählten Ländern vor und nach dem Moratorium
Deutschlands Handelsbilanz mit Strom mit ausgewählten Ländern vor und nach dem Moratorium

Frankreichs Energieminister Eric Besson will es ganz genau wissen. Anfang des Monats hat er einen Krisenstab eingerichtet, der ihn wöchentlich, bei Bedarf sogar täglich über mögliche Engpässe bei der französischen Stromversorgung informiert. „Wir müssen achtsam sein“, heißt es aus dem Ministerium.

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In normalen Zeiten hätte Frankreich das gegenwärtige Niedrigwasser in seinen Flüssen ohne Konsequenzen überstanden. Aber diesmal ist alles anders. Müssen Wasser- und Kernkraftwerke ihre Produktion wegen der Trockenheit herunterfahren, kann Frankreich dies jetzt nicht mehr durch Stromlieferungen aus Deutschland ausgleichen.

Seit dem Atommoratorium ist Deutschland zum Importeur von französischem Strom geworden (siehe Grafik). Durchschnittlich 1046 Megawatt französischer Stromerzeugung hat sich Deutschland von Mitte März bis Ende Mai pro Tag bedient.

Nachbarländer haben auf deutschen Export gebaut

Deutschland hat dem europäischen Stromnetz, in dem sich Länder gegenseitig absicherten, die Solidarität aufgekündigt. Die Bundesnetzagentur hat davor früh gewarnt: „Bei einer dauerhaften Stilllegung der acht Kernkraftwerke des Moratoriums kann Deutschland schon heute nicht mehr im bisherigen Umfang als eine der Stützen der Versorgungssicherheit im europäischen Verbund auftreten“, heißt es in einem Bericht von Ende Mai. „Dies ist im Hinblick darauf, dass Nachbarländer auf den deutschen Export gebaut und sich darauf verlassen haben, nicht unproblematisch.“

Entsprechend hat die Bundesregierung die Partnerländer verärgert. Frankreichs Energieminister Besson forderte EU-Energiekommissar Günther Oettinger auf, die Konsequenzen der deutschen Entscheidungen mit allen europäischen Ministern zu debattieren.

Verletzliches Netz

Oettinger führt gern den Stromausfall vom November 2006 an, um zu illustrieren, wie verletzlich das europäische Stromnetz ist. 15 Millionen Menschen saßen damals von Norddeutschland bis Spanien und Marokko im Dunkeln.

Anlass: Der Düsseldorfer Energieriese E.On hatte eine Hochspannungsleitung über der Ems abgeschaltet, um ein Kreuzfahrtschiff von der Meyer Werft in Papenburg Richtung Nordsee passieren zu lassen. Die 10.000 Megawatt Leistung, die im europäischen Stromnetz dadurch fehlten, lösten einen Blackout aus – verschärft durch schlechtes Netzmanagement.

Solche EU-weiten Dominoeffekte werden nach der deutschen Energiewende wahrscheinlicher. „Das Risiko eines solchen Blackouts steigt“, sagt Walter Boltz, Chef des österreichischen Energieregulators E-Control. „Früher kam so etwas einmal in 50 Jahren vor, nun einmal in 20 Jahren.“ EU-Kommissar Oettinger glaubt auch schon zu wissen, was eine Stunde Blackout kostet – 500 Millionen Euro allein in Deutschland.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.09.2011, 15:36 UhrAnonymer Benutzer: aktuell

    Überraschung!

    Deutschland hat im ersten Halbjahr (trotz Atomausstieg) per Saldo mehr Strom ex- als importiert, und zwar mehr als 4 Mrd. kWh!

    Es kann sich also niemand beschweren.

  • 01.08.2011, 18:39 UhrAnonymer Benutzer: Oberfranken

    Deutschalnd und vor allem unsere bundeskanzlerin legen immer sehr viel Wert auf eine gemeinsame EU-Politik. Was ich nicht verstehe ist der Alleingang, den Deutschalnd sich da getraut hat. Wenn ich der französische oder tschechische Staat wäre, dann würde ich bei "Stromengpässen" als erstes einmal die Leitungen nach Deutschland kappen. Dann würde man mal sehen, wie gut sich dieses Land selbst versorgen kann.
    Klar, die Netzbetreiber hätten schon seit Jahren investieren müssen. Man muss ihnen aber auch zugestehen, dass notwendige Projekte derzeit mit Protesten verhindert werden (beispiel Thüringen / Rennsteig).
    Wir sind ein DAGEGEN-Land geworden.

  • 24.06.2011, 16:14 UhrAnonymer Benutzer: Nicolo

    @@nicolo

    Da machen Sie sich es etwas zu einfach. Man kann nur "erfolgreich" gegen ein Projekt klagen, wenn dem Planer Fehler unterlaufen sind.
    ist das nicht der Fall, besteht planungsrechtlich gar keine Chance, ein Projekt zu verhindern! Und natürlich muss ein Netzbetreiber einkalkulieren, dass der Planungsprozess mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Es ist ja nicht so, dass die aktuelle Situation über Nacht "vom Himmel gefallen" ist?! Über 50 Jahre alte Stromnetze (im Durchschnitt) sind nicht das Ergebnis von Protesten, sondern einer verfehlten Planung!

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