Experten rechnen die Zahl der Jobs schön: Großer Pfusch bei grünen Jobs

Experten rechnen die Zahl der Jobs schön: Großer Pfusch bei grünen Jobs

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Auf der Schattenseite: Im Solargeschäft fallen immer mehr Jobs weg.

von Mario Brück und Andreas Wildhagen

Wunder oder Lüge? Wenn es um den ökologischen Anspruch geht, wird bei den Arbeitsplatzzahlen so geschummelt wie nirgendwo sonst. Sicher ist nur, dass viele Stellen wegbrechen.

Die Zahlen schockierten Branchenvertreter und bestätigen Kritiker: Erstmals seit knapp vier Jahren ist die Beschäftigung in der Solarindustrie in den beiden letzten Monaten des Jahres unter 5.000 Mitarbeiter gefallen. Im Dezember waren laut Statistischem Bundesamt nur noch 4.719 Menschen in der Fertigung von Zellen und Modulen beschäftigt. Im Jahresdurchschnitt waren es 5.479.

Die Botschaft ist erschreckend. In dem einst so hoffnungsträchtigen Wirtschaftszweig werkeln inzwischen nur noch so viele Mitarbeiter wie bei der Buchhandelskette Thalia im westfälischen Hagen oder beim mitteständischen Tunnelbohrmaschinenbauer Herrenknecht im badischen Schwanau. Und das in einer Branche, die mit Milliarden an Ökostromumlage gepäppelt wurde.

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Kaum ein Thema in Deutschland läuft gerade so heiß wie die Energiewende – und kaum irgendwo bleibt die Realität hinter den hoch gesteckten Erwartungen in einem solchen Maß zurück. Als die Politiker nach der Havarie des Atommeilers im japanischen Fukushima vor drei Jahren den Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022 ausriefen, versprachen sie noch hervorragende Perspektiven für die deutsche Industrie und die Beschäftigten bei erneuerbaren Energien und in der Ökowirtschaft.

Diffuse Branche

„Mit dem Gelingen der Energiewende sollen zusätzliche Jobs in Deutschland geschaffen werden“, prophezeite etwa der damalige Umweltminister Peter Altmaier (CDU) im Juli 2012. Konkrete Zahlen wagte der heutige Kanzleramtsminister allerdings nicht zu nennen.

Warum nicht, wird jetzt immer deutlicher: Deutschlands Energiekonzerne bauen Tausende Jobs ab, weil ihnen der Ausbau der grünen Stromquellen das Geschäft verhagelt. Gleichzeitig hat der Zuwachs der erneuerbaren Energien in Deutschland den Zenit überschritten, beklagen Windanlagenbauer Überkapazitäten. Und die deutsche Solarbranche liegt darnieder. Ob die Umstellung der Stromversorgung von Atom und Kohle auf Öko eine Vielzahl grüner Jobs schafft, ist vor diesem Hintegrund völlig offen.

„Der Trend bei grünen Jobs wird weiter nach oben gehen, aber die genauen Beschäftigungseffekte der Energiewende zu benennen ist kaum machbar“, sagt Enzo Weber, Prognosechef des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. „Umwelt und Energie spielen in vielen Zusammenhängen eine Rolle, deshalb haben wir es hier mit einer sehr diffusen Branche zu tun.“

GreenJobs Vahrenholt: Grünes Jobwunder ist Etikettenschwindel

Fritz Vahrenholt, ehemaliger Chef der Grünstromsparte des Essener Energiekonzerns RWE, bestreitet einen Arbeitsplatzboom durch die Energiewende.

Ein Mann steht in Solarmodulen Quelle: dpa

Fritz Vahrenholt, ehemaliger Chef der Grünstromsparte des Essener Energiekonzerns RWE, geht noch weiter. „Bei den Green Jobs haben wir es mit einem Etikettenschwindel zu tun“, so sein vernichtendes Urteil. Das prognostizierte Jobwunder sei eine „Milchmädchenrechnung“.

Tatsächlich ist eine qualifizierte Aussage zum Beschäftigungseffekt der Energiewende fast unmöglich, weil völlig umstritten ist, was ein grüner Job ist. Welche Tätigkeit ist gerade noch grün, und welche haben die Unternehmen grüngewaschen, um sich einen ökologischen Anstrich zu geben? Besitzen nur diejenigen Beschäftigten, die Solarmodule oder Windflügel herstellen und montieren, grüne Jobs, oder gehören auch Dienstleister wie Windgutachter und Recycler von Solarpanelen dazu?

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