
Ein herber Rückschlag für die Energiewende sei die „völlig überzogene“ Kürzung der Einspeisevergütung, ätzt Sven Teske, Energieexperte bei Greenpeace: „Die beiden Bundesminister verlieren sich im parteipolitischen Tarifgezänk. Die Führungsrolle der deutschen Solarindustrie im internationalen Vergleich wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt.“ Eine Führungsrolle, die die deutsche Solarwirtschaft allerdings bereits verloren hat.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verständigten sich nach langem Streit am Donnerstag vergangener Woche auf Kürzungen der Vergütungen für die Fotovoltaik. Im Detail sind vorgesehen:
- 20 Prozent Kappung für Kleinanlagen
- 30 Prozent Kappung für „größere“ und Freiflächenanlagen
- nur 90 Prozent Stromabnahme zu garantierten Preisen; Kleinanlagen: 85 Prozent
- übriger Strom muss selbst verbraucht oder vermarktet werden
Die Kürzungen sollen schon ab dem 9. März greifen. Daher soll das neue Solarkonzept schon diese Woche im Bundeskabinett beschlossen werden. Der Bundestag muss dann noch darüber entscheiden.
Bildergalerie Solaraktien: Entwicklung und Empfehlungen
Bild: dpaCentrotherm
Solarmodule, Zellen - DE000A0JMMN2
Kursplus: 48,2 Prozent
Umsatz: 763 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 48 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/EK-Quote: 398 Millionen Euro/ 44 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 75 Millionen Euro
Empfehlung: Gewinne mitnehmen
Stand: 23. Februar 2012
Bild: PressebildManz
Solarzulieferer DE000A0JQ5U3
Kursplus:25,2 Prozent
Umsatz: 226 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: - 53 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/EK-Quote: 187 Millionen Euro/ 58 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 10 Millionen Euro
Empfehlung: Halten
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: ScreenshotMeyer Burger
Solarzulieferer aus der Schweiz - CH0108503795
Kursplus: 11 Prozent
Umsatz: 1291 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 140 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/EK-Quote: 624 Millionen Euro/ 50 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: keine
Empfehlung: Halten
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: PressebildSMA/Solar-Teilezulieferer/Deutschland
ISIN: DE000A0DJ6J9
Kursgewinn seit Empfehlung: +12,1
Umsatz: 1 599 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 247 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/Eigenkapitalquote: 749 Millionen Euro/57 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: keine
Empfehlung: halten
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: dpaSolarworld/Solarmodule, Zellen/Deutschland
ISIN: DE0005108401
Kursgewinn seit Empfehlung: +20,5
Umsatz: 1 130 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: –27 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/Eigenkapitalquote: 938 Millionen Euro/34 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 764 Millionen Euro
Empfehlung: halten
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: Trina SolarTrina Solar/Solarmodule/China
Kursgewinn seit Empfehlung: +45,6
Umsatz: 1 961 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 119 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/Eigenkapitalquote: 903 Millionen Euro/39 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: keine
Empfehlung: Gewinne mitnehmen
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: dapdUnternehmen/Branche/Land ISIN Kurs¹ Kursgewinn seit Empfehlung Umsatz ²,³ freier Mittel- zufluss²,³ Eigenkapital ²/ EK-Quote4 Netto-Finanz-Schulden² Empfehlung Yingli Green Energy/Solarmodule/China US98584B1035 3,11 +8,7 2 313 –88 1 196/42 946 verkaufen
¹ in Euro, ² in Millionen Euro; ³ 2011, geschätzt; 4 Eigenkapitalquote in Prozent; Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: dpaQ-Cells/Solarmodule, Zellen/Deutschland
ISIN: DE0005558662
Kursgewinn seit Empfehlung: –51,6
Umsatz: 1 022 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 21 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/Eigenkapitalquote: 425 Millionen Euro/27 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 505 Millionen Euro
Empfehlung: weiterhin meiden
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Centrotherm
Solarmodule, Zellen - DE000A0JMMN2
Kursplus: 48,2 Prozent
Umsatz: 763 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 48 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/EK-Quote: 398 Millionen Euro/ 44 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 75 Millionen Euro
Empfehlung: Gewinne mitnehmen
Stand: 23. Februar 2012
Anlagen lohnen sich noch
Eine Kürzung der Vergütungssätze um 20 Prozent und mehr hört sich dramatisch an, relativiert sich jedoch angesichts der seit Jahren rasant sinkenden Preise für Solaranlagen. Die einst üppigen Renditen für die Betreiber von Solaranlagen werden zwar beschnitten; sie bleiben aber so hoch, dass sich Anlagen weiterhin lohnen.
Für Aktionäre dagegen dürfte mit der jetzt angestrebten Kürzung der Solarförderung die goldene Börsen-Ära der Solarwerte endgültig zu Ende sein. Lange Zeit lieferten Solaraktien wie Q-Cells, Solarworld, SMA, Manz oder Conergy hohe Kurszuwächse. Dann drückten die chinesischen Konkurrenten die Preise, die von Subventionen verwöhnten deutschen Anbieter stürzten ab.
Extrem mutige Anleger
Da die meisten Werte eh schon arg gebeutelt waren, rutschten die Kurse von Solaraktien nach Bekanntgabe der Kürzungspläne zwar deutlich ab, ein Totalzusammenbruch blieb jedoch aus. Jetzt kaufen nur noch extrem mutige Anleger. Welche Unternehmen sind von der Kürzung am stärksten betroffen, wer hat trotzdem noch Chancen am Markt (siehe Bildergalerie in der linken Spalte)?
Die Kürzungspläne betreffen alle Spielarten der Solarstromerzeugung: auf dem Dach des Reihenhäuschens, der Scheune oder riesigen Freiflächen in Brandenburg oder Bayern. Ungeschoren kommt niemand davon – egal, ob ein vergleichsweise solides Unternehmen wie Solarworld, die bereits insolventen Solon und Solar Millennium oder taumelnde einstige Börsenlieblinge wie Q-Cells, Phoenix Solar und Conergy.
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