Fotovoltaik: Bei Solarworld sind wieder Millionen futsch

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Fotovoltaik: Bei Solarworld sind wieder Millionen futsch

von Mario Brück

Neuer Nackenschlag für Solarworld: Die Neubewertung von Rohstoffbelieferungen kostet das Bonner Solarunternehmen Millionen.

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Solarworld-Chef Frank Asbeck fasst sich ins Gesicht. Wieder gibt es schlechte Nachrichten für das angeschlagene Solarunternehmen.

Der angeschlagene Bonner Solarkonzern hat mittels einer Ad-Hoc-Mitteilung auf weitere Belastungen in Millionenhöhe hingewiesen. Nach Verhandlungen mit einem Rohstofflieferanten sei eine bilanzielle Neubewertung der geleisteten Anzahlungen beziehungsweise Rückforderungsansprüche aus den langfristigen Lieferverträgen notwendig. Dadurch werde das Ergebnis von Solarworld um einen zweistelligen Millionenbetrag belastet.

Doch Solarworld wäre nicht Solarworld, könnte man dem neuerlichen Nackenschlag nicht auch etwas Positives abgewinnen: Das Unternehmen sieht „kurz- und mittelfristig positive Liquiditätseffekte“.

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In der vergangenen Woche hatte der Silizium-Lieferant Wacker Chemie aus München mitgeteilt, dass man die Vertrags- und Lieferbeziehungen mit einem der Kunden für Solarsilizium neu geregelt habe. Das deutsche Spezialchemieunternehmen zählt zu den weltweit größten Produzenten für den Grundstoff für Solaranlagen, Reinstsilizium. Wacker hatte dem Kunden zugesichert, aus Wettbewerbsgründen den Namen nicht zu nennen und die Einzelheiten der neuen vertraglichen Regelungen vertraulich zu behandeln. Allerdings meldete der Chemiekonzern, dass sich in diesem Zusammenhang Sondererträge aus einbehaltenen Vorauszahlungen und Schadenersatzleistungen ergeben, die das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) des Konzerns voraussichtlich um rund 115 Millionen Euro erhöhen. Damit drängt sich zwangsläufig eine Verbindung der beiden Mitteilungen auf.

Was bleibt ist die Frage, warum Solarworld „nur“ einen „zweistelligen Millionenbetrag“ ins Spiel bringt, während Wacker Chemie von „rund 115 Millionen Euro“ ausgeht. Undurchsichtig ist auch die Tatsache, dass Solarworld seine Aktionäre erst sage und schreibe sieben Tage später informierte.

Solarworld hat zuletzt seine finanzielle Restrukturierung unter Dach und Fach gebracht. In deren Rahmen ist eine Kapitalherabsetzung um rund 95 Prozent verbunden mit einer anschließenden Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage durchgeführt worden beziehungsweise geplant. Damit tragen die Aktionäre den Großteil des Schuldenschnitts. Frisches Geld soll im Rahmen der Kapitalerhöhung von Qatar Solar Technologies kommen, die für 35 Millionen Euro rund 30 Prozent der Unternehmensanteile erhalten sollen.

Zudem will Solarworld-Chef Asbeck selbst rund zehn Millionen Euro beisteuern. Dieser hat sich in den letzten Wochen und Monaten in großem Stil von Solarworld-Aktien getrennt und so noch gutes Geld gemacht. Sein Anteil ist von ursprünglich etwa 28 Prozent auf aktuell knapp vier Prozent geschrumpft.

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