Fotovoltaik-Förderung: Der Traum von der solaren Zukunft ist zerplatzt

KommentarFotovoltaik-Förderung: Der Traum von der solaren Zukunft ist zerplatzt

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Die Solarförderung soll gekürzt werden

von Dieter Dürand

Der Umweltrat empfiehlt, die Solarförderung drastisch zu kürzen. Die Branche ist schockiert. Dabei wäre das für die Zukunft der Erneuerbaren eine große Chance. Ein Kommentar von Dieter Dürand.

Ein neues Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Die Ökoweisen unter dem Vorsitz des Münchner Energie-Professors Martin Faulstich kommen darin zu dem Schluss, dass der Sonnenstrom extrem unwirtschaftlich ist und die Vollversorgung Deutschlands mit Energie aus erneuerbaren Quellen unnötig verteuert. Dabei ist die Fotovoltaik laut dem Szenario der Wissenschaftler sogar verzichtbar: Wind, Biomasse und Wasserkraft können im Verbund mit Pumpspeicherkraftwerken und geringen Stromimporten in windschwachen Zeiten den geschätzten Jahresbedarf von 500 Milliarden Kilowattstunden (kWh) im Jahr 2050 allein decken. Und das zu weitaus geringeren Kosten.

Die Forscher fordern daher, die Solarförderung drastisch zu beschränken. Als Obergrenze bringen sie einen jährlichen Zubau von 500 bis 1000 Megawatt (MW) ins Spiel. Das liegt weit unter dem Ausbaukorridor von 2500 bis 3500 MW, den die Bundesregierung anpeilt. Für alle über die Obergrenze hinaus errichteten Anlagen, erhielten die Investoren künftig keine Vergütung mehr aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG). Würden die hohen Solarsubventionen nicht umgehend gedrosselt, warnen die Regierungsberater, bedrohe das die Akzeptanz des gesamten Umlagesystems.

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Gnadenlose Abrechnung mit der Solarförderung

Zugleich räumen die Experten mit einer Legende auf, die Solarlobbyisten nur allzu gerne streuen, um Politik und Öffentlichkeit trotz der ausufernden Solarkosten gewogen  zu halten. Die Erzeugungskosten des Sonnenstroms, so argumentieren sie, lägen schon in Kürze  auf dem Niveau dessen, was private Stromkunden heute für ihren Steckdosenstrom bezahlen. Mit dem Erreichen der sogenannten Netzparität würde der Sonnenstrom die Wirtschaftlichkeit erreichen und Anlagen sich fortan auch ohne Subventionen verkaufen.

Die Ökoweisen zerpflücken diese These. Sie weisen darauf hin, dass die Module den meisten grünen Strom mittags produzieren, wenn viele Menschen bei der Arbeit sind und deshalb zu Hause wenig Energie verbrauchen. Um ihn auch abends und nachts nutzen zu können, sind teure Batterien notwendig. Ihr Einbau würde die Erzeugungskosten aber wieder deutlich steigen lassen. Die Netzparität, schreiben die Gutachter, sei also kein Indikator dafür, dass die Fotovoltaik einen Platz in der Energieerzeugung der Zukunft haben sollte.

Ihr 680-Seiten-Werk ist eine gnadenlose Abrechnung mit der Solarförderung und entlarvt sie als gewollten Irrsinn. Denn mit der Fotovoltaik treibt die Bundesregierung ausgerechnet die Technologie am stärksten voran, die am teuersten und ineffektivsten ist. Obwohl die installierte Leistung der Solarmodule mit rund 20 Gigawatt (GW) inzwischen das Potenzial von zehn mittelgroßen Kohlekraftwerken erreicht, tragen die Anlagen nur rund zwei Prozent zur hiesigen Stromversorgung bei. Dafür summieren sich die Solarschulden schon auf mehr als 100 Milliarden Euro, die von den Stromkunden in den nächsten 20 Jahren abbezahlt werden müssen.

Solarbranche hat Zukunft hinter sich

Waren die Solarkosten unter Röttgens  Vorgängern Jürgen Trittin (Grüne) und dem heutigen SPD-Vorsitzenden Siegmar Gabriel noch einigermaßen überschaubar, sind sie seit Röttgens Amtsantritt vor gut einem Jahr regelrecht in die Höhe geschossen. Neueste Schätzungen gehen für das vergangene Jahr von einem Zubau von fast zehn Gigawatt aus – so viel wie noch nie. Doch statt die Reißleine zu ziehen, hat Röttgen mit der Solarbranche lediglich eine Zusatzkürzung der Förderung ausgehandelt, die diese ruhig schlafen lässt. Experten gehen von einem ungebremsten Boom aus, denn die staatlich garantieren Renditen für die Solarinvestoren sind mit sechs Prozent und mehr nach wie vor fürstlich.

Gern rechtfertigt die Politik die Subventionierung mit dem Aufbau einer Zukunftsindustrie. Doch die, so hat die WirtschaftsWoche jüngst in einer Analyse gezeigt, hat ihre Zukunft in großen Teilen schon hinter sich. Längst bieten chinesische Hersteller Solarzellen in gleicher Güte wesentlich preiswerter an. Für sie war das deutsche Solar-Fördersystem ein geniales Entwicklungsprogramm. Holt die Regierung jetzt den Förderdeckel raus, um den Subventionswahn zu begrenzen, wird sich der Markt noch schneller bereinigen. Keine guten Aussichten für die Grünstromer. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

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