Gaslieferungen an Ukraine: Gazprom setzt den Westen unter Druck

Gaslieferungen an Ukraine: Gazprom setzt den Westen unter Druck

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Die Gas-Lieferungen an Europa seien trotz der Ukraine-Krise sicher, beteuert das Unternehmen.

von Henning Krumrey

Gazprom und sein deutscher Partner Wintershall machen Stimmung für ihr Angebot – und setzen den Westen unter Druck, Kiew das Geld für die ukrainische Gasrechnung zu spendieren.

Das Versprechen, das Alexander Medwedjew abgibt, ist weitreichend. Auch wenn die EU eine weitere Stufe von Sanktionen gegen Russland auslöste, so beteuert der Generaldirektor von Gazprom Export, werde sein Unternehmen „alle Lieferverpflichtungen an unsere europäischen Kunden erfüllen“. Zusammen mit Rainer Seele, dem Vorstandsvorsitzenden des deutschen Partners Wintershall, wirbt Medwedjew um Vertrauen. Der russische Staatskonzern sieht sich als unsicherer Lieferant an den Pranger gestellt und bittet deshalb zur PR-Offensive.

„Die Gaslieferungen waren nie Teil der politischen Überlegungen, weil es eine gegenseitige Abhängigkeit gibt“, beteuert der Gast aus Moskau, der die Presse ins Berliner Regent Hotel eingeladen hat. Etwas anders sieht es freilich mit der Gasversorgung des russischen Nachbarn Ukraine aus. Der steht schon kräftig beim Gasgiganten in der Kreide, mit diesem Monat wachsen die Außenstände von 2,2 auf 3,5 Milliarden Dollar. Wenn die gegenseitigen Verpflichtungen eingehalten würden, sprich: die Ukraine endlich zahlt, werde Gazprom auch die Mengen für den Nachbarn weiter durch die Pipelines schicken. Künftig werde es Energie nur noch gegen Vorkasse geben. Und wenn nicht bis zum 1. Juni die fälligen Beträge auf dem Konto in Moskau eingingen, dann müssten die Lieferungen für die Ukraine eingestellt werden.

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Medwedjew verpackt das alles sehr geschickt. Die Mengen für Westeuropa würden selbstverständlich wie vereinbart bis zur Grenze der Ukraine geliefert. Wenn dann am anderen Ende der Röhre weniger ankomme, sei das ein Problem der Partner im Westen. „Wenn die Ukraine Gas aus den Transitpipelines entnimmt, ohne zu bezahlen“, warnt der Gazprom-Generaldirektor, „dann ist das Raub, wie im Jahr 2009.“ Zumal die Ukraine „am Rande des ökonomischen Kollapses steht“, wie Medwedjew nicht versäumt zu erwähnen. „So war es auch im Dezember. Damals hat Russland die Ukraine gerettet.“ Die Botschaft ist klar: Diesmal muss halt der Westen zusehen, wie er seinen neuen Verbündeten über Wasser hält und die garantierten Mengen für Westeuropa auch tatsächlich bekommt.

Unermüdlich listet Medwedjew auf, welche Mengen das zerrissene Land an der Westgrenze Russlands wann bezogen habe, wie viel Geld die Ukraine jetzt und in Zukunft schulde. Dass jetzt eigentlich die Läger für den Winter aufgefüllt werden müssten. Dass die Gelder, die der Internationale Währungsfonds als Ukrainehilfe bereitstellen wolle, längst nicht ausreichten (während man doch im Falle des argentinischen Staatsbankrotts 2001 dem südamerikanischen Land mit Dutzenden Milliarden unter die Arme gegriffen habe). Natürlich könne die Ukraine den Gaspreis für die heimischen Bürger erhöhen, um zu Geld zu kommen, „aber wenn die Bevölkerung das gar nicht bezahlen kann, ist es keine Lösung des Problems“.

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Der Wintershall-Chef, der einen wichtigen Teil seines Geschäfts mit dem russischen Partner abwickelt, trommelt ebenfalls vehement. „Wir sollten uns politisch und energetisch nicht von Russland abwenden“, sagt Seele. Die langfristigen Lieferbeziehungen hätten für sein Unternehmen einen hohen Wert. „Auch die Banken fordern diese langfristigen Verträge für die Sicherung unserer langfristigen Investitionsvorhaben.“ Denn gerade der direkte Einstieg in die Produktion im Osten, so wie es Wintershall im Projekt Achimgaz mache, garantiere am besten die Versorgungssicherheit. Und wenn demnächst die heimische Förderung immer weiter zurückgehe, dann ist „für mich Russland die beste Adresse“.

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