Gazprom: Energiekonzern profitiert vom schwachen Rubel

Gazprom: Energiekonzern profitiert vom schwachen Rubel

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ARCHIV - Das Logo des russischen Energieversorgers Gazprom an der Firmenzentrale in Moskau (Archfoto vom 02.01.2009). Gazprom veröffentlicht am 13.11.2015 die Zahlen für das 3. Quartal. Foto: EPA/SERGEI ILNITSKY +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der schwache Rubel beschert dem Energiegiganten Gazprom gute Gewinne. Deutschland bleibt auch weiterhin größter Abnehmer von russischem Gas. Trotz der Gewinne schlagen Manager eine Aufteilung des Konzerns vor.

Der vom Kreml gesteuerte Energiekonzern Gazprom hat für die ersten neun Monate des Jahres einen kräftigen Gewinn gemeldet. Für die Zeit von Januar bis September liege der nach russischer Rechnungslegung (RAS) bilanzierte Nettogewinn umgerechnet bei 2,4 Milliarden Euro – fast fünfmal so viel wie vor Jahresfrist, teilte das Unternehmen mit.

Den Gewinnschub führte Gazprom hauptsächlich auf die andauernde Rubelschwäche sowie auf Verträge aus Immobiliengeschäften und „Beteiligungen an anderen Unternehmen“ zurück. Nähere Angaben machte der Staatskonzern zunächst nicht. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um 8 Prozent auf knapp 3,1 Billionen Rubel. Die Einnahmen aus dem Gasgeschäft mit Ländern außerhalb der früheren Sowjetunion legten infolge der starken Rubelabwertung um 16 Prozent zu.

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Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

  • Gas

    Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

  • Gastransport

    Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

    Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

  • Gaseinsatz und -preis

    Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

    Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

  • Öl

    Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen ein Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

  • Transport

    Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Ein zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

  • Öleinsatz und -preis

    Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Lieferverträge von Gazprom sind meist in US-Dollar abgeschlossen. Wegen des niedrigen Ölpreises hat aber die russische Währung zum Dollar massiv an Wert verloren. Das Unternehmen kassiert damit wegen des Wechselkurses deutlich mehr Rubel für Gas.

Forderungen einer Zerschlagung von Gazprom erteilte die Regierung in Moskau eine Absage. Der für Energie zuständige Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch sagte, er habe die Vorschläge zwar nicht studiert, sei aber gegen eine Aufteilung des Monopolisten. Beobachtern zufolge wurde das Thema auf Regierungsebene bisher nicht intensiv behandelt.

Einflussreiche Topmanager wie der Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, tragen sich seit Jahren mit Plänen, Gazprom in zwei Konzerne zu teilen. So fordert Setschin, Gazprom solle ein Tochterunternehmen gründen, das für den Transport und das Speichern von Gas zuständig ist.

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Gazprom dürfte im laufenden Jahr die Gasförderung auf etwa 427 Milliarden Kubikmeter zurückfahren. Ursprünglich hatte der Konzern für 2015 etwa 485 Milliarden Kubikmeter eingeplant. Nach dem ersten Quartal wurde die Prognose auf 471 Milliarden und nach dem zweiten Quartal auf 447 Milliarden Kubikmeter nach unten korrigiert. Deutschland, das rund 40 Prozent seines Gasbedarfs in Russland deckt, bleibt mit Abstand größter Abnehmer von russischem Gas.

Den Angaben zufolge reduzierte Gazprom seinen Anteil am Gasprojekt Nord Stream-2 um einen Prozentpunkt zugunsten der französischen Engie auf 50 Prozent. Die restliche Hälfte wird jetzt zu je 10 Prozent von den deutschen Konzernen BASF und Eon sowie Engie, der österreichischen OMV und dem britisch-niederländischen Energieriesen Shell kontrolliert.

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