Genossen übernehmen Prokon: Energieversorger EnBW verliert den Kampf

Genossen übernehmen Prokon: Energieversorger EnBW verliert den Kampf

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Dunkle Gewitterwolken ziehen über einem Feld mit Windenergieanlagen.

von Angela Hennersdorf

Der Kampf um den insolventen Windparkbetreiber Prokon ist entschieden. Die Mehrheit der Gläubiger entscheidet sich dafür, die Firma in eine Genossenschaft umzuwandeln. Für den Energieversorger EnBW wird es nun schwierig, das Geschäft schnell auf grüne Energie zu trimmen.

Frank Mastiaux, Chef des drittgrößten Energieversorgers in Deutschland EnBW, legt an diesem Tag einen großen Sprung über seinen Schatten hin. Kaum war klar, dass der Energieversorger den Kampf um den Windparkbetreiber Prokon, um das er in den vergangenen Wochen bis zuletzt erbittert kämpfte, verloren hat, veröffentlichte er einen offenen Brief an die Gläubiger. Die haben sich mehrheitlich für das Genossenschaftsmodell entschieden und gegen das Übernahmeangebot von EnBW. Der Versorger hatte 550 Millionen Euro in bar geboten.

„Das EnBW-Team und ich persönlich bedauern das natürlich, denn nach unserer Überzeugung hätten EnBW und Prokon gut zusammengefasst“, schreibt Mastiaux in einem offenen Brief an die Prokon-Gläubiger. Das mindere aber nicht den Respekt, den die EnBW für die Entscheidung der Gläubiger und insbesondere der Genussrechtsinhaber haben. Denn darin käme eine große Verbundenheit mit Prokon zum Ausdruck. Er wünsche dem Unternehmen Prokon, seinen Mitarbeitern und seinen Eigentümer alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft, schließt der Top-Manager seinen Brief. 

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Was wird aus Prokon, Genossenschaft oder EnBW-Übernahme? Quelle: dpa Picture-Alliance

Was jetzt so versöhnlich klingt, klang vor wenigen Tagen noch ganz anders. Schriftlich hatte sich der Versorger beim Insolvenzgericht und beim Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin beklagt, weil es sich durch „mehrfache Regeländerungen“ benachteiligt fühlte. Zum einen habe sich durch die überraschende Senkung der Quote für das Genossenschaftsmodell die Entscheidungsgrundlage wesentlich geändert. Zum anderen sahen die EnBW-Anwälte durch das Angebot der Ökostromanbieter Naturstrom AG und Elektrizitätswerke Schönau, Genussscheininhabern ihre Anteile abzukaufen, einen möglichen Verstoß gegen die Insolvenzordnung. Anfechtungsklagen wegen dieser nachträglichen Korrekturen will EnBW aber auf Nachfrage nicht führen.

Rund 37.000 Inhaber von Prokon-Genussrechten verzichten auf die Barauszahlung ihrer Insolvenzforderungen und bringen damit rund 200 Millionen Euro Eigenkapital in die Genossenschaft ein. Diese soll unter anderem mit einer 15 Jahre laufenden Anleihe, die an die Genussrechteinhaber ausgegeben wird und mit 3,5 Prozent verzinst wird, finanziert werden.  Die Genossen müssen nun beweisen, dass sie das Geschäft mit dem Wind besser managen als Prokon-Gründer Carsten Rodbertus, mit dem die Firma in die Pleite abdriftete und im Januar 2014 Insolvenz anmelden musste.

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Nun muss sich der Energieversorger aus Karlsruhe, das einen Großteil seiner Umsätze noch mit Atomstrom generiert, neu orientieren. Bis 2020 hat sich der Konzern ein ehrgeiziges Ziel gegeben. Um das Geschäft mit erneuerbaren Energien anzukurbeln, will EnBW in den nächsten fünf Jahren 3,5 Milliarden Euro investieren. Dazu sollen drei Milliarden Euro in den Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze fließen. Bis zum Jahr 2020 sollen die Geschäfte mit grüner Energie sowie Netzgeschäfte mit fast 90 Prozent zum Ergebnis des Konzerns beitragen.

Der Versorger aus Karlsruhe hätte mit dem Kauf der 54 Prokon-Windparkanlagen seine Windenergie-Kapazitäten auf über 700 Megawatt mehr als verdreifachen können. Ob die EnBW nun diese Ertragsziele innerhalb von fünf Jahren erreichen kann, bleibt fraglich. Neue Windkraftanlagen dazu zu kaufen, ist schwierig. Am insolventen Unternehmen Windreich war EnBW interessiert, hat sich dann aber wieder zurückgezogen.

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