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Gerangel bei Desertec: Am Rande der Verzweiflung

von Andreas Wildhagen

Die Stifter des Saharastromprojekts Desertec haben die beteiligten Unternehmen dreist vorgeführt. Ein erstes droht mit Austritt.

Noch vor kurzem steckte Dii-Chef Paul van Son große Hoffnungen in das Saharastromprojekt - Nun schaut er zunächst in die Röhre Quelle: dpa
Noch vor kurzem steckte Dii-Chef Paul van Son große Hoffnungen in das Saharastromprojekt - Nun schaut er zunächst in die Röhre Quelle: dpa

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Paul van Son weckte große Hoffnungen: „Wir werden mit der neuen tunesischen Regierung in Verhandlungen eintreten, um neue Projekte für Solarkraftwerke in der Sahara anzuschieben und auch eine Stromleitung durch das Mittelmeer zu verlegen.“

Es klang nach Tatkraft, was der Geschäftsführer von Desertec Industrial Initiative, kurz: Dii, vor einem Dreivierteljahr ankündigte. Die Atomkatastrophe von Fukushima war noch frisch, das Aus für die deutschen Atommeiler nur eine Frage der Zeit. Da schien es günstig, vom Sonnenstrom aus der Wüste Nordafrikas zu schwärmen, wo gerade die Diktatoren weggefegt wurden.

Wer hat das Sagen?

Doch außer einem Pilotkraftwerk in Marokko kam bei den 21 Anteilseignern von Dii bisher nichts an. Im Gegenteil: Die hochfliegenden Pläne, Europa bis 2050 mit Solarstrom aus der Sahara zu versorgen, verflüchtigen sich zunehmend durch einen internen Streit. Es geht darum, wer in dem auf 400 bis 500 Milliarden Euro taxierten Megaprojekt das Sagen hat: die Desertec Foundation, jene in Hamburg angesiedelte, mildtätige Stiftung, die das Großvorhaben initiierte; oder Dii in München, das Konsortium namhafter Unternehmen, das mit der Wüstensonnenidee das große Geschäft machen will.

Die wichtigsten Akteure des Sahara-Stromprojekts Desertec. Zum Vergrößern auf die Grafik klicken.
Die wichtigsten Akteure des Sahara-Stromprojekts Desertec. Zum Vergrößern auf die Grafik klicken.

Am Rande der Verzweiflung

„Das Kompetenzgerangel, das die Desertec Foundation angezettelt hat, bringt uns schier zur Verzweiflung“, heißt es beim Dii-Gesellschafter E.On. Der Düsseldorfer Energiekonzern will zunächst abwarten, erwägt aber, so ist zu hören, im Extremfall aus Dii wegen „Dauer-Hickhack und organisatorischer Nutzlosigkeit“ auszusteigen. Spötter in den Dii-Unternehmen verhöhnen Desertec bereits als „Desperate-Tec“, ein verzweifeltes Projekt, frei übersetzt.

Auslöser für das Zerwürfnis ist die Ankündigung des ersten großen Solarstromprojekts namens Tunur in Tunesien vor zwei Wochen. Denn nicht Dii mit seinen Unternehmen schiebt die geplante Großanlage an. Stattdessen präsentierte die Desertec Foundation ein bereits bestehendes tunesisches Projekt plötzlich als ihr eigenes, an dem unter anderem englische Entwickler beteiligt sind.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 11.02.2012, 09:03 UhrArnoAEvers

    Die Desertec Idee ist nicht wirklich neu, sie besteht ja bereits seit den 1970er Jahren (erste Ölkrise). Ich habe die Grafik mit den Fächen in Nord-Afrika, die für die Energieversorgung Deutschlands, Europas und der Welt erforderlich sind, schon bei meinem Chef Ludwig Bölkow, Gründer von MBB, in seinem Büro gesehen.
    Die Trennung in Desertec Stiftung (Sitz in Hamburg)als "Ideengeber" und dii GmbH (Sitz in München)
    als industrielle Vertretung macht nicht nur die Kommunikation sondern auch die Alltagsarbeit oft schwer,
    wenn nicht gar unmöglich, weil beide ganz andere Interessen haben und diese auch vertreten (müssen).

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