Gründertagebuch: Klimaneutral Kohle machen

Gründertagebuch: Klimaneutral Kohle machen

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Suncoal-Gründer: v. Ploetz, v. Ohlshausen, Wittmann, v. Massow (v. links)

Vier Jungunternehmer produzieren klimaneutrale Kohle. Im Gründertagebuch schreibt Hans-Joachim von Massow, wie sein Team auf die Idee kam, wie sie hoch bezahlte Jobs hinschmissen und wie sie Investoren suchten.

15. Oktober 2006

Es ist ein sonniger Sonntagnachmittag in Berlin. Mein Freund Tobias Wittmann und ich sitzen in einem Café am Prenzlauer Berg und diskutieren über die deutschen Energieprobleme. Dabei kommen wir auf die Versorgung von Großstädten mit Strom aus regenerativen Quellen. Meiner Meinung nach würde das viele Probleme lösen. Tobias erzählt von Energiegewinnung aus Biomasse wie Stroh oder Gartenabfälle. Er hatte gerade darüber gelesen, wie man die verkohlen und anschließend in Kraftwerken zu Strom verwandeln kann. Ich bin begeistert, sehe die Chance einer Unternehmensgründung, von der ich schon lange träume. Ich arbeite zurzeit als Unternehmensberater bei Roland Berger und bin nur an den Wochenenden in Berlin. Tobias arbeitet als Energie- und Verfahrenstechniker an der TU Berlin.

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12. November

Uns lässt die Idee nicht los. Tagsüber schreibt Tobias seine Dissertation, nachts wühlt er sich durch Fachartikel. Die Verkohlung von Biomasse ist ein altes Verfahren. Friedrich Bergius hat es 1910 entdeckt, aber zu einem großen Geschäft hat es bisher niemand gemacht. Alle Patente sind ausgelaufen – perfekt für uns. Bei einer Nachtsitzung kommt Tobias auf den optimalen Namen für unsere Idee: Suncoal. Die Sonne lässt Pflanzen wachsen. Die veredeln wir zu Kohle.

14. Januar 2007

Silvester habe ich zum ersten Mal einen Vorsatz gefasst: Dieses Jahr will ich mich entscheiden: Berater oder Unternehmer. Ende des Jahres muss es klar sein.

19. Februar

Tobias und ich haben uns wochenlang nicht gesehen. Ich hatte in Russland zu tun, Tobias in Berlin. Unser Projekt stand lange still. Heute habe ich endlich Urlaub. Eine Woche können wir zusammensitzen und planen. Wir müssen eine Testanlage bauen und herausfinden, ob wir die Verkohlung wirklich hinbekommen.

21. Februar

Großartige Neuigkeiten: Die TU Berlin will mit uns ein Forschungsprojekt initiieren.

5. April

Alles ist schwieriger als erwartet. Zwar bekommen wir die Verkohlung von Gärresten aus Biogasanlagen hin. Aber wir brauchen eine bessere Laborausstattung, um das Verfahren verfeinern zu können. Die TU Berlin stellt uns einen Raum. Mittlerweile fliege ich jeden Freitag von Moskau nach Berlin. Das Wochenende teile ich zwischen Freundin und Firma. Beim Einschlafen frage ich mich, wie lange ich das noch aushalte.

10. Mai

Tobias’ Einnahmen brechen weg. Jahrelang hat er von einem Stipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft gelebt. Das ist ausgelaufen, und jetzt wird sein Geld knapp. Er hat einige Jobangebote erhalten. Es wird ernst: Wie kann eine Firma ohne einen Forscher funktionieren? Die Lage erscheint aussichtslos. Ich will versuchen, mich von der Arbeit freistellen zu lassen. Ein halbes Jahr – unbezahlt.

14. Juli

Wir brauchen Verstärkung. Ich hatte Friedrich von Ploetz, einem Freund aus Schulzeiten, von der Geschäftsidee erzählt. Er war sofort begeistert. Friedrich arbeitet wie ich als Berater bei Roland Berger, macht aber gerade einen MBA an der Insead Business School in Frankreich. Das ist die Chance! Während eines Austauschs an der Wharton Business School in den USA würde er Zeit haben, ein Programm für die Berechnung der Wirtschaftlichkeit zu entwickeln und einen Businessplan zu schreiben.

26. August

Eine Bar in Berlin Mitte. Tobias und ich trinken Wein. Wir haben beschlossen, Friedrich an der Firma zu beteiligen.

6. September

Hotelzimmer in Novosibirsk. Mein neues Projekt ist in Sibirien. Gestern habe ich davon erfahren, heute bin ich schon da. So kann es nicht weitergehen. Will ich diese Bank hier beraten oder in Deutschland eine Firma aufbauen? Doch wir haben immer noch keinen Investor. Ich berate mich mit meiner Freundin und meiner Mutter. Am Ende ist klar: ich kündige.

4. Oktober

Hauptbahnhof Berlin, Gleis 8. Ich treffe Christian von Olshausen. Auch er ist ein alter Freund, Wirtschaftsingenieur von der TU Dresden. Christian hat sich schon immer für erneuerbare Energien interessiert. Er leitet seit drei Jahren eine Produktion im pharmazeutischen Bereich bei Procter & Gamble. Ich hatte ihm von der Idee erzählt. Seitdem kreisten seine Gedanken ständig darum. Jetzt will er das Team kennenlernen. Ich glaube, dass Christian gut zu uns passen würde.

5. Oktober

Christian trifft sich im Café mit Tobias. Es geht um Technik und die Frage, ob die beiden zusammenarbeiten möchten. Ich steige in meinen Roland-Berger-Dienstwagen und fahre zum Arbeitsamt, um mich arbeitslos zu melden. Dann gebe ich den Wagen, das Handy und den Computer ab. Es ist eine Zäsur, aber wunderschön.

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