Grüne Energie: Chinesen bedrohen deutsche Windanlagenbauer

ThemaEnergiewende

Grüne Energie: Chinesen bedrohen deutsche Windanlagenbauer

von Mario Brück und Matthias Kamp

Die Meinungen der Experten gehen auseinander, ob chinesische Konzerne – wie in der Solarbranche – europäische Windanlagenhersteller bald vom Markt fegen. Wie konkret ist die Bedrohung?

Peter Brun, Manager bei Vestas, dem größten Windradbauer der Welt, nutzte die Gelegenheit für ein spöttisches Grußwort: „Viele westliche Hersteller begrüßen ihren Eintritt in den offenen Markt, denn mit ihm kommt mehr Transparenz in die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit asiatischer Produkte“, sagte der Vertreter des dänischen Windkonzerns an die Adresse der angereisten Wettbewerber aus China.

Im Klartext: Soll nur jeder auf der Welt sehen, wie reparaturanfällig und unzuverlässig die Windmühlen aus dem Reich der Mitte sind.

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Steigende Nervosität

Bruns beißende Ironie Mitte April auf dem viertägigen weltgrößten Windbranchentreff im Bella-Center von Kopenhagen mag noch so zutreffen. Sie kann gleichzeitig aber nicht verdecken: Die europäischen Mühlenbauer rotieren und sind hochgradig nervös. Innerhalb von drei Jahren sind fünf chinesische Windradhersteller unter die zehn größten Anbieter der Welt gestoßen und haben für Überkapazitäten und Preisverfall gesorgt. Noch 2006 ein Zwerg mit gut zwei Gigawatt Produktionsausstoß, entwickelte sich China in Rekordzeit zu einem Windgiganten mit heute mehr als 60 Gigawatt.

Anteil in Prozent an der weltweiten Produktion von Windenergieanlagen Quelle: BTM

Anteil in Prozent an der weltweiten Produktion von Windenergieanlagen (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: BTM

Droht den europäischen, vor allem den deutschen Windradbauern damit ein ähnliches Desaster wie der Solarindustrie? Ist der Niedergang der lange Zeit führenden deutschen Solarzellen- und Modulproduktion die negative Blaupause für die Windfänger?

Die Meinungen dazu gehen diametral auseinander. Manfred Bayerlein, Chef des TÜVs Rheinland in Köln, eines der größten Prüfinstitute von Windkraftanlagen, ist von der Parallele zur Solarwirtschaft überzeugt. Wie deutsche Solaristen reihenweise in die Pleite schlitterten, während China binnen zehn Jahren eine Branche mit Hunderten Unternehmen hochzog, müsse nun auch die deutsche Windindustrie bangen.

Den Unkenrufen widerspricht Wolfgang Krenz, Partner bei der Münchner Managementberatung Oliver Wyman. „Eine Analogie zur Solarbranche ist nicht korrekt“, sagt der Windenergieexperte. Krenz erwartet weder ein massives Abwandern von Wertschöpfung nach China noch eine Dominanz der Chinesen auf dem Weltmarkt.

Entwicklung der größten Windkraftanlagenbauer

  • Was hat Oliver Wyman untersucht?

    Die Experten der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman haben zusammengetragen, wie hoch die Zahl der neu installierten Leistung der jeweiligen Windkraftanlagenbauer weltweit war und wie das Unternehmen in den Jahren 2008 bis 2011 gewachsen ist. Dazu wurde die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, abgekürzt CAGR) herangezogen.

  • Guodian - China

    Neuinstallation 2011 in Megawatt: 3.042

    Wachstum 2008-2011 (CAGR): 173%

  • Mingyang - China

    Neuinstallation 2011: 1.500

    Wachstum 2008-2011: 105%

  • Goldwind - China

    Neuinstallationen 2011: 3.600 MW

    Wachstum 2008-2011: 46%

  • Sinovel - China

    Neuinstallation 2011: 3.700 MW

    Wachstum 2008-2011: 37%

  • Suzlon - Indien

    Neuinstallation 2011*: 3.116 MW

    Wachstum 2008-2011: 20%

    *inklusive REpower Systems

  • Siemens - Deutschland/Dänemark

    Neuinstallation 2011: 2.591 MW

    Wachstum 2008-2011: 11%

  • Dongfang - China

    Neuinstallation 2011: 1.100 MW

    Wachstum 2008-2011: 2%

  • Gamesa - Spanien

    Neuinstallation 2011: 3.308 Megawatt

    Wachstum 2008-2011: 2%

  • Enercon - Deutschland

    Neuinstallation 2011: 3.203 MW

    Wachstum 2008-2011: 0 %

  • Vestas - Dänemark

    Neuinstallationen 2011: 5.217 MW

    Wachstum 2008-2011: - 1%

  • Nordex - Deutschland

    Neuinstallationen 2011: 970 MW

    Wachstum 2008-2011: - 3%

  • GE Energy - USA

    Neuinstallationen 2011: 3.170 MW

    Wachstum 2008-2011: -3%

  • Acciona - Spanien

    Neuinstallationen 2011: 651 MW

    Wachstum 2008-2011: - 20%

Szenarien, nach denen die Chinesen in drei bis fünf Jahren die europäischen Hersteller überrollen könnten, hält auch Alina Bakhareva, Leiterin Erneuerbare Energien bei der Beratungsgesellschaft Frost & Sullivan in London, für allzu pessimistisch. „Das passiert frühestens in 10 bis 15 Jahren, das erscheint mir realistischer.“

Starke Heimbasis

Die unterschiedlichen Prognosen resultieren daraus, dass der Markt für Windräder gespalten ist und vermutlich noch für längere Zeit gespalten bleibt – sowohl bei den Anlagen als auch bei den Abnehmern.

So erklärt sich der Vorstoß von fünf chinesischen Anbietern unter die weltweiten Top Ten vor allem damit, dass sie über einen immens großen Heimatmarkt verfügen und fast nur diesen beliefern. „Es ist klar, dass die Chinesen da ihre Stärken ausspielen“, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie in Berlin. Auf dem deutschen Markt dagegen ließe sich gegenwärtig nicht erkennen, dass chinesische Hersteller Fuß fassten. Cheflobbyist Albers ist überzeugt: „Deutsche Anlagen liegen in Qualität und Leistungsfähigkeit weit vor chinesischen.“

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