Grüne Technologie: Siemens hat die Weltspitze erobert

Grüne Technologie: Siemens hat die Weltspitze erobert

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Peter Löscher

von Michael Kroker

Konzernchef Peter Löscher ist es tatsächlich gelungen, bei grüner Technik weltweit den Spitzenplatz zu erobern. Das zeigt ein exklusiver Vergleichs-Check mit den wichtigsten Rivalen.

Von wegen österreichische Bedächtigkeit: Als Siemens-Chef Peter Löscher im vergangenen November die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2010 präsentiert, legt der 53-jährige Kärntner seine übliche Zurückhaltung ab.

 "Siemens wird weltweit als der grüne Infrastruktur-Pionier wahrgenommen", protzte Löscher. "Wir liegen bei Umwelttechnologie deutlich vor unseren Wettbewerbern." So selbstbewusst in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit gab sich die Spitze des Münchner Industriegiganten früher nicht: "Vielleicht ist es Siemens-typisch, Gutes zu tun, aber das nicht besonders herauszustellen", frotzelte Löscher Ende 2009 im Interview mit der WirtschaftsWoche gegen seine Vorgänger.

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Vor den rund 8.000 in der Münchner Olympiahalle versammelten Aktionären trommelte Löscher heute laut weiter. Fragt sich bloß, wie viel Substanz das Selbstlob hat? Hat Löschers Fokus auf Nachhaltigkeit und saubere Technik Hand und Fuß, oder betreibt er nur Green Washing? Welchen Stellenwert haben Umweltschutz und Ressourcenschonung im eigenen Konzern? Und wie steht Siemens gegenüber den wichtigsten Wettbewerbern da?

Siemens deutlich vor GE

Um dies zu beantworten, hat die WirtschaftsWoche die Unternehmensberatung PA Consulting Group in Frankfurt die vier großen Anbieter sauberer Großtechnik analysieren lassen: Siemens, den US-Rivalen General Electric (GE), den Schweizer Elektronikriesen ABB und den französischen Anlagenbauer Alstom. Dabei hat PA Consulting jeweils die Strategie, die Produktpalette sowie die interne Organisation aller vier Konzerne unter dem Aspekt Umwelt bewertet. Untersucht wurde im Einzelnen, ob eine Nachhaltigkeitsstrategie klar formuliert und auch innerhalb des Unternehmens verankert ist, wie breit das Angebot umweltfreundlicher Produkte ist, wie viel CO2-Emissionen durch die Erzeugnisse bei den Kunden vermieden wurden und wie viel Energie oder Wasser die Unternehmen in der eigenen Produktion eingespart haben. Bis auf wenige Schätzungen wurden ausschließlich öffentlich verfügbare, durch die Konzerne selbst in ihren Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten publizierte Zahlen verwendet. 

Das Ergebnis ist relativ eindeutig: Von möglichen 100 Punkten für ein idealtypisches, umweltkonformes Industrieunternehmen erreicht Siemens insgesamt 68,4 Punkte. Damit rangieren die Münchner deutlich vor GE (56), ABB (53,2) sowie Alstom (34,8). "Siemens führt die Auswertung klar an. Der Konzern aus München ist das Thema Umweltverträglichkeit früh und mit voller Kraft angegangen", sagt David Vasak, Senior Berater für die Fertigungsindustrie bei PA Consulting und verantwortlich für die Durchführung der Studie.

Komplett umgekrempelt

Das ist maßgeblich dem Vorpreschen von Peter Löscher geschuldet: Seit seinem Amtsantritt als Konzernchef Mitte 2007 hat er Siemens gleich auf mehreren Ebenen komplett umgekrempelt. Parallel zur Aufarbeitung der gigantischen Schmiergeldaffäre hat Löscher dem Konzern eine neue Struktur übergestülpt und ihm im Juni 2008 eine Vision in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit verpasst: Damals beziffert er erstmals die Größe des Umweltportfolios von Siemens – im Geschäftsjahr 2007 erzielen die Münchner mit Produkten und Dienstleistungen zum Schutz von Umwelt und Klima einen Umsatz von 17 Milliarden Euro, seinerzeit rund ein Viertel des Konzernumsatzes.

Prompt hieß es von dem einen oder anderen Kritiker, Löscher habe den Konzern vor allem grün angestrichen. Schließlich verkaufe der Konzern schon lange Züge oder Turbinen, die heute auf einmal als umweltfreundliche Technik gälten.

Eine solche Kritik lässt PA-Analyst Vasak nicht gelten: "Mit irgendeiner Definition des grünen Portfolios müssen die Unternehmen ja beginnen. Zudem ist die Erzeugung erneuerbarer Energien im Portfolio ein guter Indikator; auch dabei rangiert Siemens vorne." Darüber hinaus lassen die Münchner ihre Methodik bei der Auswahl des Umweltportfolios von unabhängiger Seite kontrollieren; zuletzt übernahm dies die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

Grüne Gasturbinen

Als grün bezeichnet Siemens alle Produkte und Dienstleistungen, die zur Senkung der Treibhausemissionen beitragen oder als Umwelttechnologie zur Luft- und Wasserreinhaltung dienen. Grün sind somit nicht nur Windanlagen, Solarthermie-Felder oder Energiesparlampen, sondern auch Hochgeschwindigkeitszüge oder Gasturbinen. Dabei waren die Siemensianer beileibe nicht die Ersten, die die Zugkraft der Ressourcenschonung als Verkaufsargument erkannten. Ausgerechnet Erzrivale GE vermarktet sich seit 2005 unter dem Label "Ecomagination" als grüner Industriekonzern.

Insofern besteht Löschers eigentliche Leistung darin, dass er den Schalter besonders schnell und energisch auf Umwelt umgestellt und als Strategie des Unternehmens umgesetzt hat. „Bei Siemens ist die Nachhaltigkeitsstrategie tief in der Organisation verankert“, sagt PA-Consulting-Berater Vasak. "So verfügt der Konzern mit Barbara Kux über ein für das Thema verantwortliches Vorstandsmitglied und über eine ausgewiesene Nachhaltigkeitsorganisation." Beispielsweise haben 73 Prozent aller Siemens-Standorte ein zertifiziertes Umwelt-Management-System eingeführt. "Dies ist ein Nachweis, dass Nachhaltigkeit tatsächlich gelebt wird", sagt Vasak. So weit sind die Konkurrenten noch längst nicht. Beispiel GE: "Die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit wird mit dem Label Ecomagination zwar stark kommuniziert, aber die Abbildung in der Organisation ist nicht sichtbar", sagt Vasak.

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