Grünstrom-Boom: Bundesnetzagentur will negative Strompreise begrenzen

Grünstrom-Boom: Bundesnetzagentur will negative Strompreise begrenzen

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Ökostrom

von Dieter Dürand

Der Windstrom-Boom führt immer öfter zu einem erstaunlichen Phänomen: Der Preis dreht an den Strombörsen ins Minus. Bundesnetzagentur-Chef Kurth legt nun eine Untergrenze für negative Strompreise fest und erwartet, dass die Beschaffungskosten für Haushaltsstrom sinken.

Mit Beginn des neuen Jahres kann der Strompreis an der Leipziger Strombörse EEX auch bei einem drastischen Überangebot an Elektrizität nicht mehr ins Bodenlose fallen. Als Untergrenze hat die Bundesnetzagentur, die den deutschen Strommarkt reguliert, jetzt einen Korridor für negative Strompreise von minus 150 bis minus 350 Euro je Megawattstunde (MWh) festgelegt. Die Limitierung senkt das Verlustrisiko der Energiekonzerne in solchen Situationen. Sie liegt laut Netzagentur-Chef Matthias Kurth vor allem aber im Interesse der Verbraucher, weil negative Preise die Umlagen aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) erhöhten, die in die Tarife für den Haushaltstrom eingehen.

Kurth sieht bei den Strompreisen für Haushaltskunden Spielräume für niedrigere Tarife im nächsten Jahr. "Nach unseren Berechnungen müsste der Beschaffungskostenanteil beim Haushaltsstrom 2011 durchschnittlich etwa einen halben Cent pro Kilowattstunde (kWh) sinken.“

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Wie negative Strompreise entstehen

Negative Strompreise entstehen, wenn besonders viel Wind- und Sonnenstrom auf eine schwache Nachfrage trifft, zum Beispiel an Sonn- und Feiertagen. Als es an einem Wochenende im Oktober vergangenen Jahres an den Küsten unerwartet stark stürmte,  pumpten norddeutsche Windräder 7500 Megawatt Ökostrom zusätzlich in die Höchstspannungsleitungen des Netzbetreibers Transpower aus Bayreuth, der von Bremen bis München rund 20 Millionen Deutsche mit Strom beliefert. Deren Strombedarf von rund 8000 MW war aber schon durch klassische Kraftwerke abgedeckt.

Da die sich nicht kurzfristig abschalten lassen, ohne hohe Kosten zu verursachen oder die Netzsicherheit zu gefährden, musste Transpower Käufer für den überschüssigen Strom finden. Dessen Preis stürzte daraufhin an der EEX ins Minus. Kunden, die Transpower aus der Energieklemme halfen, bekamen bis zu 1,50 Euro je kWh gutgeschrieben. Zu einer ähnlichen Situation kam es am ersten Weihnachtstag vergangenen Jahres. Damals kassierten Stromkäufer gut 14 Millionen Euro zusätzlich zum Strom. Weil Windparks und Solaranlagen in Deutschland im Rekordtempo ausgebaut werden, erwarten Experten, dass das Phänomen negativer Strompreise immer häufiger auftritt. 

Die schnell wachsenden Mengen an Ökostrom haben zwei Wirkungen: Zum einen führen sie zu sinkenden Großhandelspreisen, weil sie immer häufiger teure Spitzenlastkraftwerke aus dem Markt drängen. So sind nach Beobachtungen der Netzagentur trotz der starken Konjunkturbelebung die Börsenpreise für langfristige Stromkontrakte gesunken. Daher rühren die niedrigeren Beschaffungskosten.

Zum anderen aber macht der Ökostrom sich über diesen Mechanismus selbst teuer. Denn die EEG-Umlage, die auf jeden Stromkunden umgelegt wird, steigt mit niedrigen Preisen an der Strombörse. Der Grund ist, dass sich die Umlage aus der Differenz zwischen der Einspeisevergütung für den grünen Strom und den Einnahmen aus seiner Vermarktung an der Börse errechnet. Netzagentur-Chef Kurth erwartet, dass die EEG-Zahlungen im nächsten Jahr erneut drastisch zulegen – von 12,7 Milliarden auf 17,1 Milliarden Euro. Acht Milliarden Euro davon kassieren die Betreiber von Solaranlagen.

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