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Handelskrieg: Solarzoll-Irrsinn geht in die zweite Runde

von Rebecca Eisert

Die USA gehen mit massiven Strafzöllen gegen chinesische Solarzellen vor. Die Entscheidung setzt die europäische Kommission gehörig unter Druck.

Einfuhr unerwünscht - auf chinesische Solarmodule gelten in den USA nun Strafzölle von bis zu 250 Prozent. Die EU prüft, ob sie ähnlich hart gegen Billigimporte vorgehen soll. Ob der Branche damit wirklich geholfen ist, bleibt fraglich. Quelle: rtr
Einfuhr unerwünscht - auf chinesische Solarmodule gelten in den USA nun Strafzölle von bis zu 250 Prozent. Die EU prüft, ob sie ähnlich hart gegen Billigimporte vorgehen soll. Ob der Branche damit wirklich geholfen ist, bleibt fraglich. Quelle: rtr

Vor wenigen Wochen erschütterten die Nachrichten über Pleiten und Insolvenzen in der Solarbranche Deutschland noch. Jetzt ist es ruhiger geworden. Einige Unternehmen wie etwa Sovello sind vom Markt verschwunden, andere wie Q-Cells haben neue finanzkräftige Eigentümer, wieder andere wie Conergy scheinen sich langsam aus eigener Kraft zu erholen. Der Markt hat sich gesund geschrumpft.

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Sunways

Das Amtsgericht Konstanz hat am 7. Mai ein Insolvenzverfahren über die Solarfirma eröffnet. Antragstellerin ist die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank). Laut Unternehmensangaben läuft das Verfahren über das Vermögen der Sunways AG sowie ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft, der Sunways Production GmbH. Der vorläufige Insolvenzverwalter Thorsten Schleich hat nun drei Monate Zeit, um über die Zukunft von Sunways zu entscheiden. Die BW-Bank zählt zu jenen Banken, die Sunways vor wenigen Wochen Kredite über insgesamt 6,6 Millionen Euro gekündigt hatten. Damals zeigte man sich in Konstanz noch zuversichtlich und wollte weiter verhandeln. Am Dienstagabend erklärte ein Sprecher, der Insolvenzantrag der BW-Bank habe das Unternehmen überrascht.

Das Sunways-Betriebsergebnis (Ebit) hatte Ende September bei minus 24,5 Millionen Euro (2011: minus 21,6 Mio Euro) gelegen. Nach der Kredit-Kündigung hatte Sunways die für Ende April geplante Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf unbestimmte Zeit verschoben. Ende 2012 beschäftigte der Konzern 265 Mitarbeiter. Sunways-Hauptaktionär ist die chinesische LDK Solar. Ob sie für das Unternehmen einspringen werde, war zunächst unklar.

Bild: dpa

Doch die Ruhe in der Branche ist trügerisch. Die großen Umbrüche stehen noch bevor. Die Entscheidung des US-Handelsministeriums Solarzellen- und module aus China mit Einfuhrzöllen zwischen 18 und 250 Prozent zu belegen, wird weitreichende Folgen auch für Europa haben.

Wen die US-Solarzölle am härtesten Treffen

  • Trina

    Das chinesische Unternehmen Trina muss statt bisher 4,73 Prozent nun rund 16 Prozent Antidumpingzoll auf seine Waren zahlen.

  • Suntech

    Suntech, größter Hersteller von Solarmodulen, muss statt bisher 2,9 Prozent nun 15 Prozent Strafzoll entrichten.

  • Wie viel die anderen zahlen

    Weitere Unternehmen, die nicht namentlich genannt wurden, müssen 15 Prozent Strafzoll bezahlen. 26 Prozent Strafzoll geht auf Produkte weiterer 59 Hersteller.

  • Der Höchstzoll

    250 Prozent - dieser Höchstzoll gilt für alle weiteren Hersteller, auch solche Firmen, die vom chinesischen Staat kontrolliert werden.

Die Anti-Subventionszölle gehen auf eine Petition von sieben amerikanischen Solarunternehmen zurück, die Klage bei der US-Behörde eingereicht hatten. Zu den Unterzeichnern zählt auch die amerikanische Tochter des deutschen Solarunternehmen Solarworld. Der Kurs des Bonner Unternehmens reagierte prompt auf die Nachrichten aus den USA. Das hat der Konzern auch dringend nötig, denn hierzulande kämpft Solarworld mit tiefroten Zahlen. Die USA sind einer der wichtigsten Märkte für Hersteller von Solarzellen.

Der Chef der Solarworld-US-Tochter Gordon Brinser kommentierte den Beschluss gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg mit den Worten: „Durch die Entscheidung des Handelsministeriums hat die Industrie wieder die Chance, ihre Position gleichberechtigt zurückzuerobern.“ Ob diese Rechnung so aufgeht, bleibt abzuwarten.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.10.2012, 11:52 Uhrmeine_meinung

    siehe Elektronikbranche 90er Jahre. Aus Europa verschwunden und damit Millionen Arbeitsplätze. Nur die Markenprodukte überlebten und das ist sehr sehr traurig. Alle Semi-professionell geführte Firmen sind bankrott.

  • 14.10.2012, 11:13 Uhrandreask90

    Die bekannte Salami-Taktik: eine Branche nach der anderen uebernehmen. Lange Zeit war China damit erfolgreich. So gibt es heute praktisch keine Industrie fuer Gebrauchsgueter mehr in Amerika. Das System wird jetzt bei der Zukunftsbranche Solar betrieben: Alle Chinesischen Solarfirmen machen Verlust, das heisst, sie verkaufen unter Preis, bis alle anderen Firmen bankrott sind. Dann wird entweder der Preis erhoeht, oder die Qualitaet reduziert. Als naechstes kommt die Windkraft dran, dann die Autobranche, dann ... Die Ausrede: es ist ja nur die eine Branche! Und dann die naechste, und dann die naechste. Die Drohung: Heisse Luft! China funktioniert nicht, wenn es isoliert ist!

  • 14.10.2012, 10:21 Uhrlieber_mensch

    Wenn ich etwas für 25 Jahre kaufe, dann sicher nicht aus China. Vielleicht in 25 Jahren. Und auch wenn der Verkäufter 100mal auf mich einredet, es ist die gleiche Qualität, nur weil er nunmal mit den Chinamodulen mehr gewinn einfährt.

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