Innogy: RWE-Tochter plant trotz Flaute keinen Stellenabbau

Innogy: RWE-Tochter plant trotz Flaute keinen Stellenabbau

, aktualisiert 13. März 2017, 14:06 Uhr
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Innogy: Die RWE-Tochter versucht ihre Aktionäre mit einer Dividende von 1,60 zu locken.

Wenn der Wind weht, klingt beim Ökostromkonzern Innogy die Kasse. Wenn nicht - wie im vergangenen Jahr - müssen die Essener Strommanager Gewinnrückgänge verkünden. Stellenabbau ist aber nicht geplant.

Die neue RWE-Ökostromtochter Innogy hat im ersten Jahr gleich die tückischen Seiten der Energiewende zu spüren bekommen: Weil 2016 ungewöhnlich wenig Wind wehte, ging die Stromproduktion aus den Windkraftwerken und damit der Gewinn des Unternehmens zurück. „Auch im Geschäft mit der Energiewende fällt das Geld nicht vom Himmel“, sagte Konzernchef Peter Terium bei der Bilanzpressekonferenz in Essen. Mehr als 80 Prozent des von Innogy produzierten Stroms kommen aus Windkraftwerken. Gleichzeitig musste das Unternehmen viel Geld für den Erhalt der Stromnetze ausgeben.

Das betriebliche Ergebnis (um Sondereffekte bereinigtes Ebitda) schrumpfte um 7 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro, das Nettoergebnis um gut 6 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr rechnet Innogy aber wieder mit einem steigenden Ergebnis, wie Terium ankündigte.

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Grund für die Flaute war die sogenannte Nord-Atlantische Oszillation, wie der Konzernchef erklärte: Kräftigen Wind habe es deshalb nur im Mittelmeerraum gegeben, aber nicht im Nord-Westen. Terium nahm es mit Humor: „Wetterschwankungen gehören zum Geschäft wie der Stau zur A40“ - der Autobahn, die mitten durch Essen führt.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

  • Energiewende sorgt für Veränderungen

    Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

  • Die Unternehmen

    Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

    Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

  • Das Geschäft

    Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

    RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

  • Die Börsengänge

    Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

    RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

  • Ausblick

    Uniper und Innogy geben keine konkrete Geschäftsprognosen. Beide könnten aber bereits für 2016 eine Dividende ausschütten. Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

    Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist. Das Unternehmen peilt eine Dividende von 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettogewinns an.

Für die Aktionäre plane Innogy 1,60 Euro Dividende und damit eine maximale Ausschüttung von rund 80 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses, sagte Terium. Stellenabbauprogramme seien trotz des geschrumpften Gewinns für 2017 und 2018 nicht geplant. Innogy beschäftigt mehr als 40.000 Menschen.

Mit dem neu geschaffenen Konzern hat RWE 2016 sein Zukunftsgeschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gebündelt. Bei RWE selbst verblieben die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke sowie der Großhandel mit Strom. Innogy war erst im Oktober an die Börse gegangen. RWE hält mit knapp 77 Prozent weiterhin deutlich die Mehrheit.

Innogy zählt mit 23 Millionen Gas- und Stromkundenverträgen zu den großen Anbietern in Europa. Auf Deutschland entfielen stabile 6,8 Millionen. Zweitgrößter Markt ist Großbritannien mit 2,9 Millionen nach fast 3 Millionen Kunden im Vorjahr.

Dort hatte eine misslungene Umstellung eines Computerprogramms für Abrechnungen das Geschäft massiv belastet und für rote Zahlen gesorgt. Innogy bemüht sich um Abhilfe. Für 2016 sei der operative Verlust im Land von 137 bereits auf 109 Millionen Euro eingedämmt worden. Für 2017 rechne er dort wieder mit einem kleinen Gewinn, sagte Terium. Unter Konkurrenzdruck steht der Innogy-Vertrieb auch in den Niederlanden.

Eon und RWE Stromversorger müssen 2017 kämpfen

Den radikalen Umbauten bei Eon und RWE soll eine „grüne“ Zukunft mit Ökostrom und neuen Dienstleistungen folgen. Aber können die Versorger wirklich ihre Altlasten abschütteln - und was heißt das für die Strompreise?

Mit einem großen Transparent "Innogy" wirbt der Energiekonzern RWE. Quelle: dpa

Wichtigste Sparte des Unternehmens sind die Netze: Sie erwirtschafteten mit 2,6 Milliarden Euro deutlich mehr als die Hälfte des Betriebsergebnisses. Bei den erneuerbaren Energien schrumpfte der Betriebsgewinn um fast ein Fünftel auf 671 Millionen Euro. Innogy habe hier aber neue Investitionspläne auch in den USA, sagte Terium. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier unser erster Windpark ans Netz geht.“

Die wenig energiewendefreundliche Haltung der Regierung von US-Präsident Donald Trump hindere ihn dabei nicht, sagte Terium. Die Energiepolitik liege stark in der Verantwortung der Bundesstaaten. Windreiche US-Staaten wie Texas hätten ein starkes Eigeninteresse am Ausbau der Windkraft.

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