Insolventer Windparkbetreiber: Schwere Vorwürfe gegen Prokon-Chef

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Insolventer Windparkbetreiber: Schwere Vorwürfe gegen Prokon-Chef

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Prokon-Geschäftsführer Carsten Rodbertus (rechts) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin. Der Windanlagen-Finanzierer hat am 22.01.2014 Insolvenz angemeldet.

von Melanie Bergermann

Der Insolvenzverwalter des Windpark-Betreibers prüft Schadenersatzansprüche gegen den Firmengründer Carsten Rodbertus. Hat Rodbertus seine Sorgfaltspflichten als Geschäftsführer verletzt?

Für viele Anleger war der frühere Prokon-Chef Carsten Rodbertus ein Held.  Über Jahre bot er ihnen die scheinbar perfekte Geldanlage an. Wer in Genussrechte von Prokon investierte, sollte dafür nicht nur mindestens sechs Prozent Zinsen pro Jahr erhalten. Das Geld sei zudem noch sicher angelegt, erklärte Rodbertus in zahllosen Werbeveranstaltungen immer wieder. Denn die Windräder, in die die Spargroschen vor allem fließen sollten, seien Sachwerte und die könnten praktisch nicht an Wert verlieren.

Und stets hatte Rodbertus eine einfache Erklärung dafür, dass er wohl als einziger hohe Zinsen bei gleichzeitiger Sicherheit bieten kann: Im Gegensatz zum Chef der Deutschen Bank mit dessen Millionen-Gehalt verdiene er nur 150.000 Euro pro Jahr. Deshalb – so die Botschaft – bleibe bei Prokon mehr Geld für die Anleger übrig als bei einer Bank. Das leuchtete wohl vielen Anlegern ein. Mehr als 1,3 Milliarden Euro vertrauten sie ihm an – allen Warnungen von Medien zum Trotz.

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Anleger zwischen Hoffen und Bangen

Entsprechend groß war der Schock, als Prokon Ende vergangenen Jahres verkündete, allein 2012 171 Millionen Euro verloren zu haben. Viele Anleger zogen daraufhin ihr Geld ab. Im Januar meldete Prokon Insolvenz für eine der Kerngesellschaften an. Seitdem bangen Anleger um ihren Einsatz. Der Insolvenzverwalter prüft nun, ob er bei Rodbertus selbst einen Teil des Einsatzes der Anleger zurückholen kann.

Er prüfe Schadenersatzansprüche gegen den Firmengründer, teilte Dietmar Penzlin am heutigen Freitag mit. Die Prokon-Geschäftsführung habe bei den Gläubigern bisher Schäden von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht, hieß es in einer Mitteilung. Im Kern wirft Penzlin dem Ex-Chef des Windanlagenbetreibers vor, Darlehen vergeben zu haben, die nicht ausreichend besichert waren.

Prokon investierte das Geld der Anleger in drei Geschäftsbereiche. 900 Millionen wurden laut einer Präsentation von Prokon bis Ende Oktober 2013 in den Bau von Windparks gesteckt. 314 Räder drehten sich zuletzt für Prokon und spülten in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres Einnahmen von knapp 71 Millionen Euro in die Kasse der Anleger.

Sorgfaltspflichten verletzt?

Abzüglich der Betriebskosten blieben immerhin noch 24 Millionen Euro hängen. 170 Millionen Euro flossen laut Prokon in das Geschäftsfeld „Biogene Kraftstoffe“, das im Kern aus einer Bio Ölmühle in Magdeburg besteht und unter anderem Biodiesel herstellt. Die Mühle kam jedoch nie so recht in Schwung. Allein 2012 bescherte sie den Anlegern knapp 37 Millionen Euro Verlust.

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Zum Problem für Rodbertus dürften seine Aktivitäten in Sachen Biomasse werden. Prokon hatte einst Darlehen in Höhe von knapp 280 Millionen Euro an zwei Firmen vergeben, die davon Waldbestände kaufen und Holz verarbeiten sollten.

Der Holzverarbeiter – die HIT Holzindustrie Torgau – musste für die üppigen Kredite ebenso üppige Zinsen in Höhe von zehn Prozent pro Jahr an Prokon zahlen. Eine Alternative für HIT gab es nicht. Bei Banken bekam das Unternehmen längst keine Kredite mehr. Ein Teufelskreislauf: Um investieren zu können, musste das Unternehmen die teuren Prokon-Kredite nehmen.

Andererseits kann es sich die gar nicht leisten: 2012 machte HIT einen Verlust von 6,8 Millionen Euro. Falls HIT den Kredit nicht mehr bedienen könnte, hätten die Anleger ein Problem. Prokon nahm zwar von der HIT hohe Zinsen, erhielt hierfür allerdings keinen Anteil am Unternehmen und wohl auch keine anderen Sicherheiten, wie es im Umfeld des Unternehmens heißt.

Insolvenzverwalter Penzlin wird nun prüfen, ob Rodbertus seine Sorgfaltspflichten als Geschäftsführer verletzte, als er das Geld der Anleger unter anderem in die Holz-Firmen steckte. Dass Rodbertus in der Lage ist, den Anlegern mögliche Schäden in Millionenhöhe zu ersetzen, ist allerdings zweifelhaft. Denn er legte stets Wert darauf, deutlich weniger Geld zu verdienen als der Chef der Deutschen Bank.

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