Intelligentes Haus: Wie vernetzte Haustechnik Hunderte Euro jährlich spart

Intelligentes Haus: Wie vernetzte Haustechnik Hunderte Euro jährlich spart

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Stromzähler: Im intelligenten Haus von morgen schalten sich die Geräter erst ein, wenn der Strompreis am günstigsten ist

Das intelligente Haus schaltet Kühlschränke, Waschmaschinen und Trockner ein, wenn Strom am billigsten ist. Verbraucher sparen Hunderte Euro – auch Energiekonzerne sind angetan.

Ein Druck auf den Lichtschalter genügt, um die Stimmung für den Fernsehabend herzustellen: Die Wandlampen werden langsam dunkler, die Deckenleuchten in Flur und Küche erlöschen. Nun brennen nur noch die Lichter vor dem Haus. Kaum hat der Film begonnen, hört man ein leises Rauschen aus dem Keller: Die Waschmaschine hat sich eingeschaltet, weil der Strompreis gefallen ist.

Ferngesteuerte Geräte, sich selbst ausschaltende Lampen, Stromfresser, die den billigsten Tarif abpassen: Lange war die intelligente Stromversorgung nur eine Vision. Jetzt endlich, behaupten Hersteller wie Aizo aus dem hessischen Wetzlar, stehe die Technik unmittelbar vor ihrer Marktreife. Verbraucher könnten künftig Hunderte Euro Stromkosten pro Jahr sparen. Winzige Chips in Kabeln und Steckdosen sollen wie von Geisterhand die gesamte Haustechnik steuern – und unseren Alltag bequemer machen.

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Am Ende des Fernsehabends etwa kann der Hausbesitzer sämtliche Lampen brennen lassen. Selbst den Heizstrahler im Badezimmer und die Leuchten im Garten. Um das Haus auf Nachtbetrieb umzuschalten genügt es, eine kleine Taste neben dem Bett zu betätigen: Schon leuchten nur noch Lampen, die aus Sicherheitsgründen auch bei Dunkelheit gebraucht werden. Zugleich senkt der Heizkessel die Temperatur und die Alarmanlage stellt sich scharf. Nur Radiowecker, Kühlschrank und andere Systeme, die keine Stromunterbrechung vertragen, bleiben in Betrieb.

Geräte sollen eingeschaltet werden, wenn der Preis niedrig ist

„Ich-gehe-ins-Bett-Knopf“, nennt Ludger Hovestadt den Schalter, der das Haus in den Nachtbetrieb versetzen kann. Und diesen Schalter will er demnächst 1000-fach produzieren lassen. Gemeinsam mit dem Wetzlarer Chip-Designer Wilfried Beck hat Hovestadt, der Computer Aided Architectural Design (CAAD) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich lehrt, eine Technik entwickelt, mit der sich jedes elektrische Gerät in Haus und Wohnung fernsteuern lässt. Und das nicht nur von den Hausbewohnern. Die Waschmaschine etwa erhält ihren Startbefehl aus dem Internet: Der Energieversorger übermittelt alle paar Minuten den aktuellen Strompreis. Der Chip in Großverbrauchern ist so programmiert, dass er sie einschaltet, wenn der Preis niedrig ist.

Vor fünf Jahren gründeten Hovestadt und Beck Aizo. Inzwischen beschäftigen sie fast 40 Mitarbeiter. Und im Herbst steht ihr Unternehmen vor seiner ersten Bewährungsprobe: Vorstandschef Balz Halter will erstmals eine gesamte Siedlung mit Digitalstrom ausstatten, wie die Entwickler ihr System nennen. Getragen wird die Initiative unter anderem von der ETH und dem Strom-anbieter Yello Strom, der zum Energieversorger EnBW gehört. Prominentester Partner ist die Deutsche Telekom.

Der wichtigste Baustein der neuen Technik sind kaum fingernagelgroße Chips. Sie haben einen kommunikationsfähigen Mikroprozessor an Bord und werden zwischen Stromquelle und Lampe, Waschmaschine, Fernseher, Spülmaschine und Steckdose geschaltet. Die Chips, die untereinander kommunizieren, werden entweder in der Steckdose oder an der Stromzuführung in den Geräten angebracht. Auch der „Ich-gehe-zu-Bett-Knopf“ und andere Bedienelemente sind mit solchen Chips ausgestattet, deren Gehäuse wie Legosteine oder Lüsterklemmen aussehen.

Sie sind entsprechend ihrer Funktion unterschiedlich eingefärbt: Die gelben Chips etwa steuern Lampen, die pinkfarbenen überwachen Fernseher und Videogeräte, und der für Sicherheit zuständige Chip für Überwachungskameras und Alarmanlagen ist rot.

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