Interview mit E.On-Stromnetzchef Fuchs: "Absurder Vorwurf"

Interview mit E.On-Stromnetzchef Fuchs: "Absurder Vorwurf"

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E.On-Stromnetzchef Martin Fuchs

von Dieter Dürand

E.On-Stromnetzchef Martin Fuchs über die angebliche Blockadepolitik der Stromkonzerne gegen die Windenergie.

Herr Fuchs, verschleppen Sie den Netzausbau zur Aufnahme des Windstroms, um die Konkurrenz zu Ihren Atom- und Kohlekraftwerken klein zu halten?

Fuchs: Der Vorwurf ist absurd. Wir haben 500 Millionen Euro in die Netzanschlüsse der Windparks im Meer gesteckt. Zudem haben wir die Genehmigungsverfahren für 450 Kilometer Leitungen angestoßen, um den Strom von den Küsten ins Inland zu schaffen. Eine Konkurrenzfrage stellt sich für uns dabei nicht, da es einen gesetzlichen Vorrang für die Einspeisung erneuerbarer Energien gibt. Im Klartext: Wenn es zu eng wird auf den Strom-Autobahnen, verdrängt Windstrom den Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken und nicht umgekehrt.

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Die Windmüller finden dennoch, dass sie zu oft vom Netz genommen werden.

Das passiert allenfalls bei lokalen Engpässen und auch nur wenige Stunden im Jahr. Und dafür erhalten die Betreiber Ausfallvergütungen. An der Höhe lässt sich ablesen, wie selten es zu Abschaltungen kommt. Über die Jahre hinweg sind nicht einmal zehn Millionen Euro aufgelaufen. Dagegen geben wir allein bei Transpower jedes Jahr fünf Milliarden Euro für erneuerbare Energien aus.

Warum bauen Sie 450 Kilometer neue Leitungen, wenn alles so problemlos ist?

Der Ausbau hilft uns, Extremsituationen sicher und mit weniger Eingriffen in die Stromerzeugung zu meistern.

Wie sehen solche Extremsituationen aus?

Jüngst schossen nachts am Wochenende, wenn der Strombedarf besonders niedrig ist, wegen des starken Winds im Norden gigantische Mengen Windstrom in unser Netz. Der Gesamtbedarf in unserem Gebiet betrug etwa 8000 Megawatt. Aber wir hatten allein 7500 Megawatt Windenergie. Da sich aus Gründen der Netzsicherheit nicht alle Kraftwerke einfach abschalten lassen, hatten wir enorme Überschussmengen. Das Überangebot hat an den Strombörsen zu negativen Preisen geführt. Das heißt, wir mussten je Kilowattstunde bis zu 1,50 Euro drauflegen, um Strom loszuwerden.

Klingt nach einem schlechten Geschäft.

War es auch. Die Windparks haben in dieser Zeit 400.000 Euro in der Stunde für ihren Strom erhalten. Wir haben an der Börse zwei Millionen Euro gezahlt, damit uns jemand den Strom abnimmt.

Und so etwas treibt die Strompreise?

Das liegt in der Natur der Sache. Nach den Berechnungen der Übertragungsnetzbetreiber verteuern der Ausbau und die Integration der Erneuerbaren die Kilowattstunde schon heute um rund zwei Cent. Die Belastung wird weiter steigen.

Warum reißen Sie als Ausgleich für den vielen Windstrom nicht Kraftwerke ab?

Wir sind Netz- und keine Kraftwerksbetreiber, können also nicht stilllegen. Aber ohnehin wäre es keine gute Idee, weil es dann bei Flaute und gleichzeitiger Starklast zum Netzzusammenbruch kommen könnte. In Deutschland rechnen wir bald mit 30 000 Megawatt installierten Windkraftanlagen. Bei Flaute stehen aber nicht mehr als vielleicht 2000 Megawatt zur Verfügung. Dann brauchen wir die herkömmlichen Kraftwerke.

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