Israel: Hoher Preis für saubere Luft

Israel: Hoher Preis für saubere Luft

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Palästinensische Arbeit in einer Kohlefabrik im Westjordanland. Sie könnten bald alle arbeitslos sein.

Seit Jahren schon beklagen sich Israelis über verpestete Luft, die aus dem Westjordanland zu ihnen herüberweht. Nun wurden einige der schmutzigsten Kohlefabriken geschlossen. Hunderte verzweifelte Palästinenser verloren ihre Jobs.

Jahrelang beschwerten sich Bewohner in Zentral-Israel über verpestete Luft aus palästinensischen Fabriken im benachbarten Westjordanland. Schließlich griffen die Behörden durch und schlossen einige der schmutzigsten Köhlereien in der Ortschaft Jabed. Doch nun klagen Hunderte Palästinenser darüber, dass die Besatzer ihnen ihre Arbeitsplätze weggenommen hätten.

Die Geschichte von Jabed und seinen nun stillgelegten Kohlefabriken wirft ein Schlaglicht darauf, wie sehr die Politik im Nahen Osten den Alltag von Israelis und Palästinensern durchsetzt. Das betrifft die Bildung, die Bauwirtschaft und den Sport. Das Thema Umwelt ist keine Ausnahme.

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In Israel werden Fabriken von der Umweltbehörde streng beaufsichtigt, doch im halbautonomen Westjordanland ist die Lage vertrackter. So liegt zum Beispiel das Herz der Kohleindustrie in Jabed in der sogenannten Area B, die nach vorläufigen Friedensabkommen der palästinensischen Autonomiebehörde untersteht. Doch die Sicherheitskontrolle liegt nach wie vor bei Israel, so wie in weiten Teilen des Westjordanlands.

Nachdem ein Dialog mit der palästinensischen Führung über die Luftverschmutzung jahrelang ohne Ergebnis blieb, nahm das israelische Militär die Sache im November selbst in die Hand. Mehr als ein Dutzend Fabriken wurden geschlossen, Anlagen und 160 Tonnen Holz für die Kohleproduktion wurden beschlagnahmt. Es sei eine Frage der öffentlichen Gesundheit von Israelis gewesen, sagte der Leiter der für die besetzten Gebiete zuständigen israelischen Militärbehörde, Generalmajor Joaw Mordechai. Verseuchte Luft „schadet Israelis und Palästinensern gleichermaßen“.

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Doch so kam die Botschaft im Westjordanland nicht an. Arbeiter sprachen von einem unterdrückerischen Vorgehen Israelis zugunsten jüdischer Siedler, das frühere Abkommen mit der palästinensischen Autonomiebehörde verletze. Israel wies diesen Vorwurf zurück.

Doch am meisten beklagten Palästinenser die Schließung eines Industriekomplexes mit etwa 15 Fabriken, der seit 50 Jahren in Betrieb war und etwa 1000 Menschen Arbeit bot. „Wir sind am Ende“, sagte der 41-jährige Mahmud Abu Baker, dem eine der Fabriken gehörte. „Wir verlieren unser Geschäft und haben keine Alternative.“

Er habe in dem Komplex einst 30 Werkstätten betrieben, deren Produktion zu 80 Prozent nach Israel ging, erzählte Abu Baker. Doch nun stehe er vor dem Nichts. Die Schließung kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Arbeitslosenquote im Westjordanland nach offiziellen Angaben auf 18 Prozent gestiegen ist. Selbst diejenigen, die Arbeit haben, verdienen oft nur wenige Hundert Dollar im Monat, einen Bruchteil des Durchschnittseinkommens in Israel.

Die israelische Abgeordnete und frühere Gesundheitsministerin Jael German, die sich gegen die Umweltverschmutzung eingesetzt hatte, sagte, sie bedauere zwar den Verlust der Arbeitsplätze. Allerdings habe Israel bei der Schließung eigener Fabriken vor demselben Problem gestanden. Gesundheitsbedenken müssten aber Priorität haben, betonte sie, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Weltgesundheitsorganisation Schadstoffe in der Umwelt direkt mit Krebs und anderen Erkrankungen in Verbindung bringe.

„Es gibt immer gegensätzliche Werte, und es schmerzt, wenn Menschen Schaden erleiden“, sagte German der Nachrichtenagentur AP. „Aber man darf es nicht zulassen, dass Fabriken die Umwelt verschmutzen und gegen Gesetze verstoßen. Wenn wir uns für eine gesunde Gesellschaft entscheiden, müssen wir dafür einen Preis zahlen.“

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Und die traditionelle Kohleproduktion in Jabed forderte ganz offensichtlich ihren gesundheitlichen Tribut. Das Gesicht des früheren Kohlearbeiters Mohammed Baker etwa ist übersät mit schwarzen Flecken. Der 55-Jährige macht sich aber mehr Sorgen um seine Existenz als um seine Gesundheit. „Wenn ich meine Arbeit hier verliere, werde ich keinen anderen Job mehr finden“, sagte er.

Nach Angaben von Behördenchef Mordechai leiden etwa ein Viertel aller Kinder in Jabed und 70 Prozent der Kohlearbeiter unter Atemproblemen. Israel werde sich zusammen „mit den Kohleproduzenten um eine technische Lösung zur Minderung der Risiken der Kohleproduktion für Arbeiter und Anwohner“ bemühen.

Nach Angaben von COGAT-Sprecherin Hadar Horen kam Mordechai auch schon mit Bewohnern zu Gesprächen zusammen. Er hoffe auf eine Möglichkeit, die Fabriken unter gesünderen Bedingungen wieder eröffnen zu können. Israel habe zudem Tausenden palästinensischen Arbeitern eine Arbeitserlaubnis erteilt und die Menschen in Jabed ermuntert, sich um neue Jobs zu bewerben, sagte die Sprecherin.

Doch die palästinensischen Arbeiter stehen dem israelischen Angebot skeptisch gegenüber. Selbst an der Begründung der Schließung zweifeln sie. „Ich habe 27 Jahre lang in der Kohleindustrie gearbeitet“, sagte der 42-jährige Jasser Jacub. „Alle Arbeiter hier müssen sich auf Anweisung der Regierung Gesundheitschecks unterziehen, und die haben bewiesen, dass wir alle gesund sind.“

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Tali Naim aus der nahegelegenen israelischen Stadt Kfar Saba kann das kaum glauben. Selbst aus ihrer Entfernung von mehreren Kilometern sehe sie oft schwarze Rauchschwaden aus Jabed herüberwehen und lasse ihre drei Kinder dann nicht nach draußen, sagte die 42-Jährige. Der Gestank beeinträchtige ihre Lebensqualität: So können sie ihre Wäsche nicht im Freien aufhängen und leide immer wieder an Halsschmerzen und tränenden Augen. Auch ihre Kinder seien im Sportunterricht oft kurzatmig, erklärte Naim.

„Ich glaube, wenn sie (die Palästinenser) darüber nachdenken würden, würden sie erkennen, dass auch sie ohne die Fabriken gesünder leben“, sagte sie. „Sie leben schließlich direkt nebenan. Ich weiß, dass es eine Einkommensquelle ist, aber es ist so gefährlich. Es ist für sie genauso bedauerlich wie für uns.“

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