Italienischer Eni-Konzern: Zaghafter Eintritt Chinas in die europäische Energieversorgung

Italienischer Eni-Konzern: Zaghafter Eintritt Chinas in die europäische Energieversorgung

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Der italienische Ölkonzern Eni betreibt in Europa über 4000 Tankstellen unter dem Markennamen Agip und ist damit deutlich größer als Aral.

von Andreas Wildhagen

Die Pekinger Staatsbank People‘s Bank of China erwirbt einen Anteil am italienischen Erdöl- und Energiekonzern Eni. Das klingt zunächst harmlos.

Am Freitag war es nur eine Randnotiz der Wirtschaftsticker: Die chinesische Staatsbank People’s Bank of China erwirbt zwei Prozent an dem italienischen Staatsunternehmen Eni, eines der größten Konzerne Europas.

Das klingt harmlos, zu sagen haben die Chinesen nichts. Eni-Chef Paolo Scaroni lässt sich allenfalls  von der römischen Politik leiten, der Staat hält 30 Prozent an Eni und dominiert das Unternehmen, das vor allem in Russland, Kasachstan und Afrika seine Öl- und Gasquellen unterhält. Eni ist auch an dem strategischen Projekt South Stream beteiligt, einer Pipeline, die von Russland durch das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort nach Westeuropa führt. Sie soll russisches Gas unter Umgehung der Ukraine in die westeuropäischen Industriezentren leiten. Eni hält an der South Stream-Betreibergesellschaft 20 Prozent und ist damit nach Gazprom zweitgrößter Aktionär der Gaspipeline.

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Die Geschäftsfelder von Eni umfassen Erdgas, Erdöl, Stromerzeugung und den Bau von Kraftwerken und Raffinerien. Eni fördert Öl und Gas nicht nur in Kasachstan, im kaspischen Meer, sondern auch in Indien, Alaska und im nördlichen Afrika. Eni betreibt in Europa über 4000 Tankstellen unter dem Markennamen Agip und ist damit deutlich größer als Aral.

In den Morgenblättern der italienischen Presse ist heute zu lesen, dass der Zwei-Prozent-Mini-Einstieg der Chinesen bei Eni nur der erste, vorsichtige Schritt auf den europäischen Energiemarkt ist. Die Chinesen haben bereits angedeutet, so die Berichte, dass der Anteil noch ausbaufähig sei. Die italienische Regierung jedenfalls hat nichts dagegen. Und so halten es Eni-Manager auch nicht für ausgeschlossen, dass eines Tages chinesische Manager am Aufsichtsratstisch sitzen und zumindest mithören, was Eni strategisch plant.

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Ungewöhnlich ist das nicht. Auch ehedem der deutsche Gasversorger Eon besaß mit seiner Tochter Ruhrgas einen Anteil von 6,5 Prozent an Gazprom. Der damalige Ruhrgaschef gehörte dem allerdings recht einflusslosen Verwaltungsrat von Gazprom an. Es war für Eon damals nur ein Symbol, sich an dem russischen Monopolisten zu beteiligen. Als ein solches Symbol ist nun auch der Eintritt der Chinesen bei Eni zu werten.

Ob die Chinesen bei Eni mitverdienen wollen, wenn künftig russisches Erdgas durch die South-Stream-Pipeline nach Europa fließt? Ein Eintritt in das Energieunternehmen kommt gerade in einer Zeit, in der das Großprojekt wieder in Frage gestellt wird. So hat sich Eni-Chef Scaroni vorige Woche bei einer parlamentarischen Anhörung in Rom besorgt geäußert. Die Krim-Krise könne zumindest zu einer Verzögerung behördlicher Genehmigungen führen, weil Sanktionen gegen die Russen, politisch gewollt, in der Realisierung Schranken setzen.

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