Kernenergie: Atomstrom verliert weltweit an Bedeutung

ThemaEnergiewende

Kernenergie: Atomstrom verliert weltweit an Bedeutung

Bild vergrößern

Die erneuerbaren Energien drängen die Kernkraft zurück

von Dieter Dürand

Die Branche verkündet gerne immer mal wieder ihr Comeback. Jetzt kommt der gerade veröffentlichte Welt-Atomindustrie-Report 2013 zu einem gegenteiligen Ergebnis: Sonne und Wind drängen die Kernkraft in vielen Ländern zurück.

Auch wenn es für Abgesänge zu früh ist, so sprechen die Fakten für sich: Die Menge des weltweit produzierten Atomstroms sinkt kontinuierlich – seit dem Jahr der höchsten Leistung 2006 um 12 Prozent. Mit 2346 Terawattstunden trugen die Kernkraftwerke vergangenes Jahr etwa mehr als zehn Prozent zur globalen Energieversorgung bei. Zu den besten Zeiten in den Neunzigerjahren waren es schon einmal 17 Prozent. Dagegen legen  Wind und Sonne überall zu. Mit China, Deutschland und Japan gewinnen drei der vier größten Volkswirtschaften erstmals mehr elektrische Energie aus solchen erneuerbaren Quellen als aus Kernkraft.

Anzeige

Weitere Zahlen spiegeln die veränderten Kräfteverhältnisse wider. Die Energieversorger investierten im Jahr 2012 laut der Studie des Pariser Beratungsunternehmens Mycle Schneider Consulting gut 268 Milliarden Dollar in die Erneuerbaren; in die Atomenergie flossen 25 Milliarden Euro – weniger als ein Zehntel so viel. Entsprechend entstanden vergangenes Jahr rund um den Globus 45 Gigawatt neue Wind- und 32 Gigawatt neue Solarkapazitäten. Bei der Kernenergie kamen lediglich 1,2 Gigawatt hinzu.

Renaissance der Kernkraft eine Mär

Der Trend versetzt den Auftraggeber der Studie, die Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, in Euphorie. „Die Renaissance der Atomenergie ist eine Mär“, sagt Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, die die Studie mitfinanziert hat. Mycle Schneider, Chef-Autor der Studie erklärt den Schwenk zu den Erneuerbaren so: „Sie sind billiger und die Technik ist viel schneller zu installieren.“

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

  • Platz 1: China

    China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

  • Platz 2: USA

    Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

  • Platz 3: Japan

    Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

  • Platz 4: Russland

    Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

  • Platz 5: Indien

    Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

  • Platz 6: Kanada

    Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

  • Platz 7: Deutschland

    Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

  • Platz 8: Frankreich

    Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

    Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

  • Platz 9: Brasilien

    Neuntgrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

  • Platz 10: Südkorea

    Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Nach seiner Analyse bremst vor allem die fehlende Wirtschaftlichkeit Investitionen in neue Atommeiler. Innerhalb von zehn Jahren, so Schneider, hätten sich die Kosten je installierter Kilowattstunde Leistung von 1000 Dollar auf 7000 Dollar drastisch erhöht. Eine Ursache für die Verteuerung sind erhöhte Sicherheitsanforderungen nach der Atomkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima 2011.

Stockender Ausbau

Zusätzlich bremsen technische Probleme den Ausbau. Auf dem Papier ist zwar die Errichtung von 66 neuen Reaktoren mit einer Leistung von 63 Gigawatt geplant. Allein 44, also zwei Drittel, sollen in China, Indien und Russland entstehen. Allerdings stehen neun Reaktoren laut der Studie schon seit mehr als 20 Jahren auf der Liste und für 45 Projekte gibt es bis heute keinen offiziellen Termin für den Baustart. Tatsächlich am Netz sind gegenwärtig 427 Kernkraftwerke – 17 weniger im Vergleich zum Höchststand 2002.

Weitere Artikel

Befürworter der Atomkraft verweisen gerne auf das ambitionierte chinesische Kernenergie-Programm und orakeln, das Riesenreich würde den Rest der Welt schon bald außer mit billigen Solarmodulen auch mit der fortschrittlichsten Atomtechnologie der Welt beliefern. Immerhin plant die Regierung den Bau von 28 Meilern – weit mehr als jedes andere Land. Doch seit mehr als zwei Jahren, das zeigt die Studie, herrscht Stillstand, ging kein einziger Reaktor in Bau. Dagegen hat die Pekinger Führung gerade angekündigt, die Leistung der chinesischen Fotovoltaik-Anlagen bis 2015 gut zu vervierfachen – von acht auf 35 Gigawatt.  Die Zeiten für die Atomindustrie, so hat es den Anschein, werden nicht besser.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%