Klima: Mehr als nur weiß-blauer Himmel: Wie München zur Ökostadt werden kann

Klima: Mehr als nur weiß-blauer Himmel: Wie München zur Ökostadt werden kann

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Noch ist es bloß eine Studie: München könnte zur Ökostadt werden und keine Treibhausgase freisetzen. Das Ganze wäre sogar bezahlbar und mit verfügbarer Technik zu machen

Eine Studie zeigt am Beispiel Münchens, wie Metropolen zu Ökostädten werden können, die keine Treibhausgase freisetzen – bezahlbar und mit verfügbarer Technik.

Im neuen Münchner Stadtviertel „Am Ackermannbogen“, zwischen Schwabing und Olympiapark, hat die Zukunft schon Gestalt angenommen. Eine hochwertige Dämmung erspart den rund 5000 Bewohnern hohe Heizkosten. Ein Teil der Siedlung bezieht die Hälfte der jährlich benötigten Wärme zudem kostenlos aus Sonnenkollektoren auf den Dächern. Der Energieüberschuss der Sommermonate wird in einem bestens isolierten Sechs-Millionen-Liter-Wassertank zwischengelagert. Bis auf 90 Grad heizt sich das Wasser im Sommer auf. Im Winter wird die Wärme dann zum Heizen wieder entnommen.

Die Siedlung ist Teil eines ambitionierten Plans. Bis zum Jahr 2030, so hat es der Stadtrat beschlossen, will die bayrische Landeshauptstadt nur noch halb so viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausstoßen wie noch 1990. Eine neue Studie des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie zeigt jetzt, dass die Münchner noch mehr Klimagas einsparen können: In zwei Szenarien beschreiben die Forscher Wege, wie die Stadt bis zum 900. Stadtjubiläum im Jahr 2058 weitgehend CO2-frei leben können – ohne ihren Lebensstil umstellen zu müssen und zu überschaubaren Kosten.

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Wohlstand soll nicht gefährdet werden

Es ist die erste Untersuchung, die im Detail erkundet, wie Verkehr, Wohnen und Arbeiten in einer deutschen Metropole klimafreundlich gestaltet werden können, ohne den Wohlstand zu gefährden. Und was in München geht, sei auch in anderen Städten möglich, sagt Autor Stefan Lechtenböhmer, weil die Lösungen übertragbar seien. Einen Aktionsplan haben die Wuppertaler Experten gleichwohl nicht mitgeliefert. „Die konkrete Umsetzung liegt bei den Städten. Wir wollen aufzeigen, welche Handlungsoptionen zur Verfügung stehen.“

Der mit Abstand wichtigste Hebel ist die Dämmung aller Gebäude auf den sogenannten Passivhausstandard. Derart gut eingepackt würden die Häuser fünfmal weniger Wärme benötigen als ein Durchschnittshaus. Zudem lässt sich der verbleibende Energiebedarf zu großen Teilen aus Sonnenenergie decken. Gut gedämmte Häuser und moderne Heizungsanlagen würden den jährlichen CO2-Ausstoß Münchens von acht Millionen Tonnen um mehr als 3,2 Millionen Tonnen senken.

Für weitere Millionenreduktionen empfehlen die Experten: mehr Windstrom, sparsame Haushaltsgeräte und Leuchtmittel, den Einsatz von Anlagen, die zugleich Wärme und Strom produzieren, eine intelligente Verkehrsorganisation sowie der vermehrte Einsatz von Elektroautos und spritsparender Verbrennungsmotoren. Am Ende würde jeder Münchner rechnerisch nur noch 750 Kilogramm CO2 im Jahr freisetzen gegenüber 6,5 Tonnen heute – ein Minus von 89 Prozent.

Zwei Preis-Szenarien

Selbst im konservativen Szenario, in dem die Stromnachfrage wegen der wachsenden Einwohnerzahl steigt, kann die Stadt kräftig Treibhausgas einsparen. In diesem Szenario bezieht die Stadt weiterhin Kohlestrom. Allerdings trennen die Kraftwerke das CO2 aus den Abgasen und lagern es unterirdisch ein. Doch auch in diesem Fall würde die Pro-Kopf-Emission noch um vier Fünftel auf 1,3 Tonnen fallen.

Die Berechnungen, erläutert Lechtenböhmer, beruhten auf bekannten Techniken. „Wir reden hier über langfristige Investitionen und wollten nicht spekulieren.“ Zudem war es den Experten wichtig, dass sich die Ziele zu überschaubaren Kosten erreichen lassen, von denen sich viele durch die erzielten Energieeinsparungen schon nach wenigen Jahren amortisieren.

Genau haben die Wuppertaler das für den größten Brocken ausgerechnet, die Sanierung und den Neubau nach Passivhausstandard. Die Mehrinvestitionen gegenüber einer Dämmung nach der gültigen Energieeinsparverordnung summieren sich bis 2058 auf 13 Milliarden Euro. Dem stehen gesparte Energiekosten von 30 Milliarden Euro gegenüber. „Unter dem Strich zahlt sich die Investition aus“, findet Lechtenböhmer.

Atomstrom nicht berücksichtigt

Für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung haben die Forscher zwei Preispfade zugrunde gelegt. Im billigeren Szenario verteuern sich Gas und Öl um jährlich 1,5 Prozent, Strom um ein Prozent; beim teureren um 2,5 beziehungsweise zwei Prozent. Atomstrom spielt in den Szenarien wegen des Ausstiegsbeschlusses der Bundesregierung und des Münchner Stadtrats keine Rolle.

Lechtenböhmer hält die Kalkulation trotz des gegenwärtigen Energiepreisverfalls im Zuge der Wirtschaftskrise nach wie vor für realistisch. „Der Trend wird sich in absehbarer Zeit wieder umdrehen.“ Sein Fazit: Über den Lebenszyklus eines Gebäudes gesehen bleibt fast immer ein Plus.“

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