Klima: US-Anwälte wittern Klimawandel-Geschäfte

Klima: US-Anwälte wittern Klimawandel-Geschäfte

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Hurrikan-Opfer New Orleans: Attacke auf die Eigentumsrechte?

Anwälte in den USA haben den Klimawandel für sich entdeckt. Sie wittern gute Geschäfte – der Industrie drohen Massenklagen.

Nur die Grundmauern standen noch. Hurrikan Katrina, der vor vier Jahren über den Golf von Mexiko tobte und New Orleans fast von der Landkarte fegte, zerstörte auch das Haus von Ned Comer. In seiner Heimat, der Stadt Pass Christian an der Küste des US-Bundesstaates Mississippi, hielt kaum ein Haus dem Hurrikan stand. Doch anders als viele Opfer wollte Comer sich danach nicht mit Almosen der Bush-Regierung abspeisen lassen. Er klagte – nicht gegen die Mächtigen in Washington, sondern gegen jene, die seiner Meinung nach für die Katastrophe verantwortlich waren: Ölkonzerne mit ihrem Ausstoß von Treibhausgasen. „Ned Comer versus Murphy Oil“ heißt der Fall, der zunächst belächelt wurde – aber Potenzial hat, Rechtsgeschichte zu schreiben.

Klimasünden sind in den USA längst kein Kavaliersdelikt mehr. Im Land der unbegrenzten Sammelklagen sind bereits mehrere „Class Actions“ gegen CO2-Emittenten anhängig. Und seit sich auch das Weiße Haus den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hat, jubeln Amerikas Anwälte und wittern lukrative Geschäfte mit den Opfern von Stürmen, Überflutung oder Dürre.

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Mehrere Branchen im Fokus

Die Klagewellen vergangener Jahre gegen die Tabakindustrie und Hersteller von Asbest könnten harmlos aussehen im Vergleich zu dem juristischen Tsunami, der jetzt droht. „Die Entwicklung gibt Anlass zu großer Sorge“, sagt Wolf Spieth, Partner der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Denn anders als bei Tabak und Asbest ist beim Klimaschutz die Zahl potenzieller Gegner nicht von vornherein begrenzt, dort kommen ganz unterschiedliche Branchen infrage. Kohlekraftwerke, Stahl- und Chemiefabriken, Autohersteller, Fluggesellschaften – der juristischen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Den Emittenten drohen massive Schadensersatzklagen, Versicherer schlagen bereits Alarm und stellen ihre Policen darauf ein. Auch deutsche Unternehmen, die in den USA tätig oder dort gelistet sind, könnten künftig betroffen sein.

Ned Comer will zum Beispiel eine ganze Branche vor Gericht zerren. Die Beklagten – darunter auch Shell, BP und ExxonMobil – lehnten sich zuerst entspannt zurück. Der District Court wies die Klage in der ersten Instanz ab, der Fall betreffe eine politische Frage und sei somit nicht justiziabel. Doch das Blatt hat sich gewendet: Das Bundesberufungsgericht hob die Entscheidung im Oktober auf und schloss sich erstmals der Argumentation des Klägers an. Demnach trügen CO2-Emittenten zum Klimawandel bei, also zum Anstieg des Meeresspiegels und der Temperaturen, was wiederum die Wucht eines Hurrikans verstärke. Dadurch seien Eigentumsrechte verletzt. Diese Kausalität muss der Kläger nun vor dem District Court nachweisen – kein leichter Fall. Aber einer mit Vorbildcharakter.

Gerald Maples, der Comer und elf weitere Kläger vertritt, ist optimistisch. „Die Beweislage ist gut“, sagt Maples und verweist auf den UN-Klimabericht. Die Beweise seien sogar deutlich besser als bei den Asbest-Fällen, die er durchgefochten hat. Zur Schätzung von Klimarisiken müsse man sich nur auf die steigenden Versicherungspolicen sowie auf fallende Immobilienpreise an der Küste berufen. Welche Summen auf dem Spiel stehen, will der Anwalt nicht verraten. Um Geld allein gehe es ihm auch nicht, beteuert der 54-Jährige, sondern um Aufmerksamkeit. Er lebt selbst in Pass Christian, sein Haus wurde ebenfalls von Katrina zerstört. Die Wirbelstürme tobten immer öfter über den Küstenstreifen, er wolle der Erderwärmung nicht tatenlos zusehen: „Das ist eine Herzensangelegenheit für mich. Ich will meinen Kindern die Klimasauerei nicht hinterlassen“.

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