Kraftwerk in Moorburg: Bescherung für Vattenfall fällt aus

Kraftwerk in Moorburg: Bescherung für Vattenfall fällt aus

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Das schwedische Energieunternehmen Vattenfall

von Mario Brück

Der schwedische Energieriese Vattenfall muss den Start des umstrittenen Steinkohlekraftwerks in Moorburg bei Hamburg erneut verschieben. Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Pannen.

Der schwedische Energieriese Vattenfall wollte sich so etwas wie ein Weihnachtsgeschenk machen: Kurz vor Heiligabend, am 23. Dezember, sollte Block B des umstrittenen Steinkohlekraftwerks nun endlich ans Netz gehen. Daraus wird aber wieder nichts. Vattenfall muss zum wiederholten Mal den Start des Kohlekraftwerks in Moorburg bei Hamburg verschieben. Als neuen, möglichen Starttermin nennt der schwedische Staatskonzern nun „Ende Februar“.

Block B läuft seit Februar dieses Jahres im Probebetrieb und liefert Strom. „Wir befinden uns weiter im Optimierungsprozess“, sagte eine Vattenfall-Sprecherin. Das betreffe mehrere Tausend Funktionen der vollautomatischen Steuerung, die zunächst weiter im Probebetrieb liefen, um den angestrebten Bedienkomfort zu erreichen. Block A soll im kommenden Jahr den Probebetrieb aufnehmen und Ende Juni 2015 in den Regelbetrieb gehen.

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Vattenfall Quelle: dpa

Moorburg ist für Vattenfall von besonderer Bedeutung, weil es sich um ein „flexibles“ Kohlekraftwerk handelt. Nach Angaben von Vattenfall kann die Leistung eines Blocks innerhalb von 15 Minuten um 250 bis 300 Megawatt hoch- oder heruntergefahren werden.

350 Millionen Tonnen CO2

Kohlekraft gilt als schmutzigste Art der Energieerzeugung. Bei der Verbrennung von Kohle werden riesige Mengen von gesundheits-, umwelt- und klimaschädlichen Partikeln frei. Legt man eine Mindestbetriebsdauer von 40 Jahren zugrunde, wird Moorburg nach Berechnungen von Greenpeace nicht weniger als 350 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre ausstoßen. Ein Kohlekraftwerk muss etwa 40 Jahre laufen, damit sich allein sein Bau wirtschaftlich lohnt.

Eigentlich sollten die beiden Kraftwerksblöcke schon 2012 und 2013 nacheinander in Betrieb gehen, was aber zahlreiche Pannen verhinderten. Im Juni 2013 zog bei einem Testlauf eine dunkle, stinkende Wolke über Moorburg, Anwohner klagten über Kopfschmerzen, Atemnot und Übelkeit - laut Vattenfall war der Wind falsch berechnet worden.

Im September wurden Legionellen im Kühlturm gefunden und im Kohlelager bestand Brandgefahr, sodass ein Teil der Kohle ausgelagert werden musste. Im April 2014 wurde bekannt, dass beide Kraftwerksblöcke Baumängel aufwiesen, sodass Moorburg wieder nicht ans Netz ging.

Kraftwerk für drei Milliarden Euro

Das Steinkohlekraftwerk mit seinen insgesamt rund 1640 Megawatt Leistung ist eines der größten in Europa. Sein Start sollte nun ausgerechnet in eine Zeit fallen, in der Kohlekraftwerke in Deutschland äußerst kontrovers diskutiert werden.

Vattenfall selbst will 2015 sein gesamtes Braunkohle-Geschäft in Ostdeutschland – Kraftwerke und Tagebaue in Brandenburg und Sachsen – mit rund 8000 Mitarbeitern verkaufen, um die konzerneigene Klimabilanz zu verbessern. Die Vattenfall-Steinkohlekraftwerke in Moorburg, Wedel und Berlin stehen nach Angaben des Unternehmens jedoch nicht zum Verkauf.

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Das Kraftwerk Moorburg kostete laut Vattenfall rund drei Milliarden Euro. Rund eine Milliarde Euro hat der schwedische Konzern auf die Anlage schon vor deren offiziellem Betriebsbeginn abgeschrieben. Vattenfall geht aber trotz aller Rückschläge weiterhin davon aus, das Kraftwerk wirtschaftlich betreiben zu können. Allerdings entgehen dem Unternehmen durch die weitere Verzögerung des Regelbetriebs Einnahmen aus der Stromerzeugung.

Umweltschützer lehnen das Kraftwerk auch wegen seiner hohen Emissionen an Treibhausgasen und Luftschadstoffen wie etwa Stickoxiden, Quecksilber und Feinstaub weiterhin ab. Auch die Wirtschaftlichkeit stellen sie infrage. „Das Kraftwerk Moorburg steht immer in Konkurrenz zu Strom aus regenerativen Quellen, der bei der Einspeisung ins Netz Vorrang genießt“, sagt Manfred Braasch, Geschäftsführer des Hamburger Landesverbandes beim BUND.

„Gibt es hohe Einträge an Windstrom etwa aus Schleswig-Holstein, muss Moorburg seine Leistung herunterfahren. Jede Betriebsstunde, die das Kraftwerk nicht Volllast läuft, belastet seine betriebswirtschaftliche Bilanz.“

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