Kraftwerksblöcke: Das große Abschalten

Kraftwerksblöcke: Das große Abschalten

von Andreas Wildhagen

Energieversorger stellen immer mehr Anträge auf Abnabelung ihrer Kraftwerksblöcke vom Netz. Die Windenergie steht vor einem Rekordjahr.

49 Kraftwerksblöcke wollen deutsche Energieversorger derzeit vom Netz nehmen. Das entspricht etwa 13 Gigawatt, einer Leistung von gut zehn Atomkraftwerken. 85 Gigawatt beträgt die maximal benötigte Leistung in Deutschland. 20 Kraftwerksblöcke sind damit innerhalb von zwölf Monaten hinzugekommen, und der Trend geht offenbar weiter. Ein fossiles Kraftwerk, das sind Kohle-, Öl- und Gaskraftwerke, verfügt über im Schnitt zwei bis drei Blöcke. Das heißt, viele Kraftwerke laufend weiter, allerdings mit deutlich vermindertem Stromausstoß.

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Die Energiewende läuft in Deutschland mit voller Power, die Windenergie steht in Deutschland vor einem Rekordjahr. 650 Windturbinen auf dem Land wurden bereits im ersten Halbjahr 2014 neu errichtet, teilte der Bundesverband Windenergie (BWE) jetzt mit. Diese neu installierte Leistung von rund 1.700 Megawatt, so der Verband, liegt um 66 Prozent über dem Wert des ersten Halbjahres 2013.

Das wichtigste Windenergieland ist Schleswig-Holstein. Dort befindet sich auch der große Atommeiler Brokdorf, der von E.On betrieben wird. Brokdorf versorgt vor allem das Bundesland Hamburg mit seinem stromfressenden Industrien (zum Beispiel Aurubis). Bis 2021 soll Brokdorf noch Strom liefern und ist damit eines der letzten Meiler, der vor dem endgültigen Aus der Kernkraftwerke in Deutschland im Jahr 2022 abgestöpselt wird.

Neuausrichtung - So steht es um die Energiekonzerne

  • E.On

    Umsatzanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: 2,0 %
    Gewinnanteil vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen: 15,0%
    Installierte Minikraftwerke in Deutschland: 4000
    Unterstützung des Neugeschäfts durch Vorstandschef¹: *
    Kooperationen mit anderen Unternehmen: 135

    ¹3 Sterne = groß, 1 Stern = gering

    (Stand: Juni 2014)

  • RWE

    Umsatzanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: 1,7 %
    Gewinnanteil vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen: 4,5%
    Installierte Minikraftwerke in Deutschland: 1300
    Unterstützung des Neugeschäfts durch Vorstandschef¹: **
    Kooperationen mit anderen Unternehmen: 90

    ¹3 Sterne = groß, 1 Stern = gering

  • EnBW

    Umsatzanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: 2,3 %
    Gewinnanteil vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen: 10,0%
    Installierte Minikraftwerke in Deutschland: 205
    Unterstützung des Neugeschäfts durch Vorstandschef¹: ***
    Kooperationen mit anderen Unternehmen: 50

    ¹3 Sterne = groß, 1 Stern = gering

  • Vattenfall

    Umsatzanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: k.A.
    Gewinnanteil vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen: k.A.
    Installierte Minikraftwerke in Deutschland: k.A.
    Unterstützung des Neugeschäfts durch Vorstandschef¹: *
    Kooperationen mit anderen Unternehmen: 300

    ¹3 Sterne = groß, 1 Stern = gering

Der in die Netze hereindrückende Ökostrom bremst die fossilen Kraftwerke aus und macht teure Investitionen zum Teil überflüssig. Das betrifft vor allem Gaskraftwerke, die vor allem in der Mittagszeit, wenn am meisten Strom verbraucht wird, Energie produzieren sollen. Technisch sind sie für schnelle Bedarfsplanung bei Spitzenlasten geeignet, weil sie sich rasch hoch und herunterfahren lassen und keine langen Vorlaufzeiten wie zum Beispiel Braunkohlekraftwerke bennötigen.

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Doch der Überfluss an geförderten Ökostrom macht diese Investitionen von E.On, RWE und EnBW zur Makulatur und sorgt für massiv fallende Gewinne. Hätten die großen Versorger frühzeitig in erneuerbare Energien investiert, würde sie heute von dem Ökostrom-Trend profitieren und damit ihr Loch bei fossilen Kraftwerken ausgleichen können. Doch dann wären die Versorger von der Öffentlichkeit als gigantische EEG-Profiteure gescholten worden, weil sie in den Genuss der Umlage nach der Erneuerbaren Energien Gesetz gekommen wären.

So bleibt ihnen heute nur das Abschalten und die Hoffnung auf einen neuen „Kapazitätsmarkt“, in dem sie auch für bereitgestellte Kraftwerkskapazität bezahlt werden. Von wem? Vom Stromkunden natürlich, bisher der Leidtragende der Energiewende. Zumindest was die Kosten betrifft.

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