Krim-Krise: Wer hat Angst vor Gazprom?

Krim-Krise: Wer hat Angst vor Gazprom?

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Deutschland sieht keinen Grund seine Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern

von Andreas Wildhagen

Die BASF-Energietochter Wintershall verbindet viel mit dem russischen Erdgasriesen. Aber es gibt auch Sollbruchstellen – offenbar zum Vorteil der Deutschen.

Putin, der Aggressor? Gazprom, der Handlanger? Der Staatskonzern Gazprom, Förderer und Exporteur russischen Erdgases, das es mehr als reichlich in den Weiten der Föderation gibt, wirkt derzeit wie eine böse Macht. Umso bemerkenswerter, dass der deutschen Erdgas-Importeur Wintershall aus dem biederen Kassel, Tochter der BASF und im Konzert der großen Energieversorger E.On und RWE recht unbekannt, im Stillen ganz hervorragende Geschäftskontakte mit Gazprom pflegt. Und fast niemand regt sich darüber auf, weil es fast niemand weiß.

Wird Deutschland bald von russischem Erdgas abgeschnitten, weil die ukrainischen Leitungen im Konflikt mit Putin blockiert werden? Nein, ganz und gar nicht. Es gibt die Ostsee-Pipeline, die Russland direkt mit Deutschland verbindet, unter der Ostsee hindurch unter Umgehung von Polen. Dem polnischen Präsidenten Donald Tusk ist eine zu enge Verbindung zwischen Russland und Deutschland das nicht geheuer. Tusk warnt von einer großen Abhängigkeit von russischem Erdgas. Der Aufsichtsratschef Gerhard Schröder (SPD), früher Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, möchte dazu nicht gern befragt werden: „Ich möchte dazu lieber nichts sagen“, raunzte er sybillinisch eine Reporterin an. Angst vor dem russischen Erdgaskonzern Gazprom, der über 50 Prozent an der Ostsee-Pipeline hält, hat er jedenfalls nicht. Und auch Wintershall fürchtet keine Russen. Die Kasseler planen zusammen mit Gazprom eine weitere Pipeline unter dem Schwarzen Meer, unter Umgehung der Ukraine, sicher ist sicher.

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Gaspipeline Quelle: dpa

Die Pläne der unter russischer Führung geplanten neuen großen Pipeline „South Stream“ sind weit gediehen. Eine Anschlussstelle in Gelendschik im Kaukasus ist bereits fertig. Gelendschik liegt unweit von Sotchi, wo die Deutschen bei der Paralympics gerade eine Medaille nach der anderen gewinnen. Wintershall will in Gelendschik gewinnen. In Zürich beschlossen gerade die Eigentümer der Planungsgesellschaft, noch in diesem Monat die Verträge für den Bau der Unterwasser-Gasleitung und die landseitigen Anschlüsse in Bulgarien zu unterzeichnen. Wintershall hält 15 Prozent an South Stream, so wie der staatliche, französische Energieriese EdF. Die italienische Eni ist mit 20 Prozent beteiligt und Gazprom hält als größter Anteilseigner 50 Prozent. Auch die Türkei hat bereits ihre Zustimmung zum Bau der Pipeline durch das Schwarze Meer gegeben, durch das bereits ein amerikanisches Kriegsschiff Kurs auf die Krim nimmt. Als Gegenleistung sicherte Gazprom der Türkei Gaslieferungen bis 2025 zu. Wer hat Angst vor Gazprom?

Die europäische Energiewirtschaft jedenfalls nicht, schon gar nicht die deutsche. E.On bezieht 40 Prozent seiner Erdgaslieferungen von Gazprom, in langfristigen Verträgen. Über die Spotverträge will man sich nicht äußern. Um nicht die Amerikaner zu verärgern, die mit verflüssigten Fracking-Gas (LNG) bald die westeuropäischen Märkte fluten wollen?

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Wer schützt die deutsche Wirtschaft vor Gazprom? Keiner. Weil es offenbar gar nicht notwendig ist? Gazprom steht kurz vor der Übernahme eines großen Teils der deutschen Erdgas-Infrastruktur. In einem milliardenschweren Tausch von Vermögenswerten übernimmt der Konzern von der deutschen BASF-Tochter einen Erdgasspeicher im niedersächsischen Rehden. Es handelt sich ganz nebenbei um den größten westeuropäischen Erdgasspeicher. Die Gazprom-Tochter Astora kauft dort einen unterirdischen Speicher mit einigen Milliarden Kubikmeter Fassungsvermögen. „Der Vollzug der Transaktion wird für Mitte 2014 erwartet“, heißt es bei der BASF. Auch Sollbruchstellen im Wintershall-Geschäft kommen Gazprom zugute, und umgekehrt.

Die Warnungen des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk in Richtung Deutschland, seine Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern, sie verhallen. Bei Wintershall und in der Ortschaft Rehden. Die Ortschaft liegt bei Diepholz, südlich von Bremen. Die Rehdener haben keine Angst vor den Russen und brauchen sie auch nicht zu haben.

Es winkt sogar ein Sponsorenvertrag. So wie Gazprom Schalke 04 finanziell unterstützt, könnte der Regionalligist BSV Schwarz-Weiß Rehden bald einen Sponsorenvertrag mit Gazprom erhalten. Die Waldsportstätte ist dringend sanierungsbedürftig. Klitschko wird es nicht gefallen.

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