Lebensmittel: Wie gut ist Bio wirklich?

Lebensmittel: Wie gut ist Bio wirklich?

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Seit über 20 Jahren beackern Petra Graute-Hannen und Heinrich Hannen den Hof von Düsseldorf nach biologischen Grundsätzen.

Der Biohype ist der Sieg des Guten - glauben viele. Aber stimmt das überhaupt? Sind Bioäpfel aus Neuseeland wirklich nachhaltig, arbeiten deutsche Biobäcker nachhaltiger als ihre traditionellen Kollegen? Vor allem aber: Können wir mit Bio die ganze Welt ernähren? Eine Feldanalyse.

Es rollt wieder eine Modewelle über das Land. Vor allem in den gutbürgerlichen Szenevierteln der Großstädte eröffnen immer neue Restaurants, die Besucher mit Wassermelonen-Tomaten-Suppe, Tofu-Burger auf Wirsingbett oder Nudeln mit Fenchel-Orangen-Sauce locken. Bücher von Starschreibern wie dem Amerikaner Jonathan Safran Foer oder Autorin Karen Duve, die eine Ernährung ohne Wurst und Steak propagieren, erobern die Bestsellerlisten. Selbst Mc Donald’s hat die Welle erfasst: Jeden Monat verkauft die Fast-Food-Kette rund 2,2 Millionen Veggie-Burger.

Dabei ist die Fleischlos-Welle nur die radikalste Variante der sich ausbreitenden Ökokost-Bewegung. Der Umsatz mit Bioware hat sich in Deutschland laut dem Kölner Institut für Handelsforschung in zehn Jahren von weniger als zwei Milliarden Euro auf 5,6 Milliarden Euro verdreifacht. Mittlerweile kommt kein Supermarkt mehr ohne Biokost-Ecke aus.

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Der Biohype, so meinen viele, sei der Sieg des Guten. Aber stimmt das überhaupt? Ist Bio wirklich immer besser – auch wenn Bioäpfel aus Neuseeland kommen? Wie nachhaltig ist Bio wirklich? 

Auf dem Papier widersprechen sich Bio und Nachhaltigkeit zunächst nicht per se. Laut EU-Verordnung signalisiert das Bio-Siegel, dass Landwirte kaum Pestizide eingesetzt haben und dass die Zutaten von verarbeiteten Bioprodukten zu 95 Prozent aus dem Ökolandbau stammen. Unter Nachhaltigkeit wiederum verstehen Fachleute eine Produktionsweise, bei der Ressourcen wie Rohstoffe und Flächen nur so stark beansprucht werden, wie sie sich regenerieren. So viel zur Theorie.

Die Praxis ist komplexer. Die wichtigste Aufgabe der Branche ist es, alle Menschen zu ernähren – Bio hin, Nachhaltigkeit her. Doch das, so viel ist klar, wird mit reiner Biolandwirtschaft schwierig. Weltweit nämlich ist die Fläche, die landwirtschaftlich genutzt werden kann, ein knappes Gut. Mit dem Run auf nachwachsende Rohstoffe für die Herstellung von Biotreibstoff verschärft sich die Platznot noch.

Macht Bio alle satt?

Trotz der in Deutschland schon weit entwickelten Anbaumethoden der Biobauern, ringen konventionell wirtschaftende Landwirte ihren Böden und Tieren deutlich höhere Erträge ab: Sie ernten 6700 Kilogramm Weizen je Hektar. Biolandwirte dagegen fahren mit 3800 Kilo nur fast halb so viel in die Scheune, so der Agrarbericht der Bundesregierung.

Das mag heute noch reichen – in Zukunft wohl nicht mehr. In einer Studie im Auftrag der britischen Regierung haben 400 Experten aus 35 Ländern die Lage analysiert: „Wir müssen in den nächsten 20 Jahren die globale Nahrungserzeugung um 40 Prozent steigern und brauchen 30 Prozent mehr Trinkwasser“, warnt John Beddington, Forscher am Imperial College in London und wissenschaftlicher Berater der Regierung.

Denn die Weltbevölkerung wachse von heute sieben auf acht Milliarden Menschen 2030. 2050 sollen es neun Milliarden sein. Dabei ist das Essen heute schon knapp. Weltweit hungert eine Milliarde Menschen. Künftig muss die Getreideproduktion von 2,1 auf 3,0 Milliarden Tonnen steigen, hat die Welternährungsorganisation berechnet.

Die Ernährungsexperten sehen Schwierigkeiten, dieses Ziel zu erreichen. Denn seit Jahren gelingt es den Landwirten immer weniger, ihren Feldern steigende Ernten abzuringen. Wuchsen die Erträge je Feld Anfang der Sechzigerjahren noch um jährlich 3,2 Prozent, sind die Zuwächse inzwischen auf 1,5 Prozent abgesackt.

Um die Landwirtschaft für die Zukunft effizienter zu machen, regen Forscher wie Beddington deshalb dringend an, mehr Geld in die Agrarforschung zu stecken und auch die umstrittene Gentechnik auf dem Acker nicht weiter zu tabuisieren. Sie könnte eines Tages den Anbau von Pflanzen etwa in bisher kaum nutzbaren, sehr trockenen Gebieten möglich machen.

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