Matthias Kurth: "Die Versorger müssen aufpassen"

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InterviewMatthias Kurth: "Die Versorger müssen aufpassen"

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"Sinkende Einkaufspreise wurden häufig nicht an die Kunden weitergegeben", ärgert sich Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur.

von Jürgen Berke und Andreas Wildhagen

Der Präsident der Bundesnetzagentur warnt die Energieversorger vor überzogenen Preiserhöhungen und spricht über die Bemühungen der Bundesnetzagentur, für fairen Wettbewerb zu sorgen.

WirtschaftsWoche: Herr Kurth, die Energieversorger in Deutschland schicken gerade böse Briefe an ihre Kunden, in denen sie für 2012 Preiserhöhungen um bis zu zehn Prozent ankündigen. Geschieht das zu Recht?

Matthias Kurth: Ich habe noch keinen umfassenden Überblick, wie viele Energieversorger solche Briefe verschicken. Aber ich kann die Energiebranche nur vor überzogenen Preisrunden warnen. Bei all den Anbietern, die höhere Kosten für den Stromtransport als Grund für die Preiserhöhung angeben, wird dieser Grund zumindest teilweise wieder entfallen.

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Weshalb?

Der Bundestag will in Kürze ein Gesetz verabschieden, damit die Bundesnetzagentur bei der Genehmigung der Netzentgelte künftig den sektoralen Produktivitätsfortschritt der Netzbetreiber wieder berücksichtigen kann. Der Bundesgerichtshof hat diesen Produktivitätsfortschrittsfaktor aufgehoben, weil die rechtliche Grundlage zur Ermächtigung der Netzagentur nicht ausreichte. Ist dieser Mangel beseitigt, werden die Netzentgelte weniger steigen und damit als Grund für Erhöhungen wieder wegfallen.

Über welche Preiserhöhungen reden wir?

Wenn es das neue Gesetz nicht geben würde, wären nach unseren Berechnungen zusätzliche Belastungen von bis zu zwei Milliarden Euro auf die Verbraucher zugekommen. So dürften die Netzbetreiber nach meinen Schätzungen höchstens noch einen Restbetrag aus der Vergangenheit in Höhe von 500 Millionen Euro auf die Kunden abwälzen.

Wir haben den Eindruck, dass der Strompreis für Verbraucher eigentlich immer steigt. Selbst Ihre eigenen Statistiken weisen eine kontinuierliche Erhöhung von 34 Prozent seit 2006 aus. Hat die Bundesnetzagentur beim Versuch, für Wettbewerb zu sorgen, versagt?

Industriekunden und Großverbraucher können sich Strom häufig zu günstigeren Preisen beschaffen. Privathaushalte aber, da haben Sie recht, müssen jedes Jahr mehr zahlen. Dafür trägt die Bundesnetzagentur allerdings nicht die Verantwortung. Der von uns beeinflussbare Teil des Strompreises, die Netzentgelte, sind seit 2006 von 7,30 Cent um rund 20 Prozent auf 5,75 Cent pro Kilowattstunde gesunken. Dagegen hat sich die Kostenposition "Energiebeschaffung und Vertrieb inklusive Marge" um gut 80 Prozent erhöht und damit schon nahezu verdoppelt...

...also auch die Möglichkeit der Stromerzeuger, die Gewinne durch höhere Preise zu steigern.

Davon können Sie ausgehen. So schwankten die Einkaufspreise in den vergangenen sechs Jahren sehr stark. Sanken sie, wurde dies häufig nicht an die Kunden weitergegeben. Darauf hat die Bundesnetzagentur leider keinen Einfluss.

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