
WirtschaftsWoche: Herr Harre, vom koreanischen Elektronikriesen LG kennen die Deutschen Fernseher, Smartphones, Kühlschränke und Waschmaschinen. Warum weiß niemand, dass LG auch Solarzellen und -module produziert?
Harre: Weil wir noch vergleichsweise neu sind im Solargeschäft. Wir haben erst vor gut zwei Jahren damit begonnen, Module und Zellen zu produzieren. Da die meisten Deutschen jedoch irgendein LG-Gerät im Haushalt haben, wollen wir nun auf dieser Marke aufbauen.
Wer sind Ihre Kunden?
Unsere Module kommen in erster Linie auf den Dächern von Privatleuten und bei industriellen Kunden zum Einsatz.
Können Sie sich auf dem umkämpften Weltmarkt für Solaranlagen als Noname überhaupt sehen lassen?
Zurzeit beträgt unsere Fertigungskapazität insgesamt rund 300 Megawatt...
...das entspricht ungefähr einem Siebtel des Weltmarktführers Suntech aus China.
Damit liegen wir zugegeben derzeit noch knapp hinter den 20 größten Modulherstellern der Welt. Am Ende des Jahres geht aber eine ganz neue, selbst entwickelte Hochleistungsfertigungslinie an den Start, die uns zusätzlich 75 Megawatt Kapazität bringen wird. Gleichzeitig erhöhen wird, den Wirkungsgrad unserer Module, also wie viel Prozent der Sonnenenergie sie in Strom umwandeln, von 16 auf 18 Prozent. Das sind Welten in der Fotovoltaik. Heute gibt es nur zwei Hersteller, die eine Serienfertigung mit vergleichbaren Wirkungsgraden haben, allerdings mit vermutlich deutlich höheren Herstellkosten.
Bild: dpaCentrotherm
Solarmodule, Zellen - DE000A0JMMN2
Kursplus: 48,2 Prozent
Umsatz: 763 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 48 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/EK-Quote: 398 Millionen Euro/ 44 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 75 Millionen Euro
Empfehlung: Gewinne mitnehmen
Stand: 23. Februar 2012
Bild: PressebildManz
Solarzulieferer DE000A0JQ5U3
Kursplus:25,2 Prozent
Umsatz: 226 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: - 53 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/EK-Quote: 187 Millionen Euro/ 58 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 10 Millionen Euro
Empfehlung: Halten
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: ScreenshotMeyer Burger
Solarzulieferer aus der Schweiz - CH0108503795
Kursplus: 11 Prozent
Umsatz: 1291 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 140 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/EK-Quote: 624 Millionen Euro/ 50 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: keine
Empfehlung: Halten
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: PressebildSMA/Solar-Teilezulieferer/Deutschland
ISIN: DE000A0DJ6J9
Kursgewinn seit Empfehlung: +12,1
Umsatz: 1 599 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 247 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/Eigenkapitalquote: 749 Millionen Euro/57 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: keine
Empfehlung: halten
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: dpaSolarworld/Solarmodule, Zellen/Deutschland
ISIN: DE0005108401
Kursgewinn seit Empfehlung: +20,5
Umsatz: 1 130 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: –27 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/Eigenkapitalquote: 938 Millionen Euro/34 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 764 Millionen Euro
Empfehlung: halten
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: Trina SolarTrina Solar/Solarmodule/China
Kursgewinn seit Empfehlung: +45,6
Umsatz: 1 961 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 119 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/Eigenkapitalquote: 903 Millionen Euro/39 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: keine
Empfehlung: Gewinne mitnehmen
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: dapdUnternehmen/Branche/Land ISIN Kurs¹ Kursgewinn seit Empfehlung Umsatz ²,³ freier Mittel- zufluss²,³ Eigenkapital ²/ EK-Quote4 Netto-Finanz-Schulden² Empfehlung Yingli Green Energy/Solarmodule/China US98584B1035 3,11 +8,7 2 313 –88 1 196/42 946 verkaufen
¹ in Euro, ² in Millionen Euro; ³ 2011, geschätzt; 4 Eigenkapitalquote in Prozent; Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Bild: dpaQ-Cells/Solarmodule, Zellen/Deutschland
ISIN: DE0005558662
Kursgewinn seit Empfehlung: –51,6
Umsatz: 1 022 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 21 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/Eigenkapitalquote: 425 Millionen Euro/27 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 505 Millionen Euro
Empfehlung: weiterhin meiden
Quelle: Bloomberg, Unternehmen; Stand: 23. Februar 2012
Centrotherm
Solarmodule, Zellen - DE000A0JMMN2
Kursplus: 48,2 Prozent
Umsatz: 763 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Cashflow: 48 Millionen Euro (2011, geschätzt)
Eigenkapital/EK-Quote: 398 Millionen Euro/ 44 Prozent
Netto-Finanz-Schulden: 75 Millionen Euro
Empfehlung: Gewinne mitnehmen
Stand: 23. Februar 2012
Giganten wie der amerikanischen First Solar oder den chinesischen Suntech oder Yingli können Sie damit aber immer noch nicht das Wasser reichen.
Warten Sie’s ab. Wir haben einen ambitionierten Ausbauplan. Zuerst werden wir unsere neue Produktionslinie zügig duplizieren. Im kommenden Jahr werden wir auf eine Kapazität von 500 Megawatt ausbauen, und 2014 peilen wir ein Gigawatt, also 1000 Megawatt, an. Unsere älteste Fertigungslinie ist dann nicht älter als anderthalb Jahre. Dass wir noch klein sind, ist im Moment eher ein Vorteil. Wir müssen nicht so einen schweren Rucksack mit unrentablen Produktionsanlagen oder hohen Lagerbeständen schleppen wie andere.
LG nennt keine Umsatzzahlen für die Solarsparte, viel mehr als 300 Millionen Euro dürften aber wohl kaum zusammenkommen. Bleibt das Solargeschäft damit, gemessen am 40-Milliarden-Euro-Konzernumsatz, nicht ein ganz kleines Licht?
Dessen sind wir uns durchaus bewusst. Aber die Sparte wird immer wichtiger im Konzern, das verdeutlichen zwei Tatsachen: Zum einen ging der Impuls zum Aufbau einer Solardivision von der Gründerfamilie Koo aus. Zum anderen sind wir seit Ende vergangenen Jahres sogar die sechste eigenständige Division neben Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten, Mobilkommunikation, Informationstechnik sowie dem Bereich Air Conditioning und Licht, zu dem LG Solar bis dahin gehörte.
Welche Vorteile versprechen Sie sich von der Marke LG im Wettbewerb mit bestens eingeführten Wettbewerbern?
Bei LG wissen die Kunden, dahinter steckt ein großes, wirtschaftlich starkes Unternehmen. Das ist wichtig in Wochen, in denen die Liste insolventer Wettbewerber immer länger wird. Meine Kunden fragen nämlich nicht: Haltet ihr durch, seid ihr hoch verschuldet, oder was ist eure Garantie wert? Und einem erfolgreichen Elektronikkonzern LG nimmt man auch ab, dass er auch gute Module bauen kann. Hinzu kommt, dass wir mit LG Chem und LG Siltron Konzernunternehmen haben, die etwa auf Batterien sowie auf die Produktion von Silizium und Siliziumscheiben, sogenannte Wafer, spezialisiert sind.
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