Milliardenverluste: E.On pflegt seinen Optimismus

Milliardenverluste: E.On pflegt seinen Optimismus

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Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns E.On

von Andreas Wildhagen

Der größte deutsche Versorger schreibt rote Zahlen, das Management gibt sich aber trotzdem wortmächtig und selbstbewusst.

Johannes Teyssen agiert auf der Bilanzpressekonferenz in der überdimensionierten Glashalle der E.On-Zentrale so locker wie nie. Dabei hat der E.On-Vorstandschef soeben einen Verlust in Höhe von 2,2 Milliarden Euro für das Jahr 2011 bekannt gegeben. So eine Hiobsbotschaft gab es noch nie bei Veba, Viag und Ruhrgas den zu E.On fusionierten Unternehmen. Den Schock weiß Teyssen und sein Finanzchef Markus Schenck aber gut zu verbergen.

Zunächst wird davon gesprochen, dass die „die Talsohle“ durchschritten und die Finanzverschuldung um zwei Milliarden Euro gesenkt worden sei. Und schließlich, dass 50 Prozent des Umsatzes von „regulierten Geschäften“ abhängig ist, also immer noch Rahmenbedingungen vorfindet, um die andere Dax-Konzerne die Düsseldorfer beneiden würden. Sichere Geschäfte, wie die Zwangseinspeisung von Strom der Erneuerbaren Energien in die Netze zum Beispiel oder jahrzehntelang laufende Stromverträge, beruhigen auch die Banken.

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Milliardenschwerer Konzernverlust

Aber der Verlust, der durch das defizitäre Gashandelsgeschäft mit Gazprom und durch die rapide Schmälerung der Atomgewinne entstanden ist, schmerzen dennoch gewaltig - auch wenn es eine Lust ist, über Schöneres wie den Offshore-Park Amrumbank zu sprechen, der 300.000 Haushalte mit Strom versorgen soll.

Der milliardenschwere Fehlbetrag tun weh. 11.000 der 80.000 Stellen werden. So viele Mitarbeiter mussten noch nie Knall auf Fall das Haus verlassen. Vor allem die marmorne E.On-Zentrale am Rhein, ein Symbol aus besseren Tagen, muss bluten: Geschäfte werden zusammengelegt, Doppelfunktionen aufgelöst. Das hat dem Vorstand eine weitere Kampfzone beschert. Es ist der mit überaus harten Bandagen ausgetragene Streit mit den Arbeitnehmervertretern im Haus, die vor allem die Personalchefin Regine Stachelhaus hart attackierten, obwohl ihr das Personalsparpaket von Teyssen bereits entwendet und dem Vorstand Reutersberg übergeben wurde.

An diesem Tag fehlt Personalvorständin Stachelhaus auf dem Podium, sie sei krank, sagt Teyssen und fügt hinzu, dass bei einem Telefonat auch „ihre Stimme sehr krank geklungen“ habe. Die Krankschreibung klingt aus dem Mund des Vorstandschefs noch glaubwürdiger. Und der Kommunikationschef gibt sodann einen Einblick in die Art der Erkrankung, „eine verschleppte Grippe“ sei es, wird die Diagnose auf dem Podium bekannt gegeben.

Teyssens Mittelweg

Teyssen ist heute wortgewaltig und macht das Dilemma, in dem E.On steckt, überdeutlich. Die politisch bisher wenig konkretisierte Energiewende beschreibt Teyssen nicht so krass ablehnend wie der Noch-Chef von RWE, Jürgen Großmann. Aber er lobt die Energiewende auch nicht wie Siemens-Chef Peter Löscher in bundesweiten Anzeigen.

Teyssen wählt einen fast schon Mittelweg, der das vordergründige Lob der Energiewende sogleich zu einem vergifteten macht: „Eine qualitative Bewertung der Energiewende ist entbehrlich“, sagt er fast fröhlich, „wir müssen sie begleiten“, sagt er gespielt einsichtsvoll, um als nächstes den Hammer herauszuholen. „Was nützt es, wenn wir die Energiewende nicht gut finden und sie nicht gut finden?“ Das „Opfer ist dann Deutschland“, und das ist Teyssen entschieden zu viel.

Ob die Energiewende gut oder schlecht sei, schlängelt sich Teyssen vordergründig wohlmeinend, in Wirklichkeit ätzend, werde sich „sowieso erst in einer Generation entscheiden“. Solange dauert also die Zitterpartie um Blackouts in schwierigen Wetterlagen, in Kälteperioden im Winter zum Beispiel, wo viel Strom verbraucht wird und die Atomkraftwerke fehlen.

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