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Mitarbeiter in Verdacht: Steuerrazzia bei EnBW

von Jan Keuchel und Jürgen Flauger Quelle: Handelsblatt Online

EnBW hat derzeit an vielen Fronten Probleme - jetzt kommt ein sehr unangenehmer Fall dazu: Die Steuerfahndung ermittelt gegen drei Mitarbeiter des Unternehmens wegen Betrugs in Höhe von 46 Millionen Euro.

EnBW hat nun auch ein Steuerproblem. Quelle: dpa
EnBW hat nun auch ein Steuerproblem. Quelle: dpa

Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) hat ein Steuerproblem. Am Dienstag durchsuchten Steuerfahnder die Zentrale des drittgrößten deutschen Energiekonzerns in Karlsruhe und beschlagnahmten Unterlagen. Die zuständige Staatsanwaltschaft Mannheim und der Konzern bestätigten dies gegenüber dem "Handelsblatt".

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Der Verdacht: Drei Mitarbeiter einer Konzerntochter sollen über Jahre hinweg an einem kriminellen Umsatzsteuerkarussell mitgewirkt haben. Dieses soll auf Tricks beim Handel mit Emissionszertifikaten, die zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids berechtigen, beruht haben. Der Unternehmenstochter sollen dadurch 46 Millionen Euro an Steuern zu viel vom Finanzamt erstattet worden sein. "Die Mitarbeiter haben zumindest billigend in Kauf genommen, dass eingereichte Rechnungen nicht hätten geltend gemacht werden dürfen", sagte der Sprecher der Behörde, Peter Lintz.

Der EnBW-Fall ist verknüpft mit einem großen Betrugskomplex rund um den europaweiten Emissionshandel, der seit zwei Jahren die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt beschäftigt. Bereits im Dezember 2011 wurden in einem ersten Verfahren Haftstrafen verhängt. Damals wurde der Schaden in diesem Teilverfahren alleine mit 300 Millionen Euro beziffert. Es wird aber weiter ermittelt. Insgesamt soll es 150 Beschuldigte geben, und der Schaden soll mehr als 800 Millionen Euro betragen.

Welche Versorger seit der Energiewende umdenken

Platz 10: Vattenfall

Die Studie der European School of Management (ESMT) analysiert, wie führende europäische Energiekonzerne mit den Herausforderungen der Energiewende umgehen. Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg setzt deutsche Unternehmen besonders unter Druck. Gleichwohl ist die gesamte Branche betroffen, denn - so das Ziel der EU - ganz Europa soll umsteigen auf eine nachhaltige, kohlendioxidarme Stromerzeugung. In der Studie wurden die Forschungsaktivitäten der Unternehmen, aber auch Produktivität und Nachhaltigkeit bewertet.

Auf Platz 10 im Innovationsindex schafft es der schwedische Konzern Vattenfall. Für Wachstum im Konzern soll zukünftig grüne Energie sorgen. Noch stützen sich die Aktivitäten in Deutschland aber stark auf den Braunkohletagebau. Das Bild zeigt einen Schaufelradbagger im südbrandenburgischen Welzow.

Bild: dpa

Das betrügerische System funktioniert etwa wie folgt: Die Beschuldigten kaufen über Strohmänner und Scheinfirmen Verschmutzungszertifikate im Ausland ein. Da es sich um Geschäfte über die EU-Grenze hinweg handelt, wird keine Umsatzsteuer fällig, und die Preise sind entsprechend niedrig. Im Inland werden die Zertifikate an mindestens eine weitere Firma weitergereicht, die dort fällige Umsatzsteuer wird auf den Preis aufgeschlagen.

In der Verkaufskette landet das Zertifikat am Ende bei einem eingeweihten Erwerber, der sich die vermeintlich bezahlte Vorsteuer vom Finanzamt erstatten lässt. Wenn das Finanzamt später aber von den vorgelagerten Scheinfirmen die Steuer eintreiben will, sind diese wieder vom Markt verschwunden. Bei den jetzt ins Visier genommenen EnBW-Mitarbeitern handelt es sich um einen Abteilungsleiter und zwei Sachbearbeiter, die möglicherweise aus dem für den Emissionshandel zuständigen Referat stammen.

Ob sie in die eigene Tasche gewirtschaftet haben oder nur dem Unternehmen zu einer Geldspritze verhelfen wollten, ermittelt die Staatsanwaltschaft zurzeit. "Das Motiv ist uns noch unklar", sagte Lintz. Die Fahnder sind den Männern seit Jahresanfang auf der Spur. Im Januar kam es zu einer ersten Durchsuchung bei EnBW.

Bei der Razzia am Dienstag wurden auch die Privaträume der Beschuldigten durchsucht und Papiere sowie elektronische Daten sichergestellt. EnBW selbst wollte sich zu Details nicht äußern. Ein Sprecher betonte aber, das Unternehmen unterstütze die Behörden.

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