
Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) hat ein Steuerproblem. Am Dienstag durchsuchten Steuerfahnder die Zentrale des drittgrößten deutschen Energiekonzerns in Karlsruhe und beschlagnahmten Unterlagen. Die zuständige Staatsanwaltschaft Mannheim und der Konzern bestätigten dies gegenüber dem "Handelsblatt".
Der Verdacht: Drei Mitarbeiter einer Konzerntochter sollen über Jahre hinweg an einem kriminellen Umsatzsteuerkarussell mitgewirkt haben. Dieses soll auf Tricks beim Handel mit Emissionszertifikaten, die zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids berechtigen, beruht haben. Der Unternehmenstochter sollen dadurch 46 Millionen Euro an Steuern zu viel vom Finanzamt erstattet worden sein. "Die Mitarbeiter haben zumindest billigend in Kauf genommen, dass eingereichte Rechnungen nicht hätten geltend gemacht werden dürfen", sagte der Sprecher der Behörde, Peter Lintz.
Der EnBW-Fall ist verknüpft mit einem großen Betrugskomplex rund um den europaweiten Emissionshandel, der seit zwei Jahren die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt beschäftigt. Bereits im Dezember 2011 wurden in einem ersten Verfahren Haftstrafen verhängt. Damals wurde der Schaden in diesem Teilverfahren alleine mit 300 Millionen Euro beziffert. Es wird aber weiter ermittelt. Insgesamt soll es 150 Beschuldigte geben, und der Schaden soll mehr als 800 Millionen Euro betragen.
Bild: dpaWelche Versorger seit der Energiewende umdenken
Platz 10: Vattenfall
Die Studie der European School of Management (ESMT) analysiert, wie führende europäische Energiekonzerne mit den Herausforderungen der Energiewende umgehen. Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg setzt deutsche Unternehmen besonders unter Druck. Gleichwohl ist die gesamte Branche betroffen, denn - so das Ziel der EU - ganz Europa soll umsteigen auf eine nachhaltige, kohlendioxidarme Stromerzeugung. In der Studie wurden die Forschungsaktivitäten der Unternehmen, aber auch Produktivität und Nachhaltigkeit bewertet.
Auf Platz 10 im Innovationsindex schafft es der schwedische Konzern Vattenfall. Für Wachstum im Konzern soll zukünftig grüne Energie sorgen. Noch stützen sich die Aktivitäten in Deutschland aber stark auf den Braunkohletagebau. Das Bild zeigt einen Schaufelradbagger im südbrandenburgischen Welzow.
Bild: dpaPlatz 9: Eon
Nachdem sie jahrelang vernachlässigt wurden, rücken die Erneuerbaren Energien immer stärker in den Fokus der deutschen Stromriesen. Nicht der Großkraftwerksbau, sondern Windparks in Nord- und Ostsee oder Photovoltaik-Anlagen im Süden, Geothermie oder Biomasseanlagen gelten als die Geschäftsfelder der Zukunft. Alle 18 Monate, versprach Eon-Konzernchef Johannes Teyssen unlängst, werde das Unternehmen künftig einen neuen Windpark anfahren. Eine Summe von mindestens 7 Milliarden Euro wollen die Düsseldorfer in den kommenden sieben Jahren in Erneuerbare stecken.
Ein Projekt ist der Windpark Amrumbank West, wo in drei Jahren 80 Turbinen Windstrom für 300.000 Haushalte produzieren sollen. Im Innovationsindex landet Eon auf Platz neun.
Bild: dpaPlatz 8: Enel
Der italienische Energieriese Enel ist mit einem Umsatz von 72 Milliarden Euro der drittgrößte europäische Versorger hinter Eon und GDF Suez, aber noch vor Electricité de France. Vor vier Jahren gelang es Enel den damals größten spanischen Versorger Endesa zu übernehmen, obwohl sich auch Eon monatelang um diesen bemüht hatte. Seitdem hat Enel ein starkes Standbein in Spanien, ebenso in Südamerika. In der Studie schafft es Enel immerhin auf den achten Platz.

Platz 7: Statkraft
Der norwegische Konzern Statkraft ist der europaweit größte Erzeuger erneuerbarer Energien - und landet im Ranking auf Platz sieben. Der Konzern baut und betreibt Wasser-, Wind-, Gas- und Fernwärmekraftwerke und beschäftigt 3.300 Mitarbeiter in über 20 Ländern. Statkraft betreibt allein in Deutschland zehn Wasserkraftwerke. Das Bild zeigt die Alltwalis Windfarm in Wales.
Bild: apPlatz 6: Dong
Im Innovationsindex landet der dänische Energieversorger Dong auf Platz sechs. Das Unternehmen betreibt einige der größten Windparks in der Nordsee. Der auf dem Bild gezeigte Windpark - 30 Kilometer westlich von Jütland gelegen - besteht als 91 Windturbinen (Kapazität: 209 Megawatt). Auch vor der deutschen Küste ist Dong aktiv: Das Unternehmen plant für eine Investitionssumme von 1,25 Milliarden Euro den Bau eines Offshore-Windparks vor Borkum. Die Gesamtkapazität soll bei 320 Megawatt liegen; die Strommenge würde ab 2014 den Bedarf von etwa 330.000 Haushalten decken.
Bild: ReutersPlatz 5: EDP
Alle in der Studie untersuchten Energiekonzerne haben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren stark angehoben - insgesamt um mehr als 40 Prozent. Der portugiesische Stromerzeuger EDP ist in diesem Bereich besonders stark - und landet in der Rangliste der innovativsten europäischen Versorger auf Platz fünf. Doch nicht nur deshalb standen die Bieter Schlange, als der schuldengeplagte Staat seinen 21-Prozent-Anteil an EDP (Energias de Portugal) im November 2011 verkaufte. Mit dem Einstieg bei EDP ist auch der Vorstoß auf den brasilianischen Markt verbunden, wo der portugiesische Konzern stark vertreten ist. Am Ende erhielt der chinesische Investor „China Three Gorges Cooporation“ für 2,69 Milliarden Euro den Zuschlag. Eon ging leer aus.
Bild: dpaPlatz 4: GDF-Suez
Die Grande Nation setzt nur auf Atomkraft? Nein, nicht mehr. In Reihen der französischen Energie-Manager hat ein Umdenken eingesetzt, auch wenn der Vorstandschef von GDF-Suez, Gerard Mestrallet (Bild), den Jahresgewinn von 17 Milliarden Euro noch auf traditionellem Weg eingefahren hat. Derzeit nimmt Frankreichs erster Windpark auf See Gestalt an. GDF Suez bewirbt sich für den Standort vor dem bretonischen Ferienort Saint Brieuc, wo bis zu 500 Megawatt Energie erzeugt werden sollen.
Insgesamt sollen nach Angaben der Regierung durch das Zehn-Milliarden-Euro-Projekt vor der französischen Küste bis zu 600 Windräder entstehen, die bis 2015 zusammen drei Gigawatt Strom erzeugen sollen - etwa so viel wie drei Atomkraftwerke. Bis 2020 sind sogar 1200 Windräder mit einer Produktion von sechs Gigawatt geplant. GDF-Suez will kräftig mitmischen und kommt im Innovationsindex auf Platz vier.
Bild: ReutersPlatz 3: Iberdrola
Iberdrola-Chef Ignacio Sanchez Galan (Bild) hat lachen: Sein Unternehmen Iberdrola, der sechstgrößte Versorger in Europa mit Sitz in Bilbao, ist bei erneuerbaren Energien gut im Geschäft und landet deshalb im Innovationsindex auf Platz drei. Im vergangenen Jahr allerdings platzte ein geplanter Zusammenschluss von Iberdrola mit RWE.
Bild: dpaPlatz 2: EDF
Mit EDF (Électricité de France) landet ein weiteres französisches Unternehmen in der Studie auf Platz zwei. Der Stromkonzern betreibt mehrere Dutzend Atomkraftwerke (im Bild: AKW Cattenom) und hat zuletzt seine Beteiligung am italienischen Energieversorger Edison auf 80,7 Prozent aufgestockt.
Bild: dpaPlatz 1: RWE
Der innovativste Energiekonzern Europas ist laut Studie RWE. Seit der Atomwende Mitte 2011 hat sich der Konzern neu orientiert, wenngleich die Stromerzeugung noch immer zum größten Teil auf Kohle basiert. Bis 2015 will RWE eine Summe von fünf Milliarden Euro in den Bereich erneuerbare Energien investieren, vor allem in Windparks auf hoher See. Der Bestand soll sich von rund 2500 auf 4500 Megawatt erhöhen. Konventionelle Kraftwerksprojekte werden in den nächsten Jahren noch zu Ende gebracht. Neue stehen nicht an. Dann werden noch mehr Gelder für die grünen Energien frei.
Welche Versorger seit der Energiewende umdenken
Platz 10: Vattenfall
Die Studie der European School of Management (ESMT) analysiert, wie führende europäische Energiekonzerne mit den Herausforderungen der Energiewende umgehen. Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg setzt deutsche Unternehmen besonders unter Druck. Gleichwohl ist die gesamte Branche betroffen, denn - so das Ziel der EU - ganz Europa soll umsteigen auf eine nachhaltige, kohlendioxidarme Stromerzeugung. In der Studie wurden die Forschungsaktivitäten der Unternehmen, aber auch Produktivität und Nachhaltigkeit bewertet.
Auf Platz 10 im Innovationsindex schafft es der schwedische Konzern Vattenfall. Für Wachstum im Konzern soll zukünftig grüne Energie sorgen. Noch stützen sich die Aktivitäten in Deutschland aber stark auf den Braunkohletagebau. Das Bild zeigt einen Schaufelradbagger im südbrandenburgischen Welzow.
Das betrügerische System funktioniert etwa wie folgt: Die Beschuldigten kaufen über Strohmänner und Scheinfirmen Verschmutzungszertifikate im Ausland ein. Da es sich um Geschäfte über die EU-Grenze hinweg handelt, wird keine Umsatzsteuer fällig, und die Preise sind entsprechend niedrig. Im Inland werden die Zertifikate an mindestens eine weitere Firma weitergereicht, die dort fällige Umsatzsteuer wird auf den Preis aufgeschlagen.
In der Verkaufskette landet das Zertifikat am Ende bei einem eingeweihten Erwerber, der sich die vermeintlich bezahlte Vorsteuer vom Finanzamt erstatten lässt. Wenn das Finanzamt später aber von den vorgelagerten Scheinfirmen die Steuer eintreiben will, sind diese wieder vom Markt verschwunden. Bei den jetzt ins Visier genommenen EnBW-Mitarbeitern handelt es sich um einen Abteilungsleiter und zwei Sachbearbeiter, die möglicherweise aus dem für den Emissionshandel zuständigen Referat stammen.
Ob sie in die eigene Tasche gewirtschaftet haben oder nur dem Unternehmen zu einer Geldspritze verhelfen wollten, ermittelt die Staatsanwaltschaft zurzeit. "Das Motiv ist uns noch unklar", sagte Lintz. Die Fahnder sind den Männern seit Jahresanfang auf der Spur. Im Januar kam es zu einer ersten Durchsuchung bei EnBW.
Bei der Razzia am Dienstag wurden auch die Privaträume der Beschuldigten durchsucht und Papiere sowie elektronische Daten sichergestellt. EnBW selbst wollte sich zu Details nicht äußern. Ein Sprecher betonte aber, das Unternehmen unterstütze die Behörden.
























