Monitoring der WiWo: Wie die Energiewende noch gelingen kann

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Monitoring der WiWo: Wie die Energiewende noch gelingen kann

Das neue Monitoring der WirtschaftsWoche mit der Unternehmensberatung A.T. Kearney zeigt: Die Aussichten, dass der Umstieg von der Atomkraft auf Ökostrom klappt, haben sich eingetrübt. Wie das Jahrhundertprojekt noch gelingen kann.

Wasserspiele und Sonnenterrassen vor der Konzernzentrale künden von unbeschwerter Perspektive für das Unternehmen. Doch die futuristische Bürowelt der „EnBW-City“ in Stuttgart-Möhringen ist ein Relikt der Vergangenheit. Deutschlands drittgrößter Versorger, die Energie Baden-Württemberg (EnBW), hat das imposante Areal 2011 errichtet, vor der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima.

Mit dem Innenleben des Konzerns, der zu jeweils 46 Prozent dem Land Baden-Württemberg und oberschwäbischen Kommunen gehört, hat der äußerliche Prunk so gar nichts mehr gemein. EnBW befindet sich in einer desaströsen Lage. Von den 1000 Windrädern, die der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann in einer Legislaturperiode im Ländle bauen will, hat EnBW gerade 15 fertig. Langwierige Genehmigungen und Probleme beim Leitungsbau bremsen die Pläne des neuen EnBW-Chefs Frank Mastiaux.

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Vorigen Montag, bei der Präsentation seiner eigenen Energiewende-Strategie, verströmte der ehemalige Manager des Düsseldorfer Energieriesen E.On fast schon Verzweiflung. „Bitte bleiben Sie bei mir“, rief Mastiaux in den Raum, in dem sonst sein Aufsichtsrat tagt. „Ich werde Ihnen gleich die Antwort auf alle Kernfragen geben.“ Es folgten markige Worte, zum Beispiel dass „EnBW sich im Maschinenraum der Energiewende“ befinde. Konkrete Lösungen, wie er den Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung von derzeit 44 Prozent auf null im Jahr 2022 bringen und dies finanzieren wolle, blieb Mastiaux schuldig.

Energiewende Die grünsten Bundesländer

Ein exklusives Ranking der WirtschaftsWoche zeigt, welche Bundesländer bei der Energiewende am weitesten sind und wo die Schwächen der Verlierer liegen.

Aussschnitt einer begrünten Deutschlandkarte

Die Düsternis bei EnBW passt zum Energiewende-Monitoring, das die WirtschaftsWoche zusammen mit der Unternehmensberatung A.T. Kearney nun zum zweiten Mal vorlegt. Danach haben sich die Aussichten des Gelingens in den vergangenen zwölf Monaten eingetrübt:

  • Die Versorgungssicherheit ist im zweiten Jahr der Energiewende weiter gesunken. Die Zahl der Netzausfälle ist zwar weiterhin gering, steigt aber tendenziell seit 2009. Es kommt weiterhin zu Verzögerungen beim Netzausbau. Die Gefahr von Engpässen im Stromnetz, vor allem in den Wintermonaten, besteht fort.
  • Die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Wende ist zwar hoch, aber grundsätzlich seit 2010 rückläufig. Der Kostenanstieg bei den Strompreisen für Haushaltskunden wirkt sich negativ auf die Zustimmung aus.
  • Beim Ziel der bezahlbaren und wirtschaftlichen Energieversorgung haben sich Verschiebungen ergeben. Während der Strompreis für Haushalte stieg, ging er für Industriekunden leicht zurück. Die Ökostromumlage indes raste Anfang 2013 um knapp 50 Prozent in die Höhe. Auch im kommenden Jahr ist mit höheren Strompreisen zu rechnen.
  • Auch von einer umweltfreundlichen Energieversorgung ist Deutschland weit entfernt. Für den Rund-um-die-Uhr-Strom, die sogenannte Grundlast, ersetzen fossile Kraftwerke die abgeschalteten Atommeiler. Selbst schmutzige Altanlagen auf Ölbasis gingen wieder ans Netz. Da die Preise für CO2-Zertifikate auch wegen des rasanten Zubaus Erneuerbarer verfallen sind, rechnet sich das auch. Statt zu sinken, nahm der Primärenergieverbrauch an Kohle, Öl und Gas 2012 zu.

Chronik der Energiewende

  • 11. März 2011 Fukushima

    Der von einem Erdbeben ausgelöste Tsunami überschwemmt und zerstört in Fukushima-Daini 250 Kilometer nordöstlich von Tokio Teile des Kernkraftwerks.

  • 15. März 2011 Atommoratorium

    Die Bundesregierung ordnet an, sieben ältere Kernkraftwerke sofort vom Netz zu nehmen, die übrigen zehn Reaktoren kommen auf den Prüfstand.

  • 30. Mai 2011 Ausstiegsbeschluss

    Union und FDP einigen sich auf einen kompletten Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022, die sieben älteren Meiler müssen endgültig stillgelegt werden.

  • 6. Juni 2011 Energiewende

    Das Kabinett segnet das Atom- und Energiepaket ab und präsentiert die energie- und klimapolitischen Ziele bis 2050.

  • 9. November 2012 EU protestiert

    Die EU-Kommission reklamiert für sich Kompetenzen bei der Energiewende. Der Strommarkt müsse europäischer werden.

  • 12. Juni 2013 Kanzlerin greift ein

    Angela Merkel fordert eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG): „Wenn die EEG-Umlage so weiter steigt, dann haben wir mit der Energiewende ein Problem.“

Vor diesem Hintergrund schlagen die A.T.-Kearney-Experten Alarm. Sie fordern beispielsweise, die Windkraft auf dem Meer langsamer auszubauen, weil diese – bei hohen Risiken – ein wesentlicher Kostentreiber der Energiewende sei. Ebenso sollten die erneuerbaren Energien so schnell wie möglich dem Prinzip von Angebot und Nachfrage unterworfen werden. „Die Erneuerbaren müssen im Wesentlichen Preis- und Mengenrisiken übernehmen“, sagt Kurt Oswald, Partner bei A.T. Kearney in Wien. Am Bestandsschutz für existierende Ökostromanlagen und deren Förderung dürfe dagegen nicht gerüttelt werden. Andernfalls würden „gewünschte Investitionen, die auf staatlichen Förderungen basieren, stark zurückgehen“. Ohne weitere staatliche Eingriffe wird nach Meinung des A.T.-Kearney-Beraters die Energiewende kaum gelingen. So plädiert Oswald für eine CO2-Steuer, damit ältere durch effizientere fossile Kraftwerke ersetzt werden.

In 13 Wochen sind Bundestagswahlen. Der Energiepreisanstieg ist für die Bürger das wichtigste Thema, ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach. Die WirtschaftsWoche listet im Folgenden auf, wie das verkorkste Jahrhundertprojekt vielleicht doch noch gelingen kann.

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