Nach den Insolvenzfällen: Lichtblick für die kriselnde Solarindustrie

Nach den Insolvenzfällen: Lichtblick für die kriselnde Solarindustrie

von Mario Brück und Rebecca Eisert

Ein Jahr nach der spektakulären Pleite von Solon sind viele Insolvenzfälle der Solarbranche abgearbeitet. Welche Unternehmen überlebt haben und wie ihre neuen Strategien aussehen.

Eine totale Sonnenfinsternis ist ein seltenes und darum spektakuläres Schauspiel, in Deutschland ist es erst im September 2081 wieder so weit. Dann ist über dem Gebiet des Bodensees zu bewundern, wie der Schatten des Mondes kurz die Erde verdunkelt.

Die Sonnenfinsternis in der deutschen Solarbranche ist dagegen zum Dauerphänomen geworden, das von Blaubeuren bis Brilon, von Griesheim bis Gelsenkirchen zu sehen ist.

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Vor ziemlich genau einem Jahr, Mitte Dezember 2011, riss es den Berliner Solarmodulhersteller Solon als erstes prominentes Opfer in die Pleite. Danach krachten fast im Zwei-Wochen-Takt solide Mittelständler ebenso wie einstige Börsenüberflieger in sich zusammen: SolarMillenium, Scheuten, Q-Cells, Solarwatt, Sovello, Solarhybrid, Centrotherm, Soltecture oder Inventux. Einige ringen noch ums Überleben, verhandeln mit Gläubigern, suchen Investoren und feilen an Sanierungsplänen. Andere sind abgewickelt, von ausländischen Wettbewerbern geschluckt oder – auch das gibt es – vollständig saniert aus der Insolvenz entlassen.

Inventux/Berlin

„Hier wird Zukunft produziert“ lautet der Slogan des Clean Tech Business Park an der Wolfener Straße, einem Prestigeprojekt der Bezirksverwaltung Marzahn-Hellersdorf im Osten Berlins. Rund um den Solarmodulbauer Inventux wollten die Lokalpolitiker Unternehmen der erneuerbaren Energien ansiedeln und Jobs in einer Zukunftsbranche schaffen – auch für die Menschen, die nebenan in den Plattenbauten entlang der S-Bahn-Linie 7 leben. Doch die Zukunft muss noch warten, im Mai musste Inventux Insolvenzantrag stellen.

Verkaufspreise für kristalline Module chinesischer Hersteller (zum Vergrößern bitte anklicken).

Verkaufspreise für kristalline Module chinesischer Hersteller (zum Vergrößern bitte anklicken).

Kurz bevor die Agentur für Arbeit die Zahlung des Insolvenzgeldes an die Mitarbeiter einstellte, zog der Insolvenzverwalter Anfang August noch eine Investorengruppe aus dem Hut: zwei Unternehmen aus Chile und Argentinien, die schon Handelspartner von Inventux waren, öffentlich aber nicht genannt werden wollen.

Es handele sich dabei um energieintensive Betriebe aus der südamerikanischen Kupfer- und Goldminenindustrie, die für den Eigenverbrauch auch auf Fotovoltaik setzen, verrät Christian Plesser, einer der Inventux-Geschäftsführer, immerhin. Wegen der starken Sonneneinstrahlung in ihren Ländern seien beide besonders an den Dünnschichtmodulen interessiert, die die Berliner herstellen. Sie sind preiswerter als kristalline Module, der Leistungsverlust bei heißen Temperaturen gilt als gering.

Plesser ist einer von vier ehemaligen Schüco-Managern, die 2007 Inventux gründeten und ein Jahr später mit der Fertigung begannen. 2010, in den Spitzenzeiten der jungen Firmenhistorie, löteten, klebten und schraubten rund 300 Mitarbeiter Module mit einer Leistung von 100 Megawatt zusammen und erlösten damit mehr als 60 Millionen Euro. „Den Absatz konnten wir auch im Jahr darauf noch annähernd halten, nicht aber den Umsatz“, sagt Plesser. „Gegen den Preisverfall war kein Kraut gewachsen.“ Nur noch rund 100 Mitarbeiter fuhren die deutlich geschrumpfte Produktion der neuen Inventux im Oktober wieder hoch. Das dreiköpfige Management um Plesser hält zwölf Prozent der Anteile.

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