Naturschutzkonferenz: Banker für Bio und Diverses

Naturschutzkonferenz: Banker für Bio und Diverses

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Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf der UN-Konferenz zu globalem Naturschutz in Bonn

Flora und Fauna sind wertvoll, sicher - aber wieviel genau ist die Natur der Menschheit wert? Diese Frage will der indische Ökonom Pavan Sukhdev beantworten, auf der UN-Naturschutzkonferenz gab er erste Ergebnisse seiner Studie bekannt. Noch ist der Bericht aber mehr Botschaft als Berechnung.

Ozeanblau ist der Umschlag des Berichts, den die Initiatoren stolz in die Kamera halten. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) grinst fröhlich in die Menge - es hat also geklappt, der von ihm in Auftrag gegebene Stern-Report für Naturschutz ist fertig. Naja, nicht ganz, Gleichungen und Ergebnis fehlen noch. Das Ganze ist mehr Botschaft als Berechnung. Aber darauf kommt es jetzt nicht an, der Zwischenbericht macht schliesslich auch was her. 

Neben Gabriel sitzt Stavros Dimas, EU-Kommissar für Umweltpolitik, sowie Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms. Alle drei hauptberuflichen Umweltschützer scheinen sehr froh, dass mit diesem freundlichen Banker ein kühler Kopf aus der Londoner City sich ihrer Sache angenommen hat. Schließlich ist Sukhdev Investment Banker bei der Deutschen Bank, sprich die fleischgewordene Finanzkompetenz. 

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Seine Expertise ist sichtbar: Auf 60 Seiten voll bunter Karten und Kästen ergießt sich elegant ein Zahlenmeer über "Die Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität". Die zentrale Botschaft: Die weltweite Naturzerstörung kostet die Menschheit Unsummen, die aber in keiner Preiskalkulation auftauchen. Wie hoch die Rechnung genau wird und wer sie zahlen muss, soll Sukhdev bis zur nächsten Konferenz in Japan 2010 ausrechnen.

Bisher beschränkt sich der Bericht auf Beispiele - und zwar solche, die äußerst dramatisch sind. Nach ersten Schätzungen liegt etwa der Wert aller weltweiten Naturschutzgebiete auf dem Festland bei rund fünf Billionen Dollar - also rund drei Billionen Euro - jährlich. Allein die Kosten des Waldverlusts machen sechs Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts aus - und das wären immerhin zwei Billionen Euro. 

Für Gabriel sind diese Zahlen ausgesprochen wichtig. Denn sein Super-Banker liefert nicht nur für den Naturschutz Argumente. So erhofft sich der Umweltminister künftig beim Hüter der Haushaltskasse Peer Steinbrück bessere Karten: "Wenn man weiß, wie groß der Verlust ist, dann ist es auch einfacher, über finanzielle Instrumente zu beraten". Sein Ziel: Der Schutz der Natur soll mindestens ebenso viel bringen wie ihre Zerstörung. 

Gibt es also demnächst nicht nur Emissionshandel sondern auch Zertifikate für den Artenschutz? Heißt es dann: Anbau von Obst und Getreide in Europa gegen Aufforstung im Regenwald? Industriegebiete gegen den Schutz von Steppen und Sawannen? Medikamenten im Tausch gegen genetische Ressourcen? Vermutlich wird der ökonomische Wert der Natur ihren Nutzern schneller klar, als er sich von einem Investment Banker berechnen lässt.

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