Naturstrom-Chef Hummel: Stromkunden stimmen mit den Füßen ab

Naturstrom-Chef Hummel: Stromkunden stimmen mit den Füßen ab

Der Chef des Ökostromanbieters Naturstrom über Strompreise und einen wundersamen Zulauf an Kunden.

WirtschaftsWoche: Die Strompreise steigen im nächsten Jahr um bis zu zehn Prozent – auch wegen der höheren Subventionen für Solarstrom. Haben Sie als Ökostromanbieter da kein schlechtes Gewissen?

Hummel: Überhaupt nicht. Keiner muss sich die Preiserhöhung gefallen lassen. Jeder kann in fünf Minuten zu einem preiswerteren Anbieter wechseln, ohne Risiko.

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Was gerne übersehen wird, ist, dass die Strompreise schon seit zehn Jahren steigen, im Schnitt um ein Cent pro Kilowattstunde pro Jahr. Von den zehn Cent – das belegen Studien – gehen lediglich 1,8 Cent auf das Konto der erneuerbaren Energien.

Aber Sie wollen ja kaum bestreiten, dass sich die Abgabe für Ökostrom nahezu verdoppeln wird, die alle Stromkunden über ihre Rechnung bezahlen müssen.

Hummel: Keiner bestreitet, dass die Energiewende Milliarden kostet. Aber die Alternative ist nicht billiger. Wir können ja nicht alles lassen, wie es ist. Die meisten Kohlemeiler müssten in den nächsten Jahren ausgetauscht werden. Und die neuen Kraftwerke sind dann wesentlich teurer als ihre abgeschriebenen Vorgänger. Die Kosten lägen eher bei neun Cent pro Kilowattstunde – mehr als bei Windenergie. Auch darf man die Einsparpotenziale nicht übersehen. Durch erneuerbare Energien sind wir weniger abhängig von Energie- und Rohstoffimporten.

Ganz so unabhängig macht uns Ökostrom nicht. In Deutschland verkaufter Ökostrom stammt meist aus österreichischen oder skandinavischen Wasserkraftwerken.

Hummel: Letzteres stimmt leider. Die Strommengen, für die die Erzeuger Zuschüsse nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten, können nicht als Ökostrom gehandelt werden. So soll eine Doppelvermarktung vermieden werden.

Wenn deutscher Ökostrom nicht als solcher verkauft werden darf und die grünen Energieanbieter Wasserstrom importieren – müssen die Wasserstrom-Länder dann Atomstrom aus Tschechien kaufen, falls bei ihnen die Energie knapp wird? 

Hummel: Das kann passieren. Was in einem Land verkauft wird, muss an anderer Stelle wieder eingekauft werden. Und da müssen wir gegensteuern. Wir investieren daher in den Neubau von Erzeugungsanlagen in Deutschland. Denn je mehr Ökostrom hier produziert wird, desto mehr konventionelle Kraftwerke werden überflüssig. Außerdem schließen wir seit Jahren direkt Verträge mit Windanlagen- und Wasserkraftwerksbetreibern. Die verkaufen den Strom dann an uns und bekommen keine EEG-Subventionen.

Die Laufzeiten der Atomkraftwerke wurden gerade verlängert. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus? 

Hummel: Die Zahl der Neukunden pro Woche hat sich auf 1000 verdoppelt. Es ist eine Abstimmung mit den Füßen.

Die Preise steigen wegen des Ökostroms, und die Leute wechseln zu Ökostromanbietern. Um wie viel erhöhen Sie? 

Hummel: Zunächst gar nicht.

Weil Sie ohnehin schon teuer sind? 

Hummel: In der Regel sind wir billiger als die Stadtwerke. Das gilt auch für andere Öko-Stromer. Weil die meisten Ökostromanbieter weniger Mitarbeiter beschäftigen und keine großen Firmenzentralen unterhalten. Zudem müssen viele Stadtwerke hohe Gewinne erwirtschaften, weil die Kommunen damit leere Kassen füllen wollen. Große Konzerne wiederum müssen ihren Aktionären mitunter 20 Prozent Umsatzrendite abliefern.

Wie viel bringen Sie nach Hause? 

Hummel: Uns reichen drei bis vier Prozent. Zurzeit zählt vor allem Wachstum. Wir haben unsere Kundenzahl im vierten Jahr in Folge verdoppelt, auf nahezu 100 000. Damit wachsen wir schneller als alle anderen großen Ökostromanbieter. 2011 wollen wir unsere Kundenzahl mindestens um weitere 50 Prozent steigern.

Sie sind also heimlicher Profiteur der Laufzeitverlängerung.

Hummel: Theoretisch könnten wir uns darüber freuen. Doch das tun wir nicht. Wir sind überzeugt, dass Deutschland die Energiewende braucht. Und die wird durch die Entscheidung blockiert.

Warum? Erneuerbare Energien müssen bevorzugt ins Netz eingespeist werden.

Hummel: Das stimmt. Allerdings gibt es schon heute zu bestimmten Zeiten, etwa wenn es nachts an der Küste stürmt, zu viel Strom im Netz. Diese fluktuierenden Strommengen werden noch zunehmen, weil ständig neue Windräder und Solaranlagen ans Netz gehen. Laufen nun die Atomkraftwerke länger, haben wir künftig ständig kurzzeitige Überangebote. Die Folge ist, dass dann etwa Windräder immer öfter abgeschaltet werden.

Wie managen Sie die Schwankungen im Stromnetz? 

Hummel: Man kann die erwartete Windstrommenge schon 24 Stunden vorher recht genau vorhersagen. Gibt es mal eine Flaute, kaufen wir etwas mehr Wasserkraft hinzu.

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