Neue Vorschriften: Kaminkehrer als Klimakontrolleur

Neue Vorschriften: Kaminkehrer als Klimakontrolleur

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Künftig sollen die 20.000 Schlotfeger im Land auch als Klimaschutzkontrolleure ausrücken

Das heute schon recht komplexe Berufsbild als rußverschmierter Saubermann und Glücksbringer erhält eine neue Facette: Künftig sollen die 20.000 Schlotfeger im Land auch als Klimaschutzkontrolleure ausrücken. Erstmals will der Staat nicht nur neue, strengere Vorschriften für die Dämmung von Häusern machen, sondern die Umsetzung auch überwachen.

Denn zentraler Teil des zweiten Klimapakets, das das Bundeskabinett am Mittwoch beschloss, ist die neue Energieeinsparverordnung. Von 2009 an sollen Bürger, die ein neues Haus bauen oder ihr bestehendes sanieren, um 30 Prozent strengere Energiestandards einhalten als heute. Dies soll dazu beitragen, dass die Deutschen nicht mehr sinnlos ihre Vorgärten heizen, wie Umweltminister Sigmar Gabriel gerne sagt. Und das wiederum hilft aus seiner Sicht nicht nur dem Klima, sondern auch dem Geldbeutel der Bewohner. Ein „Geldsparprogramm“ nennt er die neuen Klimaauflagen.

Trotz der schönen Theorie allerdings kommt das Energiesparen in Häusern nur im Schneckentempo voran. Häufig wird eben doch nur die Fassade gepinselt, statt die teuren Dämmplatten aufzunageln. Vollzugsdefizit, heißt es in Regierungskreisen. „Wir verschärfen nicht nur die Energieeinsparverordnung, sondern wir statten sie auch erstmals mit Zähnen aus.“ Die Zähne, das sind die Schornsteinfeger, die ohnehin schon Abgaswerte prüfen. Nun sollen sie nach einer Sanierung auch einen geschärften Blick darauf werfen, ob die Vorschriften eingehalten wurden. Notfalls können sie die Bauaufsicht alarmieren. Den Verantwortlichen von Mietshäusern droht bis zu 50.000 Euro Geldbuße, wenn sie die Vorschriften ignorieren.

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Auch über Änderungen bei der Heizkosten-Abrechnung will die Regierung Anreize fürs Energiesparen setzen. So soll die Grundpauschale nur noch 30 Prozent ausmachen und 70 Prozent nach dem tatsächlichen Verbrauch an Heizwärme verrechnet werden. Bisher ist das Verhältnis 50 zu 50. Damit soll es sich mehr lohnen, den Heizkörper nicht bis zum Anschlag aufzudrehen. Den wagehalsigen Plan, Mietern ein Kürzungsrecht zu gewähren, falls der Vermieter die Sanierungsstandards nicht einhält, hat die Regierung aber ebenso verschoben wie den Förderplan fürs „Energiecontracting“. In beiden Fällen geht es um die knifflige Frage, wie sich Lasten und Nutzen zwischen Mieter und Vermieter aufteilen. Bislang muss der Vermieter investieren, damit der Mieter beim Heizen spart - keine sehr attraktive Variante für Hausbesitzer, wie Gabriel erkannt hat. Künftig müssten beide Seiten etwas von einer Investition haben.

Allerdings stellt sich sein Kabinettskollege Michael Glos quer, der zu viel Zwang und Gängelei beim Klimaschutz wittert. Insgesamt will die Regierung bis 2020 bundesweit 48 Millionen Tonnen CO2 beim Heizen und der Warmwasserbereitung einsparen. Dafür hofft sie auf Investitionen von 150 Milliarden Euro für die energetische Sanierung von Häusern. Für das gesamte Klimapaket sollen die Bürger in den nächsten 12 Jahren 313 Milliarden Euro ausgeben. Lohnen soll es sich dennoch. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat ausgerechnet, dass bis zu acht Euro Klimaschutzkosten pro Monat auf die Bürger zukommen, sie aber langfristig zwölf Euro pro Monat sparen können. 

Dazu soll auch eine kleine Revolution in deutschen Kellern beitragen, die die Regierung im Sinn hat. Die aus ihrer Sicht steinzeitlichen Stromzähler, die dort heute stumpfsinnig vor sich hintackern, sollen durch hochmoderne Anlagen ersetzt werden, die auch aus der Ferne abgelesen werden können. Sie sollen Stromkunden jederzeit Einblick geben, wie viel sie verbrauchen. Insgesamt soll die neue Zählertechnik aber vor allem den Verbrauch drücken - bis zu 6,5 Prozent Strom oder 3,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid könnten gespart werden, glaubt die Regierung.

Für einen Drei-Personen-Haushalt sollen gut 40 Euro im Jahr dabei herausspringen, womit sich ein rund 150 Euro teurer Zähler in vier Jahren abbezahlt hätte. Allerdings wird der Einbau solcher High-Tech-Zähler keine Pflicht - auch hier hat sich Glos quergestellt. Die Versorger werden nur zu dem Hinweis verdonnert, dass es solche modernen Geräte gibt. Nun haben einige Experten Zweifel, ob damit die Keller-Revolution besonders schnell voranschreiten wird.

Kleine Revolution in deutschen Kellern

Indirekt auf die Verbraucher durchschlagen werden die anderen beiden Teile des neuen Klimapakets: die Erhöhung der Lkw-Maut und der Ausbau des Stromnetzes, das nun zum Teil unterirdisch laufen soll. Damit schwindet der Widerstand gegen Stromleitungen, doch wächst der Preis. Glos ist allerdings sicher, dass Stromkunden nicht mehr als 80 Cent pro Kopf und Jahr zusätzlich bezahlen müssen. Die Lkw-Maut wird nun daran bemessen, ob ein Lastwagen viel oder wenig Klimagase ausstößt. In jedem Fall wird sie teurer.

Der Durchschnittswert der Abgabe steigt von 13,5 auf 16,2 Cent je Kilometer. Auch die Politik erwartet, dass die Spediteure Kosten für die höhere Maut und die höheren Spritpreise an jene weitergeben, für die sie Joghurt, Frischfleisch oder Autoteile durchs Land kutschieren. Am Ende dürften auch diese Kosten im Laden auf dem Kassenzettel stehen.

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