Neuer Aufsichtsratschef: RWE macht sich für Brandt stark

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Neuer Aufsichtsratschef: RWE macht sich für Brandt stark

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RWE steckt in der schwersten Krise der 117-jährigen Unternehmensgeschichte.

Die Chancen von Werner Brandt auf den Vorsitz im RWE-Aufsichtsrat sind gestiegen: Das Gremium nannte den Ex-SAP-Finanzvorstand einen "geeigneten Kandidaten" – und kritisierte die Personalspekulation als schädlich.

Im Machtkampf um den Chefposten des Aufsichtsrats beim kriselnden Energiekonzern RWE sind die Chancen des früheren SAP-Managers Werner Brandt gestiegen. Der Aufsichtsrat bezeichnete den 61-Jährigen am Freitag als geeigneten Kandidaten für die Nachfolge von Manfred Schneider. Zugleich missbilligte das Gremium einstimmig Medienberichte, in denen über Aufsichtsrat- und Vorstandsposten spekuliert worden sei. Neben Brandt wird auch der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller als Chefkontrolleur von RWE gehandelt.

Der Konzern steckt in einer der größten Krisen seiner 117-jährigen Unternehmensgeschichte. Dadurch steht auch Vorstandschef Peter Terium gehörig unter Druck.

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RWE-Zentrale Quelle: dpa

Brandt stehe für Kontinuität und sei ein sehr geeigneter Kandidat, hieß es in der Mitteilung von RWE. Der in Herne geborene Manager war von 2001 bis 2014 Finanzvorstand von SAP und ist heute Unternehmensberater. Brandt sei ein typischer Finanzexperte, sagen Weggefährten. Er befasse sich sehr detailliert mit der Geschäftsentwicklung und durchleuchte Informationen genau. Zugleich habe er sich bei der SAP stets diskret im Hintergrund der Vorstandschefs gehalten. "Er ist nicht der Mensch für Visionen und große Strategien", sagte ein Insider. Mit ihm als Finanzchef hat SAP mehrere Milliardenübernahmen gestemmt, ohne dass die Finanzlage des Konzerns ins Wanken geriet. Er habe sich aber nie auf Seilschaften eingelassen. "Brandt lässt sich nicht instrumentalisieren", sagte der Insider weiter.

Müller würde nun wohl Kampfkandidatur drohen

Ex-Bundeswirtschaftsminister Müller könnte immer noch ins Rennen einsteigen, müsste sich nun aber womöglich einer Kampfkandidatur stellen. Der Nominierungsausschuss könnte ihn im Dezember für die Wahl durch die Hauptversammlung benennen.
Für den Chef der RAG-Stiftung machen sich Insidern zufolge Vertreter von Kommunen und Gewerkschaften stark – falls Brandt nicht zum Zuge kommen sollte. Mit Müller träfen sie allerdings auf Widerstand bei dem noch amtierenden Aufsichtsratschef Schneider, hatten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtagentur Reuters gesagt. Müller ist in der Politik gut verdrahtet. Die Politik hat unter anderem wegen des Atomausstiegs großen Einfluss auf RWE.

Deutschlands Energieriesen im Vergleich

  • Eon

    Mit über 122 Milliarden Euro Umsatz und weltweiten Kapazitäten zur Stromerzeugung von 61 Gigawatt im Jahr 2013 ist Eon Deutschlands größter Energiekonzern. Doch den Düsseldorfern machen die Folgen der Energiewende zu schaffen. Das klassische Stromgeschäft wirft wegen des wachsenden Anteils von Sonnen- und Windenergie immer weniger Geld ab. Zudem häufte Eon durch seine Expansion einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro an. Ende 2013 hatte der Konzern 62.200 Mitarbeiter.

  • RWE

    Die Gewinne des zweitgrößten deutschen Versorgers sind wegen des niedrigen Börsenstrompreises 2014 rapide geschrumpft. Das betriebliche Ergebnis sank auf 4 Milliarden Euro und lag 25 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Außenumsatz des Konzerns ging von 52,4 auf 48,5 Milliarden Euro zurück. Die Nettoverschuldung von RWE bewegte sich 2014 mit 31 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Ende 2014 beschäftigten die Essener weltweit knapp 59.800 Mitarbeiter.

  • EnBW

    Die Nummer drei der Branche will zum Treiber der Energiewende werden. Ende 2013 erzeugte EnBW knapp 20 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Bis 2020 soll der Anteil 40 Prozent betragen. Die Karlsruher haben rund 20.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro. Unrentable Kraftwerke und niedrige Strompreise sorgten unter dem Strich in den ersten neun Monaten 2014 für ein Minus von über 770 Millionen Euro.

  • Vattenfall

    Fallende Preise machten dem schwedischen Konzern 2014 zu schaffen. Der Umsatz sank auf 166 Milliarden Kronen (18 Milliarden Euro). Auch das bereinigte Betriebsergebnis von 2,6 Milliarden Euro fiel geringer aus - teils wegen Rücklagen für den deutschen Atomausstieg. 2015 will das Staatsunternehmen aus Stockholm mit 30.200 Mitarbeitern einen strikten Sparkurs fahren. In Deutschland erwägt Vattenfall einen Verkauf seiner Braunkohle-Sparte in Brandenburg und Sachsen.

Mehrere Aufsichtsratsposten werden demnächst frei. Neben dem 76-jährigen Schneider scheiden Daimler-Chef Dieter Zetsche und der frühere ThyssenKrupp-Boss Ekkehard Schulz aus. Brandt gehört dem Kontrollgremium bereits seit 2013 an.
Der jetzige Aufsichtsratschef Schneider tritt im Frühjahr ab. Seinen Nachfolger wählt der Aufsichtsrat aus den eigenen Reihen im Anschluss an die Hauptversammlung 2016.

Insidern zufolge hat sich auch Aufsichtsratschef Schneider für Brandt stark gemacht. Schneider hatte auch im Frühjahr eine vorzeitige Vertragsverlängerung von RWE-Chef Terium bis 2021 in die Wege geleitet. Der Niederländer führt den Konzern seit Mitte 2012.

Eines der Projekte von Terium: Er wollte RWE eine milliardenschwere Kapitalspritze eines arabischen Investors besorgen. Im Frühjahr wurden die Verhandlungen mit einem nicht näher genannten Investor aus den reichen Golfstaaten bestätigt. Wie die WirtschaftsWoche aus RWE-Kreisen erfuhr, handelt es sich dabei um Aabar Investment aus Abu Dhabi. Verhandelt wird allerdings nicht mehr über eine Kapitalbeteiligung, sondern über andere Wege der Zusammenarbeit: etwa über eine längerfristige Partnerschaft in einem Joint Venture.

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