Niedriger Ölpreis: Neue Übernahmewelle bei Energieunternehmen

Niedriger Ölpreis: Neue Übernahmewelle bei Energieunternehmen

von Angela Hennersdorf

Der niedrige Ölpreis zwingt Öl- und Gasunternehmen, sich neu zu sortieren. Stellenstreichungen und weniger Bohrlöcher reichen nicht, um den Preisverfall zu kompensieren. Die Energieexperten von AT Kearney erwarten eine neue Übernahmewelle in der Öl- und Gasbranche.

Es geht noch weiter nach unten mit dem Öl-Preis. Die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) fördert trotz eines Überangebotes auf dem Welt-Ölmarkt munter weiter. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet derzeit nur noch knapp 49 Dollar. Der Preis für das Fass der US-Sorte WTI fiel auf rund 45 Dollar. Seit dem vergangenen Sommer sind die Ölpreise auf dem Weltmarkt um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Für Verbraucher ist das gut: Benzin kostet so wenig wie schon lange nicht mehr. Auch energieintensive Unternehmen, etwa Chemiekonzerne, freuen sich über sinkende Energiepreise.

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In der Öl- und Gasbranche dagegen rappelt es gehörig. Siemens-Chef Joe Kaeser musste sich auf der Hauptversammlung Anfang der Woche für die Übernahme des US-Unternehmens Dresser-Rand, einem Zulieferer für die Öl- und Gasindustrie, vor den Aktionären rechtfertigen.

Im vergangenen September hatte Siemens den US-Spezialisten, ein Hersteller von Kompressoren, Turbinen und Motoren, für immerhin 6,8 Milliarden Euro übernommen. Siemens wolle vom Öl- und Gasboom durch das Fracking-Geschäft in den USA profitieren. Soweit der Plan.

Was den Ölpreis bestimmt

  • Nachfrage

    Der Ölbedarf hängt stark von der Konjunktur ab. Mit zunehmenden Wirtschaftswachstum steigt auch der Ölverbrauch. So ist der Bedarf nach Öl in den boomenden Schwellenländern China, Indien und Russland in den vergangenen Jahren massiv gestiegen und hat diese Länder zu den größten Ölverbrauchern der Welt gemacht. Hinzu kommen saisonale Einflüsse, etwa vor dem Winter mit steigendem Heizölbedarf oder der so genannten „Driving Season“ in den USA, weil dann der Benzinverbrauch sprunghaft steigt.

  • Preiselastizität

    Der Ölpreis hat kaum Auswirkungen auf die Nachfrage, da der Ölverbrauch bei steigendem Ölpreis nicht einfach so eingeschränkt werden kann – man spricht von einer preisunelastischen Nachfrage.

  • OPEC

    Der Verbund der Erdöl fördernden Länder spricht sich regelmäßig bezüglich der Fördermenge ab, was natürlich Auswirkungen auf den Ölpreis hat. Sollten sich vor allem die arabischen Länder auf ein Senkung der Fördermenge einigen, verknappt dies das Angebot und treibt den Preis für Rohöl.

  • Erdölreserven

    Erdöl ist grundsätzlich ein knappes Gut, aber es herrscht auch viel Unsicherheit darüber, wie lange die Vorkommen reichen. Hinzu kommt, dass mit steigendem Ölpreis auch der Abbau nur zu höheren Produktionskosten abbaubarer Ölvorkommen eher lohnt, z.B. die Ölgewinnung aus Ölschiefer, Ölsand oder durch Tiefsee-Bohrungen. Außerdem neigen die großen Raffinerien ebenso wie Staaten dazu, ihre Lagerhaltung auszuweiten, wenn der Ölpreis starken Schwankungen unterliegt. Stocken diese Marktteilnehmer ihre Lagerbestände massiv auf, sorgt die erhöhte Nachfrage kurzfristig für neue Preishochs.

  • Finanzmarkt

    An den Börsen wird Öl in Form von Terminkontrakten gehandelt. Die Marktteilnehmer kaufen also Öl, das erst zu einem späteren Zeitpunkt zum vereinbarten Preis geliefert wird. Vom Spotpreis wird gesprochen, wenn es sich um kurzfristige Terminkontrakte handelt, bei denen das Öl innerhalb von zwei Wochen geliefert wird. Längerfristige Terminkontrakte können auch für Spekulanten attraktiv sein.

  • Wechselkurse

    Der US-Dollar ist die Standardwährung im Rohstoffmarkt. Eine Änderung des Dollar-Kurse hat somit Einfluss auf die Ertragslage des Erdölexporteurs. Auf Staatenebene spielt dabei eine Rolle, wie viele Güter in der Handelsbilanz stehen, die in Dollar bezahlt werden. Die erdölexportierenden Länder haben daher Interesse daran, bei einem fallenden Dollarkurs die Exportpreise für Erdöl etwa durch Angebotsverknappung anzuheben.

Wegen des gefallenen Ölpreises wird die unkonventionelle Förderung nach Öl und Gas im unterirdischen Gestein immer weniger rentabel. Der Boom ist verpufft. In der gesamten Branche wird gespart - sowohl bei Investitionen in neue Bohrlöcher also auch beim Personal. Inzwischen wurden in der Branche rund 30.000 Stellen gestrichen.

Trotzdem sind Zukäufe in der Öl- und Gasbranche nicht unbedingt ein strategischer Fehler. „Kleinere Spezialisten, besonders aus dem Öl-Service-Bereich, die neue Technologien für die Förderung von Öl und Gas entwickeln, bieten gute Chancen“, sagt Richard Forrest, globaler Leiter der Beratungssparte Energie und Prozessindustrie bei AT Kearney.

Die Branche werde immer technologiegetriebener, um auch geographisch schwer zu erschließende Öl- und Gasressourcen rentabel fördern zu können. Zwar sei der Ölpreis drastisch gefallen, aber der mittel- bis langfristige Ausblick für die Branche sei positiv.

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