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Pleitewelle: Solarwatt meldet Insolvenz an

Die Pleitewelle in der deutschen Solarbranche rollt weiter: Jetzt muss das Dresdner Unternehmen Solarwatt Insolvenz anmelden. Auch die heute eröffnete Messe Intersolar bekommt die Firmenpleiten zu spüren.

Solarwatt Solarmodul Quelle: AP
Ein Mitarbeiter poliert ein Solarmodul der Firma Solarwatt AG in Dresden. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Quelle: AP

Der Dresdner Modulbauer Solarwatt mit seinen knapp 500 Mitarbeitern hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung einen Antrag auf einen Insolvenzschutzschirm gestellt. Das Management plane eine Sanierung in Eigenverwaltung, bei der die bisherige Unternehmensleitung am Ruder bleibt und mit einem externen Sanierungsexperten zusammenarbeitet, teilte Solarwatt am Mittwoch mit. Das Amtsgericht Dresden hat dem Antrag zugestimmt. Das Verfahren schützt betroffene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne die Geschäfte einem Insolvenzverwalter zu überlassen. Der Geschäftsführung wird nur ein Sachwalter zur Seite gestellt.

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Die Firma hatte am Vortag bereits angekündigt, möglicherweise den Insolvenzantrag stellen zu müssen, da die Verhandlungen über die erforderlichen Sanierungsbeiträge der Aktionäre erfolglos gewesen seien.

Der Modulbauer ist auf die Errichtung schlüsselfertiger Solarkraftwerke in Europa spezialisiert. Der zuletzt für 2010 veröffentlichte Jahresumsatz betrug 324 Millionen Euro und der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 16 Millionen.

In den vergangenen Monaten mussten zahlreiche Solarunternehmen wegen des Preisverfalls in der Branche den Gang zum Amtsgericht antreten - allen voran der einst weltgrößte Solarkonzern Q-Cells, der Solarpionier Solon, die einstige Q-Cells-Tochter Sovello, Odersun wie auch die Kraftwerksentwickler Solar Millennium und Solarhybrid.

Sunways

Das Amtsgericht Konstanz hat am 7. Mai ein Insolvenzverfahren über die Solarfirma eröffnet. Antragstellerin ist die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank). Laut Unternehmensangaben läuft das Verfahren über das Vermögen der Sunways AG sowie ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft, der Sunways Production GmbH. Der vorläufige Insolvenzverwalter Thorsten Schleich hat nun drei Monate Zeit, um über die Zukunft von Sunways zu entscheiden. Die BW-Bank zählt zu jenen Banken, die Sunways vor wenigen Wochen Kredite über insgesamt 6,6 Millionen Euro gekündigt hatten. Damals zeigte man sich in Konstanz noch zuversichtlich und wollte weiter verhandeln. Am Dienstagabend erklärte ein Sprecher, der Insolvenzantrag der BW-Bank habe das Unternehmen überrascht.

Das Sunways-Betriebsergebnis (Ebit) hatte Ende September bei minus 24,5 Millionen Euro (2011: minus 21,6 Mio Euro) gelegen. Nach der Kredit-Kündigung hatte Sunways die für Ende April geplante Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf unbestimmte Zeit verschoben. Ende 2012 beschäftigte der Konzern 265 Mitarbeiter. Sunways-Hauptaktionär ist die chinesische LDK Solar. Ob sie für das Unternehmen einspringen werde, war zunächst unklar.

Bild: dpa

Solarwatt mit Sitz in Dresden wurde 1993 gegründet und fertigt unter anderem kristalline Solarmodule. Die Firma war 2011 von der Krise der deutschen Solarfirmen erfasst worden und in die roten Zahlen gerutscht.

Ausstellerrückgang auf der Intersolar

Auch die weltgrößte Solarmesse Intersolar bekommt die Pleitewelle zu spüren. Die Messe wurde am Mittwoch in München mit deutlich weniger Ausstellern als im Vorjahr eröffnet. In den vergangenen Monaten ging die Zahl nach Angaben der Veranstalter um rund 300 auf weniger als 2000 Aussteller zurück - vor allem wegen zahlreicher Firmenpleiten.

"In diesem Jahr steht die Intersolar unter dem Eindruck eines harten internationalen Wettbewerbs", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig, bei der Eröffnung. Schuld ist neben dem extremen Preisdruck durch Konkurrenz aus China der Streit um die Kürzung der Solarförderung in Deutschland. Am Mittwoch berichtete die "Bild"-Zeitung, dass die schwarz-gelbe Koalition die staatliche Förderung für Solaranlagen ab 2013 deutlich zurückfahren wolle. Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Michael Fuchs sagte demnach: „Die Solarförderung muss mindestens so stark sinken, wie der Preis für Solarpanele fällt.“ Ansonsten komme es zu einer Überförderung zulasten von Verbrauchern und Unternehmen. Eine Kürzung um „20 bis 25 Prozent pro Jahr“ sei möglich, wurde Fuchs zitiert.

Der FDP-Energieexperte Klaus Breil brachte dem Vorabbericht zufolge sogar einen kompletten Förderstopp ins Gespräch. „Denkbar ist, dass im nächsten Jahr die Förderung für Anlagen auf Freiflächen auslaufen kann“, sagte Breil. 2015 könne dann die Förderung von Neuanlagen auf Hausdächern enden. Voraussetzung sei ein weiterer Preisverfall bei Photovoltaikanlagen. Am Mittwoch startet das Vermittlungsverfahren über die künftige Solarstromförderung. Der Bundesrat hatte im Mai die massiven Kürzungspläne der Bundesregierung gestoppt und eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzes verlangt.

Mit Material von Reuters und dpa

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.06.2012, 14:43 UhrExperte

    Auch wenn Sie es nicht wissen, bei jeder Solaranlage in Deutschland stammt 70% der Wertschöpfung aus Deutschland!

    Von einer solchen Quote kann die deutsche Autoindustrie nur träumen!

  • 26.06.2012, 14:40 Uhrnicolo

    Wieso geht dann ein Unternehmen "unter", wenn die Branche "reich" ist? Aber wahrscheinlich kann man nach ihrem Weltbild "Solarwirtschaft" auch durch "H4-Bezieher" austauschen?!

    Richtiger wird die Aussage dadurch aber trotzdem nicht!

  • 18.06.2012, 00:11 UhrThomas-aus-DD

    Man sollte gegenrechnen was Subventionierung (Sicherung der Arbeitsplätze) und was der Untergang kosten würde, und dann entscheiden.
    Solarwatt sollte eventuell mit der TU Dresden kooperieren.

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