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Q-Cells-Chef Milner: "Wozu sollten wir Wüstenstrom brauchen?"

von Dieter Dürand

Anton Milner, Chef des Solarzellenherstellers Q-Cells, rechnet noch in diesem Jahr mit einer Erholung des Marktes. Das Solarprojekt Desertec, dass Europa mit billigem Sonnenstrom aus Afrika versorgen soll, sieht Milner skeptisch.

Anton Milner Quelle: dpa
Anton Milner Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Milner, das erste Quartal war desaströs für Ihr Unternehmen. Der Umsatz ist um 17 Prozent eingebrochen, die Preise für Solarzellen sind im freien Fall. Q-Cells hat erstmals Verluste gemacht. Ist die Solarparty vorbei?

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Milner: In der Tat leidet die Solarindustrie stark unter der Wirtschaftskrise. Doch was auf den ersten Blick desaströs aussieht, birgt bei genauer Betrachtung große Chancen. Die drastisch gefallenen Preise für Solaranlagen bringen die gesamte Branche dem Ziel näher, dass Solarstrom die Verbraucher nicht mehr kostet als konventionell erzeugter Strom aus Kohle, Öl oder Atomkraft. Spätestens mit dem Erreichen dieser sogenannten Netzparität kehrt eine enorme Dynamik in den Markt zurück: Dann verkauft sich Solarstrom von selbst.

Wann ist es so weit?

In Teilen Japans und Kaliforniens ist die Parität bereits geschafft. Der Süden der USA wird folgen.

Und in Deutschland, dem derzeit wichtigsten Markt für Solarstrom?

Hier rechne ich spätestens für das Jahr 2014 mit dem Durchbruch. Unveröffentlichte Studien halten das sogar schon zwei Jahre früher für möglich. Das es jetzt so schnell geht, hätte vor Kurzem noch kein Experte für möglich gehalten.

Wenn es so kommt, ist das kein Verdienst der Branche. Sie hat die Preise unter dem Schutz der garantierten Einspeisevergütung für Solarstrom künstlich hochgehalten und abkassiert. Wann kommen Sie ohne Subventionen aus?

Ohne Anschubfinanzierung lässt sich ein Umbau der Energieversorgung nicht bewerkstelligen. Die gegenwärtige Regelung in Deutschland, die Einspeisevergütung jedes Jahr um acht bis zehn Cent abzusenken, schafft die notwendige Investitionssicherheit für Hersteller wie Käufer. Ich halte das für eine vernünftige Regelung. Aber ebenso wichtig ist, dass die Branche erwachsen wird und sich aus dieser Abhängigkeit löst. Der nächste Boom speist sich aus der Konkurrenzfähigkeit zum Haushaltsstrom.

Erst einmal müssen Sie die Kosten drastisch senken, um von der Krise nicht weggefegt zu werden. Warum haben Sie den Auftragseinbruch so unterschätzt?

Bis November 2008 konnten wir gar nicht schnell genug produzieren und waren in Lieferverzug. Wir haben zwar damit gerechnet, dass Banken und Investoren neue Projekte im Licht der Finanzkrise gründlicher prüfen, nicht jedoch damit, dass sie sich so schlagartig zurückziehen.

Und jetzt droht Ihrem Unternehmen die Luft auszugehen?

Das auf keinen Fall. Der Verkauf unseres Anteils an dem norwegischen Wafer- und Siliziumproduzenten Renewable Energy, der Verkauf eines Aktienpakets und die Platzierung einer Wandelanleihe haben uns ausreichend Mittel in die Kasse gespült, um unsere Pläne zu finanzieren.

Das waren doch nur Notoperationen.

Nein. Das waren notwendige Maßnahmen. Ebenso wie die vorübergehende Stilllegung eines Teils unserer Produktion und die Einführung von Kurzarbeit.

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29 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.07.2009, 16:49 UhrAnonymer Benutzer: Alanka

    Die Fragestellung "Wozu sollten wir Wüstenstrom brauchen?" ist falsch: Richtiger wäre: "Was taugt die Wüstenstromproduktion für uns Verbraucher?".
    Für das neulich in betrieb genommene solare Parabolrinnenkraftwerk Andasol1 in Spanien beträgt der bedarf rund 870.000 m3 pro Jahr und resultiert vor allem aus der Kühlung des Dampfkreislaufs, d.h. aus der Verdampfung des Wassers in den Kühltürmen. Schließlich sind es mit solarer Energie betriebene Dampfkraftwerke. Woher soll das Wasser für ungezählte Kühltürme in den nordafrikanischen Wüstenregionen kommen? Und dann noch für den regulären bedarf? Darüber wurde bisher nicht berichtet.
    in der Wüste müssen diese solaren Dampfkraftwerke erst einmal das Kühlwasser für sich selber produzieren - mittels stromfressenden Meerwasserentsalzungsanlagen. Dann müssen sie für den Eigenbedarf der infrastruktur vor Ort in Afrika sorgen. Anschließend wäre es sinnvoller mit der verbleibenden Energie die Wüste zu begrünen und lebenswert zu machen.Falls dann noch Strom überbleibt, dann kann er auch per Leitung nach Südeuropa fließen - zwecks Stromaustausch, um die Potentiale der unterschiedlichen Kraftwerkstypen zu optimieren. Aber auch nur wenn sich das wirtschaftlich und ohne Subventionen rechnet. Ansonsten müssen wir unsere Stromversorgung selber im eigenen Land sicher stellen und uns nicht in eine weitere Abhängigkeit von importen aus unsicheren Regionen begeben. Eine verläßliche Stromversorgung für die ballungszentren Europas ist Unsinn und kann nur den Hirnen eines Club of Rome entsprungen sein, ein Club, der bereits mit seinen Untergangs- und Mangelszenarien in den 70er Jahren des letzen Jahrhundests völlig daneben gelandet ist. Der Club of Rome hat sich für seine idee Dienstleister des Geldes und nicht die Energiewirtschaftler und -techniker der deutschen Hochschulen auf seine Seite geholt. Das sagt doch, wohin die Reise gehen soll - in Richtung Abzocke der Millionen EU-Stromkunden. Alanka

  • 15.07.2009, 19:42 UhrAnonymer Benutzer: neue Energie

    Wenn ich das so lese, habe ich stake Zweifel ob Meister Millner den Unterschied zwisxhen kristallinen Zellen und Dünnschichttechnik, oder gar CiS usw. kennt.
    Er gibt an keiner Stelle auch nur ansatzweise mal konkrete Auskunft zu technischen Fragen. insbesondere die Preisentwicklung der Zellen im Verhältnis zum Strompreise sollte er noch mal überrechnen.
    Erst wenn diese bei den derzeitigen Wirkungsgraden pro qm bei 500€ angekommen sind kann der Strom mit den gängigen Preisen mithalten.
    Ob aber die Produktionskosten so weit gesenkt werden können steht in den Sternen.
    Also Steuerzahler, macht mal schön den Geldbeutel auf, damit sich diese Chefs weiter ins Solarium gehen konen.

  • 15.07.2009, 02:37 UhrAnonymer Benutzer: Solar jetzt!

    Seit Jahren hält die Solarlobby die Einspeisevergütung künstlich hoch. Jetzt wurdert sie sich, dass es auf der Welt nicht genug Absatzkanäle für ihre künstlich teuren Produkte gibt. Die Wirtschaftskrise ist nicht der Auslöser der Solarkrise. Künstlich hohe Preise - das wurde Spanien zu teuer. Und weg waren die hohen Subventionen. Jetzt verbaut Q-Cells seine Module selbst - in Deutschland. Sollte es nicht mal eine Exportbranche werden...?

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