Quartalsergebnis: Gewinnrückgang und Ideenschub bei EnBW

KommentarQuartalsergebnis: Gewinnrückgang und Ideenschub bei EnBW

von Andreas Wildhagen

Im ersten Quartal ging der Konzernüberschuss um 4,4 Prozent zurück. Der baden-württembergische Versorger ist im Selbstfindungsprozess: Neue Geschäftsfelder sollen ausgeguckt werden.

Dafür dass der Energiekonzern zwei von vier Kernreaktoren im Zuge der Energiewende abschalten musste, fällt der Gewinnrückgang eher gering aus. Geschäfte im Handel konnten einen Totalabsturz des früheren Atomkonzerns, der 50 Prozent seiner Gewinne mit Kernkraft in Baden-Württemberg verdiente, gerade noch aufhalten. Das Unternehmen befindet sich seit dem Amtsantritt von Frank Mastiaux im vergangenen Herbst in einer Phase der Nabelschau. Es sollen neue Geschäftsfelder ausgeguckt werden, neue Geschäftsmodelle, die EnBW sehr viel näher an den Kunden bringen soll, als das früher der Fall war.

EnBW nach 20 Monaten Energiewende

  • Umsatz

    Der Umsatz von EnBW entwickelt sich leicht positiv. Der Konzern legte zwischen 2010 und 2012 von 18,76 auf auf 19,25 Milliarden Euro zu.

  • Konzernüberschuss

    Der Konzernüberschuss nahm von 2010 auf 2011 von einer Million Euro auf minus 800.000 Euro ab. 2012 liegt er immerhin wieder bei plus 473 Millionen Euro.

  • Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen

    Der Gewinn vor Steuern und Zinsen und Abschreibungen nahm zwischen 2010 und 2012 von 3,3 Millionen auf 1,8 Millionen Euro ab.

  • Nettoverschuldung Ebitda

    Der Wert fiel zwischen 2010 und 2012 von 8,7 auf 8,0.

  • Anteil abgeschalteter & noch abzuschaltender Atomkraftwerke

    EnBW hat bereits Kraftwerke, die einem Anteil von 12,5 Prozent an der Gesamtstromkapazität des Konzerns entsprechen, abgeschaltet. Es stehen noch Abschaltungen in einem Umfang von 20,2 Prozent an der Gesamtstromkapazität aus.

  • Anteil Gas an Stromerzeugung

    Zu diesem Bereich macht EnBW leider keine Angaben.

  • Anteil Steinkohle an Stromerzeugung

    Für die Jahre 2010 und 2011 machte EnBW leider keine Angaben. Im Jahr 2012 lag der Anteil bei 20 bis 25 Prozent.

  • Anteil Braunkohle an Stromerzeugung

    Für diesen Bereich macht EnBW leider keine Angaben.

  • Anteil Erneuerbare an Stromerzeugung

    EnBW steigerte den Anteil der erneuerbaren Energie zwischen 2010 und 2012 von 10,5 auf 12,1 Prozent.

  • Anteil Wind an Stromerzeugung

    Der Anteil der Windkraft lag in den beiden vergangenen Jahren bei 0,01 Prozent.

  • Unternehmenswert

    Der Unternehmenswert von EnBW entwickelte sich negativ und nahm von 10,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 8,4 Milliarden Euro im Jahr 2012 ab.

  • Fazit

    EnBW hat durch den plötzlichen Wegfall der Atomkapazität hohe Verluste erlitten. Zeitgewinn durch Strategiedebatte.

Frank Mastiaux, der früher bei E.On für das Geschäft mit den Erneuerbaren Energien und dann für das internationale Projektgeschäft verantwortlich war, hat vor allem die Vorgabe der grünroten Landesregierung in Stuttgart unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu erfüllen. In seiner erst ein Jahr langen Legislaturperiode will die Landesregierung 1000 Windräder im Ländle aufstellen.

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Das ist ehrgeizig, weil Baden-Württemberg nicht Mecklenburg-Vorpommern ist oder Schleswig-Holstein, wo langgedehnte Strände und Kniepsände geradezu dazu einladen, Windräder aufzustellen. In den Tälern des Neckars und auf den Höhen des Schwarzwaldes sind die Windräder in Schwaben und in Baden allerdings unerwünscht. Die Tourismusverbände und die bäuerlichen Nachbarn protestieren gegen solche Projekte. Eine Umfrage unter Gästen hat ergeben, dass 25 Prozent der Touri-Besucher wegbleiben würden, wenn ihnen die Fernsicht durch Strom-Propeller genommen werden.

Das Vertrackte ist, dass Mastiaux‘ EnBW mehrheitlich dem Land und den oberschwäbischen Kommunen gehört. Die Politiker können mit ihrem Haus- und Hofversorger im eigenen Land kaum neue Windräder aufstellen, und was man vor der eigenen Haustür nicht kann, das gelingt meistens auch woanders schlecht.

Stromkonzerne Politik der Energiewende macht große Versorger kaputt

Die vier großen Versorger sind ein Schatten ihrer selbst. Die Politik der Energiewende hat Unternehmenswerte, Finanzkraft und Substanz dezimiert. Die Chefs können sich nur durchwurschteln – Ziel und Ausgang offen.

Aufmacher Energieriesen Dreieroptik Quelle: dpa/Montage

Mastiaux will im Sommer sein neues Konzept, die Atomkraft mit neuen Geschäftsmodellen zu ersetzen, den Aktionären und der Öffentlichkeit präsentieren. Seit Oktober 2012, dem Monat seines Amtsantritts, prophezeit er harte Zeiten. Die EnBW müsse sich „tiefgreifend wandeln“ und gar „neu erfinden“, sagte er auf der Hauptversammlung vor zwei Wochen.

Was das heißt, wissen wir spätestens im Juni, vor der Sommerpause.

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