Quartalszahlen: Katerstimmung bei RWE

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KommentarQuartalszahlen: Katerstimmung bei RWE

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Die Energiewende hat ihre Spuren an RWE hinterlassen, da konnte auch Chef Peter Terium nicht entgegenwirken

von Andreas Wildhagen

Der Energiekonzern RWE leidet unter zu hohen Investitionen in Kohle- und Gaskraftwerke. Nach Fukushima sind diese überflüssig. Bleiben die Kommunen Großaktionäre?

Fast drei Milliarden Euro Verlust. Der Ernst der Lage bei RWE ist angesichts der erwarteten Zahlen für das Geschäftsjahr 2013 brutal sichtbar. 6,5 Milliarden Euro haben alle großen Energieversorger seit der Energiewende 2011 abgeschrieben, wie eine AT-Kearney-Studie vor einem Monat exklusiv für die Wirtschaftswoche herausfand. Knapp zehn Milliarden Euro sind es für die europäischen Energiekonzerne.

Allein RWE hat fast fünf Milliarden Euro vernichtet, Kohle- und Gaskraftwerke stehen still, weil Ökostrom in die Netze drängt, die von diesen kaum aufgenommen werden können und am Rand ihrer Belastbarkeit sind. Nun zeigt sich, dass der bisher eingeschlagene harte Sparkurs von RWE-Chef Peter Terium noch lange nicht reicht. Zum ersten Mal in seiner Geschichte schreibt RWE rote Zahlen.

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Bereits bei der Vorlage der Quartalzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr wurde von RWE gesagt, dass das Geschäftsjahr 2013 höchstwahrscheinlich mit einem Milliardenverlust abschließen wird. Am Dienstag ist Bilanzpressekonferenz in Essen, und seit langem starren die Analysten und Aktionäre auf diesen Termin, bei dem das ganze Ausmaß des Desasters ausgebreitet wird.

Desaströse Auswirkungen der Energiewende

Die Spar-und Kapp-Orgien haben bei RWE nicht gereicht. Die Konzernsparte Erneuerbare Energien, die früher jährlich eine Milliarde Euro investierte, wurde halbiert. Zum ersten Mal in der RWE-Historie, die von Großzügigkeit und Sorglosigkeit vor allem für das Management in der Verwaltung gekennzeichnet war, wird nun auch in der Essener Konzernzentrale zugelangt: Mit dem Programm „RWE 2015“ zielte Terium darauf, die Kosten in der Verwaltung um eine Milliarde Euro zu senken. Bis 2016 soll die Zahl der Beschäftigten insgesamt auf 61.000 sinken, dann sind 13.000 Jobs geschleift worden. RWE kann sie sich angesichts der desaströsen Auswirkungen der Energiewende auf den bisher stark auf fossile Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle) ausgerichteten Konzern diese Arbeitsplätze nicht mehr leisten.

Nun wird sichtbar, dass die Energiewende nicht die einzige und nicht die erste in Deutschland ist: Seit dem Auslaufen der Subventionen für den Steinkohlebergbau hat es in der Bundesrepublik keinen so großen Einschnitt in die Industriekultur im Energieland Nordrhein-Westfalen gegeben wie jetzt.

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