Quartalszahlen von RWE und E.On: Düstere Zeiten für die deutschen Stromriesen

ThemaRWE

Quartalszahlen von RWE und E.On: Düstere Zeiten für die deutschen Stromriesen

Bild vergrößern

RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath: Die niedrigen Preise für Steinkohle machen vor allem Gaskraftwerken zu schaffen.

von Sebastian Schaal

Die aktuellen Quartalszahlen zeigen: E.On und RWE kommen nicht aus der Krise – im Gegenteil. Die niedrigen Strompreise bringen die Schwächen der Energieriesen gnadenlos ans Licht.

Wer in diesen Tagen ein Kraftwerk betreibt, dürfte wenig Spaß daran haben. Die Brennelementesteuer schmälert den Gewinn von Atomkraftwerken, der milde Winter senkt den Energieverbrauch und die Großmarktpreise für Strom sinken immer weiter.

Daher kommt auch Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE nicht aus der Krise. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sackte das betriebliche Ergebnis um fast 31 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro ab. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) ging um 22 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zurück.

Anzeige

Damit schnitt RWE trotz aller Rückgänge noch etwas besser ab als von Analysten erwartet. Sie waren im Schnitt von einem Minus von 24 Prozent und einem Ebitda von 4,617 Milliarden Euro ausgegangen. Das für die Dividendenberechnung wichtige nachhaltige Nettoergebnis brach um 60 Prozent auf 763 Millionen Euro ein.

Der Konzern bestätigte seine Prognose für 2014: Beim angepeilten Nettoergebnis von RWE liegt die Bandbreite bei 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro (2013: 2,3 Milliarden Euro).

Sogar noch schlechter ist die Lage beim größten deutschen Energiekonzern E.On, der am Mittwoch seine Zahlen vorgelegt hatte. Für das Quartal verbuchte E.On einen Konzernverlust von 774 Millionen Euro. Der hohe Verlust fraß auch die Gewinne aus dem ersten Halbjahr auf.

Für die ersten drei Quartale zusammen fiel der Überschuss rapide von gut 2,9 Milliarden 2013 - auf nur noch 255 Millionen Euro 2014. Rechnet man noch die Gewinne aus Minderheitsanteilen heraus, steht nach neun Monaten ein Fehlbetrag von 14 Millionen Euro in den Büchern.

EEG-Umlage lässt Verbraucherpreise steigen

Auf beiden Energieriesen lasten die niedrigen Preise im Stromgroßhandel, sie sind seit Mitte 2011 im Abwärtstrend. Während die im Jahr 2012 geschlossenen Terminkontrakte für 2013 noch bei rund 50 Euro pro Megawattstunde lagen, werden derzeit die Forwards für 2015 mit nur noch 35 Euro gehandelt.

Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

  • Gas

    Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

  • Gastransport

    Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

    Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

  • Gaseinsatz und -preis

    Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

    Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

  • Öl

    Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen ein Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

  • Transport

    Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Ein zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

  • Öleinsatz und -preis

    Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Diese Terminkontrakte helfen zwar, die Einnahmen langfristiger planen zu können und Preisrisiken zu minimieren. Doch sie geben auch einen Ausblick auf die Zukunft. Und da geht die Tendenz für den Strompreis weiter nach unten, Besserung ist nicht in Sicht.

Hinzu kommt. Der Endverbraucher profitiert kaum von den niedrigeren Großhandelspreisen, da sich rund die Hälfte des Strompreises für Privatkunden inzwischen aus staatlichen Abgaben, etwa der gestiegenen EEG-Umlage zusammensetzt. Im Schnitt sind die Strompreise für Privatkunden von RWE in diesem Jahr um ein Prozent, für Industriekunden um drei Prozent gestiegen.

Energiewende Die letzte Schlacht der Stromkonzerne

Nach drei Jahren Energiewende entdecken die großen Versorger neue Geschäftsfelder wie Minikraftwerke und Energieberatung. Der Schritt entspringt schierer Verzweiflung - viel anderes bleibt den Giganten aber nicht.

Die Energieversorger müssen sich neue Geschäftsfelder suchen: Minikraftwerke, Energieberatung, dezentrale Energieversorgung. Quelle: imago / mcphoto

Seit der Energiewende spielt auch das Wetter für die Energieversorgern eine immer größere Rolle. Die Witterung ist gerade bei Privatverbrauchern ein wichtiges Kriterium für die Energienachfrage, bei Unternehmen eher die Wirtschaftslage. Durch den vergangenen milden Winter sanken nicht nur der Bedarf nach Strom und Gas, das Wetter hat auch einen zunehmenden Einfluss auf die Stromerzeugung.

Die RWE-Windkraftanlagen in Deutschland, den Niederlanden und Polen waren in den ersten drei Quartalen besser ausgelastet als im Vorjahreszeitraum, in Großbritannien, Spanien und Italien hingegen schlechter. Für die Solarmodule ist die Sonneneinstrahlung wichtig, hierzulange schien die Sonne in den ersten neun Monaten rund 120 Stunden mehr.

30 Milliarden Euro Schulden bei RWE

Dass die Sonne länger scheint und mehr Wind weht, können E.On und RWE aber nur bedingt ausnutzen. Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen vierprozentigen Anteil von erneuerbaren Energien. E.On steht mit drei Prozent etwas schlechter da. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Der Ausbau von Windparks und Solaranlagen geht nur langsam voran und kostet vor allem viel Geld. An dieser Stelle kommt ein weiteres Problem zum Tragen: Auf beiden Konzernen lasten hohe Schulden. Beide Unternehmen haben jeweils rund 30 Milliarden Euro Verbindlichkeiten in der Bilanz stehen – RWE hat deshalb seine Investitionsvorhaben stark zurückgefahren. Wenn noch Geld fließt, dann fast ausschließlich in lukrative Geschäfte mit erneuerbaren Energien.

Das zeigt sich auch am aktuellen Beispiel der Vattenfall-Braunkohlesparte: Die neue rot-grüne Regierung in Stockholm will den schwedischen Konzern stärker auf erneuerbare Energien ausrichten, da sie die Zukunft offensichtlich nicht in der Braunkohle sieht. Vattenfall betreibt im zweitgrößten Braunkohlerevier Deutschlands derzeit fünf Gruben in Brandenburg und Sachsen sowie mehrere Kraftwerke, deren Zukunft im Konzern gerade geprüft wird.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%