Bild: dapdSchwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-Zertifikaten
Der Atomausstieg macht RWE an einer Stelle besonders stark zu schaffen – wenn es um die CO2-Emissionen geht. RWE-Chef Jürgen Großmann hatte lange gehofft, durch eine Verlängerung der Laufzeiten bei den Kernkraftwerken möglichst viel CO2-freien Strom produzieren zu können. Doch nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist klar: Der Energiekonzern wird nach wie vor sehr stark abhängig von seinen Kohlekraftwerken (Bild: Kraftwerk Westfalen in Hamm) und damit auch der größte Emittent des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids bleiben.
Bild: dpaSchwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-Zertifikaten
So hat der Konzern im vergangenen Jahr insgesamt 161,9 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Das sind zwar knapp zwei Prozent weniger als 2010. Doch nur für 116,6 Millionen Tonnen hat RWE kostenlos Zertifikate zugeteilt bekommen. Für den Rest, also 45,3 Millionen Tonnen, musste der Versorger Zertifikate erwerben – und dafür rund 600 Millionen Euro bezahlen. (Bild: Braunkohlekraftwerk Neurath in Grevenbroich)
Bild: dpaSchwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-Zertifikaten
Doch während RWE heute noch fast drei Viertel der Verschmutzungsrechte kostenlos erhält, muss der Konzern sich darauf einstellen, ab 2013 für alle Zertifikate zu bezahlen. Wie hoch die Mehrbelastung für RWE dadurch sein wird, ist schwer vorauszusagen. Denn allein im Jahr 2011 schwankten die Preise zwischen 7,40 Euro und über 17 Euro pro Tonne. Für den Teil, den RWE bisher noch gratis erhalten hat, wären das Kosten zwischen gut 860 Millionen und knapp zwei Milliarden Euro. (Bild: Braunkohlekraftwerk Neurath)
Bild: dpaSchwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende Verschuldung
Der Anstieg der Verschuldung ist ein weiterer Punkt, der dem RWE-Chef Jürgen Großmann (im Bild links mit seinem Nachfolger Peter Terium) angekreidet wird. Denn in seiner Amtszeit haben sich die Nettoschulden deutlich erhöht. Während sie im Jahr 2007 noch bei 16,51 Milliarden Euro lagen, betrugen sie Ende 2011 dagegen stolze 29,95 Milliarden Euro.
Bild: ReutersSchwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende Verschuldung
Die Nettoschulden beinhalten alle Finanzschulden wie etwa Anleihen und Bankkredite abzüglich der flüssigen Mittel. Hinzu kommen Rückstellungen für Pensionen und die Entsorgung im Kernenergiebereich sowie bergbauliche Rückstellungen. Die Nettoschulden machten 2011 175 Prozent des Eigenkapitals und das 3,5-Fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) aus. Das eigens gesetzte Ziel, beim am Ebitda gemessenen Verschuldungsfaktor eine Obergrenze von 3,0 einzuhalten, hat RWE damit nicht erreicht. (Bild: Ratingagentur Moody's)
Bild: dpaSchwäche 2: Ratingagenturen kritisieren steigende Verschuldung
Trotz bereits erfolgter Abstufungen – unter anderem weil die Belastungen durch den Atomausstieg ansteigen – sind die externen Ratings noch ordentlich: Moody’s vergibt ein A3, S&P ein A– und Fitch ein A. Alle drei Ratingagenturen haben ihre Bonitätsnoten aber mit einem negativen Ausblick versehen. Bekommt der Energieriese seine Verschuldung nicht in den Griff, könnte es mit den Ratings weiter abwärtsgehen. (Bild: Ratingagentur Standard & Poor's)
Bild: dpaSchwäche 3: Investitionen können nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden
RWE investiert regelmäßig mehr Geld, als der Konzern im operativen Geschäft erwirtschaftet. Im Jahr 2011 standen dem operativen Cash-Flow von 5,5 Milliarden Euro Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von 6,4 Milliarden Euro gegenüber. Der sogenannte freie Cash-Flow lag somit bei minus 843 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es sogar minus 879 Millionen Euro. (Bild: Windrad vor dem Braunkohlekraftwerk Neurath)
Bild: dpaSchwäche 3: Investitionen können nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden
Konkurrent Eon kam 2011 dagegen auf einen positiven Free Cash-Flow von 394 Millionen Euro, 2010 waren es sogar über drei Milliarden Euro. Der operative Cash-Flow von RWE (Bild: Windpark der RWE Innogy vor Nord-Wales) ist im abgelaufenen Jahr aber relativ konstant geblieben. Das niedrigere Ergebnis konnte RWE durch eine effiziente Steuerung des Nettoumlaufvermögens ausgleichen. Die Investitionen waren ebenfalls ähnlich wie 2010.
Bild: dpaSchwäche 3: Investitionen können nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden
Um den Aktionären die Dividende in Höhe von 1,9 Milliarden Euro zahlen zu können, hat RWE daher eine Kapitalerhöhung vorgenommen, bei der dem Konzern 2,1 Milliarden Euro zugeflossen sind. Zugleich hat der Energieriese die Schulden erhöht, indem er eine fällige Anleihe von 1,5 Milliarden Euro durch Ausgabe von Commercial Papers in Höhe von 2,9 Milliarden Euro refinanziert hat. Insgesamt sind so die flüssigen Mittel im Berichtsjahr um 526 Millionen Euro zurückgegangen. Im Vorjahr lag der Rückgang sogar bei 539 Millionen Euro.
Bild: apStärke 1: Braunkohle aus eigener Förderung ist sehr rentabel
RWE musste durch den Atomausstieg zwar unmittelbar auf zwei Kernkraftwerke verzichten. Dafür laufen die Braunkohleanlagen des Konzerns aber auf Hochtouren. Braunkohlekraftwerke (Bild: Niederaussem im Rheinland) sind genauso wie Kernkraftwerke bestens geeignet, die sogenannte Grundlast – den gut zu kalkulierenden Mindestbedarf an Strom – abzudecken. Denn sie laufen am besten rund um die Uhr.
Schwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-Zertifikaten
Der Atomausstieg macht RWE an einer Stelle besonders stark zu schaffen – wenn es um die CO2-Emissionen geht. RWE-Chef Jürgen Großmann hatte lange gehofft, durch eine Verlängerung der Laufzeiten bei den Kernkraftwerken möglichst viel CO2-freien Strom produzieren zu können. Doch nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist klar: Der Energiekonzern wird nach wie vor sehr stark abhängig von seinen Kohlekraftwerken (Bild: Kraftwerk Westfalen in Hamm) und damit auch der größte Emittent des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids bleiben.
Auf einer Insel der Seligen befindet sich RWE nicht, so viel steht fest. Deswegen ist das neue Rating Triple B Plus (BBB+) eigentlich nichts Überraschendes. Auch der spanische Energieversorger Endesa weist ein solches Rating auf, ebenso wie Iberdrola und die italienische Enel. Immerhin wollte der deutsche Branchenführer E.On vor sechs Jahren noch Endesa mit 41 Milliarden Euro schlucken. Ob die Vorstände froh sind, dass es ihnen damals nicht gelungen ist?
E.On hat noch ein A-Rating, und das dürfte die RWE-Manager wurmen. Denn besonders der Handelsbereich bei RWE wird durch die nun deutliche Kreditverteuerung betroffen. Aber die Abstufung wirft auch ein Licht auf die Strategie von RWE: Bisher wird noch ordentlich Geld bei der Braunkohleverstromung verdient, weil Braunkohlekraftwerke grundlastfähig sind, also ähnlich wie Atomkraft auch kontinuierlichen Industriestrom liefern können – und das Tag und Nacht. Die Emissionszertifikate sind zur Zeit preiswert, so dass man RWE, was die Braunkohle betrifft, zur Zeit schweigt und genießt. Aber auf die Dauer ist Braunkohle kein Ruhekissen für RWE, bringt den Konzern nur in eine neue ungesunde Abhängigkeit.
Mit Essent hat RWE schon in Zeiten des Vorgängers des seit Juli amtierenden neuen Vorstandschefs Peter Terium eine bedeutende Auslandsinvestition gewagt, das war ein goldener Griff, weil Essent ein niederländischer Versorger ist direkt mit Anschluss an das Versorgungsgebiet von RWE. Aber der Bau von Windkraftanlagen, besonders Offshore-Parks, lahmt, es gibt keine Rechtssicherheit für die Leitungsanschlüsse auf hoher See, und so stockt es auf dem vermeintlichen Zukunftsweg von RWE.
E.On dagegen steht besser da, und zwar mit seinen Großprojekten in Südamerika, die zumindest den Anflug einer Vision vermitteln. Mit dem brasilianischen Investor Eike Batista will E.On unabhängige Kraftwerke in unwegsamen Gebieten errichten, und zwar in ganz Südamerika, nicht nur in Brasilien. Damit ist E.On dabei, sich neu zu erfinden, vom europäischen Regionalversorger von Rang zum internationalen Unternehmen. Wenn der Ausgang dieses internationalen Abenteuers auch ungewiss ist, E.On häutet sich damit und reißt neue Visionen auf. Das hat bei E.On Tradition, als zum Beispiel der Vorgänger-Konzern Veba mit der bayerischen Viag funsionierte und bald danach die Ruhrgas geschluckt wurde. Auch die Konzentration ganz auf das Energiegeschäft war ein Weg, den E.On noch vor RWE eingeschlagen hat.
Das A-Rating von E.On ist also das Prinzip Phantasie, das bei RWE noch fehlt. Aber RWE-Chef Terium ist ja auch erst einen Monat als Vorstandschef im Amt.
























