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Rating: RWE schlittert in die B-Zone

von Andreas Wildhagen

Standard & Poor’s entzieht dem Essener Energiekonzern RWE das A-Rating. Konkurrent E.On steht besser da.

Schwäche 1: Teurer Zukauf von Kohlendioxid-Zertifikaten

Der Atomausstieg macht RWE an einer Stelle besonders stark zu schaffen – wenn es um die CO2-Emissionen geht. RWE-Chef Jürgen Großmann hatte lange gehofft, durch eine Verlängerung der Laufzeiten bei den Kernkraftwerken möglichst viel CO2-freien Strom produzieren zu können. Doch nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist klar: Der Energiekonzern wird nach wie vor sehr stark abhängig von seinen Kohlekraftwerken (Bild: Kraftwerk Westfalen in Hamm) und damit auch der größte Emittent des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids bleiben.

Bild: dapd

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Auf einer Insel der Seligen befindet sich RWE nicht, so viel steht fest. Deswegen ist das neue Rating Triple B Plus (BBB+) eigentlich nichts Überraschendes. Auch der spanische Energieversorger Endesa weist ein solches Rating auf, ebenso wie Iberdrola und die italienische Enel. Immerhin wollte der deutsche Branchenführer E.On vor sechs Jahren noch Endesa mit 41 Milliarden Euro schlucken. Ob die Vorstände froh sind, dass es ihnen damals nicht gelungen ist?

E.On hat noch ein A-Rating, und das dürfte die RWE-Manager wurmen. Denn besonders der Handelsbereich bei RWE wird durch die nun deutliche Kreditverteuerung betroffen. Aber die Abstufung wirft auch ein Licht auf die Strategie von RWE: Bisher wird noch ordentlich Geld bei der Braunkohleverstromung verdient, weil Braunkohlekraftwerke grundlastfähig sind, also ähnlich wie Atomkraft auch kontinuierlichen Industriestrom liefern können – und das Tag und Nacht. Die Emissionszertifikate sind zur Zeit preiswert, so dass man RWE, was die Braunkohle betrifft, zur Zeit schweigt und genießt. Aber auf die Dauer ist Braunkohle kein Ruhekissen für RWE, bringt den Konzern nur in eine neue ungesunde Abhängigkeit.

Mit Essent hat RWE schon in Zeiten des Vorgängers des seit Juli amtierenden neuen Vorstandschefs Peter Terium eine bedeutende Auslandsinvestition gewagt, das war ein goldener Griff, weil Essent ein niederländischer Versorger ist direkt mit Anschluss an das Versorgungsgebiet von RWE. Aber der Bau von Windkraftanlagen, besonders Offshore-Parks, lahmt, es gibt keine Rechtssicherheit für die Leitungsanschlüsse auf hoher See, und so stockt es  auf dem vermeintlichen Zukunftsweg von RWE.

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E.On dagegen steht besser da, und zwar mit seinen Großprojekten in Südamerika, die zumindest den Anflug einer Vision vermitteln. Mit dem brasilianischen Investor Eike Batista will E.On unabhängige Kraftwerke in unwegsamen Gebieten errichten, und zwar in ganz Südamerika, nicht nur in Brasilien. Damit ist E.On dabei, sich neu zu erfinden, vom europäischen Regionalversorger von Rang zum internationalen Unternehmen. Wenn der Ausgang dieses internationalen Abenteuers auch ungewiss ist, E.On häutet sich damit und reißt neue Visionen auf. Das hat bei E.On Tradition, als zum Beispiel der Vorgänger-Konzern Veba mit der bayerischen Viag funsionierte und bald danach die Ruhrgas geschluckt wurde. Auch die Konzentration ganz auf das Energiegeschäft war ein Weg, den E.On noch vor RWE eingeschlagen hat.

Das A-Rating von E.On ist also das Prinzip Phantasie, das bei RWE noch fehlt. Aber RWE-Chef Terium ist ja auch erst einen Monat als Vorstandschef im Amt.

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