RWE-Aufspaltung: Aufsichtsrat stimmt Strategiewechsel einstimmig zu

KommentarRWE-Aufspaltung: Aufsichtsrat stimmt Strategiewechsel einstimmig zu

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Die RWE-Zentrale in Essen.

von Angela Hennersdorf

Einstimmig hat der Aufsichtsrat des Energieversorgers dem Plan des RWE-Vorstands zugestimmt, den Konzern in zwei Teile aufzuspalten. Ende 2016 soll der „grüne“ Teil an die Börse. Weniger werden die Probleme für den angeschlagenen Konzern damit nicht.

Was für ein Strategiewechsel. Immer wieder hatte RWE-Chef Peter Terium betont: Nein, eine Aufspaltung des Konzerns in einen Teil mit Ökostrom und einen mit dem klassischen Geschäft der fossilen Stromerzeugung wie es der Düsseldorfer Konzern E.On schon vor einem Jahr angekündigt hat, werde es mit ihm nicht geben. Sicher, auch er hätte einen solchen Schritt schon vor einiger Zeit geprüft, doch dann seien die Pläne wieder in der Schublade verschwunden, erzählte Terium immer wieder. Aus seiner Sicht gehörten das klassische Kraftwerksgeschäft und das mit erneuerbaren Energien zusammen.

Verstanden haben dieses Argument Analysten und Energieexperten nie und vermuteten andere Gründe. Die Kommunen seien es gewesen, die einen solchen radikalen Schritt nicht hätten mittragen wollen, hieß es immer wieder im Konzernumfeld. Wenn es diesen Widerstand tatsächlich gegeben haben sollte, dann haben die Kommunen, die rund ein Viertel der RWE-Aktien halten, diesen Widerstand urplötzlich aufgegeben.

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Deutschlands Energieriesen im Vergleich

  • Eon

    Mit über 122 Milliarden Euro Umsatz und weltweiten Kapazitäten zur Stromerzeugung von 61 Gigawatt im Jahr 2013 ist Eon Deutschlands größter Energiekonzern. Doch den Düsseldorfern machen die Folgen der Energiewende zu schaffen. Das klassische Stromgeschäft wirft wegen des wachsenden Anteils von Sonnen- und Windenergie immer weniger Geld ab. Zudem häufte Eon durch seine Expansion einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro an. Ende 2013 hatte der Konzern 62.200 Mitarbeiter.

  • RWE

    Die Gewinne des zweitgrößten deutschen Versorgers sind wegen des niedrigen Börsenstrompreises 2014 rapide geschrumpft. Das betriebliche Ergebnis sank auf 4 Milliarden Euro und lag 25 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Außenumsatz des Konzerns ging von 52,4 auf 48,5 Milliarden Euro zurück. Die Nettoverschuldung von RWE bewegte sich 2014 mit 31 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Ende 2014 beschäftigten die Essener weltweit knapp 59.800 Mitarbeiter.

  • EnBW

    Die Nummer drei der Branche will zum Treiber der Energiewende werden. Ende 2013 erzeugte EnBW knapp 20 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Bis 2020 soll der Anteil 40 Prozent betragen. Die Karlsruher haben rund 20.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro. Unrentable Kraftwerke und niedrige Strompreise sorgten unter dem Strich in den ersten neun Monaten 2014 für ein Minus von über 770 Millionen Euro.

  • Vattenfall

    Fallende Preise machten dem schwedischen Konzern 2014 zu schaffen. Der Umsatz sank auf 166 Milliarden Kronen (18 Milliarden Euro). Auch das bereinigte Betriebsergebnis von 2,6 Milliarden Euro fiel geringer aus - teils wegen Rücklagen für den deutschen Atomausstieg. 2015 will das Staatsunternehmen aus Stockholm mit 30.200 Mitarbeitern einen strikten Sparkurs fahren. In Deutschland erwägt Vattenfall einen Verkauf seiner Braunkohle-Sparte in Brandenburg und Sachsen.

Auch sie stimmten bei der Aufsichtsratssitzung für den radikalen Umbauplan. „Die beschlossene Neuausrichtung stellt eine intelligente Lösung für eine positive Konzernentwicklung dar“, teilte der Verband der kommunalen Aktionäre mit.

Offenbar sind die Kommunen froh, dass Terium überhaupt mal mit einem Plan um die Ecke gekommen ist. Fakt ist: Die Kommunen waren diejenigen, die in den vergangenen Monaten immer wieder zu Recht kritisierten, dass der Vorstandschef kein Konzept vorgelegt habe, wie er denn RWE nun aus der Krise führen wolle. Offen bleibt die Frage: Warum nur hat Terium mit einer Strategie so lange auf sich warten lassen?

Jetzt sollen also die Zukunftsgeschäfte mit erneuerbaren Energien, die Stromnetze und der Stromvertrieb in einer neuen Tochter gebündelt und Ende 2016 an die Börse gebracht werden – zunächst sollen es zehn Prozent sein, später auch mehr. Die Mehrheit von mindestens 51 Prozent will RWE aber an der „newCo“ (so der Arbeitsname) halten. Frisches Kapital für Investitionen in neuen Dienstleistungen und neue Öko-Projekte braucht RWE dringend. Das klassische Geschäft mit Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken sowie dem Energiehandel bleiben im Mutterkonzern.

Die neue RWE-Tochter wird künftig deutlich größer als die Mutter. Zwei Drittel der derzeit rund 60.000 RWE-Beschäftigten sollen in der neuen Gesellschaft arbeiten, rund 70 Prozent des für 2015 erwarteten operativen Gewinns kommen aus deren Geschäften.
„Wir stärken mit diesem Umbau unsere Investitionskraft für die Energiewelt von morgen und damit auch für die Zukunftsfähigkeit der gesamten RWE“, sagte Aufsichtsratschef Manfred Schneider. Schneider wird das sicherlich nicht mehr erleben. Er gibt seinen Job als oberster Kontrolleur von RWE nach über 20 Jahren im kommenden Jahr ab.

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Auch Verdi-Chef Frank Bsirske lobt den Umbauplan, der angesichts der radikalen Veränderungen in der Energielandschaft notwendig und richtig sei. Mit dieser Entscheidung bekämen alle Beschäftigten eine lange Perspektive, sagte Bsirske. Das passt wenig zu den Äußerungen von Konzernchef Terium, der schon angekündigte, Stellenstreichungen seien nicht auszuschließen. Vor allem wohl nicht in der Sparte mit den konventionellen Kraftwerken. Bei den großen Energieversorgern brechen wegen des durch den Ökostromboom ausgelösten Verfalls der Strompreise im Großhandel die Gewinne weg.

Klar ist schon jetzt: Mit diesem Umbau sind die Probleme von RWE nicht auf einen Schlag gelöst, sondern sie gehen munter weiter.

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