RWE-Chef Peter Terium: "Wer Meister werden will, braucht eine starke Ersatzbank"

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RWE-Chef Peter Terium: "Wer Meister werden will, braucht eine starke Ersatzbank"

von Rebecca Eisert

Der Streit um die Abschaltung von systemrelevanten Kraftwerken geht in eine neue Runde. RWE-Chef Terium fordert ein marktwirtschaftliches Modell für den Kapazitätenmarkt. EnBW-Chef Mastiaux geht vor den Kadi.

Der Chef des größten deutschen Stromversorgers RWE, Peter Terium, hält bei fallenden Strompreisen ein vorzeitiges Aus von Kernkraftwerken für möglich. „Bei den jetzigen Strompreisen inklusive Brennelementesteuer sind die operativen Kosten für den Betrieb eines Kernkraftwerks so hoch, dass die Margen minimal geworden sind“, sagte Terium dem „Handelsblatt“. Bei einem weiteren Verfall des Strompreises seien auch die Kernkraftwerke „im roten Bereich“. „Es wäre nicht zu verantworten, ein Kraftwerk weiter laufen zu lassen, wenn ich damit jeden Tag Geld verliere“, sagte Terium. „Dieses Geld habe ich nicht. Und meine Aktionäre geben es mir auch nicht.“

RWE kämpft wie alle Kraftwerksbetreiber mit den Folgen des beschlossenen Atomausstiegs. Immer mehr Strom in unseren Netzen stammt von Solardächer und Windkraftanlagen an Land und auf See. Die Braunkohle- und Gaskraftwerke der einstigen Atom-Dinosaurier stehen immer öfter still. "Auch mit unseren hocheffizienten Braunkohlekraftwerken verdienen wir viel weniger Geld als bei der Investitionsentscheidung kalkuliert", beschwert sich Terium.

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RWE nach 2,5 Jahren Energiewende

  • Umsatz

    RWE konnte den Umsatz zwischen 2010 und 2012 bei 52 bzw. 53,2 Milliarden Euro stabil halten. Nach den ersten neuen Monaten 2013 liegt der Umsatz mit 39,9 Milliarden Euro bei vier Prozent über dem Vorjahreswert.

  • Ebitda

    Der Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen (Ebitda) fiel von 10,3 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 9,3 Milliarden Euro im Jahr 2012. Im Jahr der Fukushima-Katastrophe (2011) lag er bei 8,5 Milliarden Euro. Nach den ersten drei Quartalen 2013 liegt das Ebitda mit 6,7 Milliarden Euro auf dem Vorjahreswert. Für das Gesamtjahr 2013 rechnet RWE mit einem Ebitda von etwa 9 Milliarden Euro.

  • Konzernüberschuss

    Der Konzernüberschuss fiel beträchtlich von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2011. 2012 gelang es RWE sein betriebliches Ergebnis (= Konzernüberschuss) wieder auf 6,4 Milliarden Euro zu verbessern. Nach den ersten drei Quartalen 2013 ist der Konzernüberschuss mit 4,6 Milliarden Euro annährend stabil geblieben. Zum Halbjahr lag es noch 12 Prozent über dem Vergleichszeitraum 2012. Für das Gesamtjahr 2013 rechnet RWE mit einem Überschuss von etwa 5,9 Milliarden Euro und einem nachhaltige Nettoergebnis von etwa 2,4 Milliarden.

  • Prognose 2014

    Für das Geschäftsjahr 2014 geht RWE von einem Ebitda von 7,6 bis 8,1 Milliarden Euro aus. Das betriebliche Ergebnis (Konzernüberschuss) soll zwischen 4,5 und 4,9 Milliarden Euro betragen. Das nachhaltige Nettoergebnis soll zwischen 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro liegen .

Als "stille Reserve" müssen sie aber bisher bestehen bleiben, um bei Bedarf schnell Strom in die Netze zu pumpen, wenn Windkraft und Sonne nicht genug Energie liefern. Terium: "Der Strom aus Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach für zu Hause ist wichtig und richtig, aber er kann nicht das Rückgrat einer verlässlichen Energieversorgung sein." Drei Viertel des Stroms in Deutschland würde in Ballungsräumen verbraucht, gerade dort sei man auf die "verlässlichen Kraftwerke" angewiesen. Doch wer kommt für den weiteren Betrieb der Kraftwerke auf, die für ihre Betreiber immer weniger abwerfen?

Terium bemüht eine Sportmetapher: "Wer Meister werden will, braucht eine starke Ersatzbank." Die Leute auf der Ersatzbank würden schließlich auch bezahlt, wenn sie nicht spielten. "Eine Volkswirtschaft wie Deutschland muss sich auch eine gute besetzte Ersatzbank leisten." Und wer zahlt dafür: "In der Bundesliga zahlt das der Fußball-Fan - in der Stromerzeugung der Kunde", so Terium zum Handelsblatt. Daher dürfte die Entscheidung darüber, wie viele Reserven es geben soll auch nicht von der Politik oder den Energiekonzernen oder den Regulierern getroffen werden, sondern vom Kunden und durch einen marktwirtschaftlichen Wettbewerb.

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