RWE-Chef Peter Terium: "Zwei Drittel unserer jüngeren Investitionen liegen brach"

InterviewRWE-Chef Peter Terium: "Zwei Drittel unserer jüngeren Investitionen liegen brach"

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"Wir haben 35 Milliarden Euro Schulden, unser Ergebnis reicht aber nur für 24 bis 27 Milliarden Euro Schulden

von Reinhold Böhmer und Henning Krumrey

Peter Terium, Chef des Essener Energiekonzerns RWE, beklagt den Stillstand milliardenteurer Kraftwerke, lehnt Einschränkungen bei vorhandenen Ökostromanlagen ab und verlangt, dass künftig nicht mehr jedes neue Windrad ans Netz darf.

WirtschaftsWoche: Herr Terium, Sie dürfen sich etwas wünschen: Wie soll das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz: EEG, künftig aussehen?

Peter Terium: Ich habe nichts gegen das EEG. Denn RWE ist ein großer Investor in erneuerbare Energien und unter den großen deutschen Versorgern der größte Betreiber von Windparks an Land.

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Trotzdem macht der grüne Strom RWE doch extrem zu schaffen, weil er Vorrang im Netz hat und damit andere Kraftwerke zum Abschalten zwingt.

Deshalb plädiere ich für vier Veränderungen im EEG. Die Förderung muss effizienter werden und stärker an den Markt herangeführt werden. Zweitens sollte eingespeister Strom nur dann vergütet werden, wenn er gebraucht wird. Drittens sollten Anlagen mit erneuerbaren Energien mit Vorrang dort gebaut werden, wo der Strom gebraucht wird. Und viertens muss die deutsche Förderung der erneuerbaren Energien stärker mit den anderen EU-Ländern harmonisiert werden.

Das heißt, Sie wollen einem Landwirt verbieten, dass er im hintersten Winkel der Schwäbischen Alb ein Windrad hinstellt, dies teuer ans Netz angeschlossen und der Strom garantiert vergütet wird?

Verbote erteilt die Politik. Aber wenn ich als Niederländer meinen Wohnwagen im Schwarzwald parke, die Räder abschraube und sage: Das ist jetzt mein Haus, lieber Staat, jetzt baue mir mal die Straße hierhin – dann geht das auch nicht. Das EEG hat über 4.000 verschiedene Förderfälle, das ist aus Sicht eines Netzbetreibers ein bürokratisches Monstrum.

Da wirkt die Idee der Strompreisbremse von Umweltminister Peter Altmaier mutlos.

Es sind immerhin richtige Ansätze, zum Beispiel den Anstieg der EEG-Umlage bei 5,3 Cent pro Kilowatt grünen Stroms einzufrieren.

Die bisher aufgelaufenen Ansprüche der Ökostromproduzenten in dreistelliger Milliardengröße verringert das aber nicht.

Die Investitionszusagen der Vergangenheit kann man nicht einfach einkassieren, ohne den Investitionsstandort Deutschland zu schädigen. Deutschland ist keine Bananenrepublik.

Stromkonzerne Politik der Energiewende macht große Versorger kaputt

Die vier großen Versorger sind ein Schatten ihrer selbst. Die Politik der Energiewende hat Unternehmenswerte, Finanzkraft und Substanz dezimiert. Die Chefs können sich nur durchwurschteln – Ziel und Ausgang offen.

Aufmacher Energieriesen Dreieroptik Quelle: dpa/Montage

Was halten Sie von der Idee der SPD, die Stromsteuer zu streichen? Damit würde RWE doch sogar Spielraum erhalten, die Preise weiter zu erhöhen.

Das ist eine Milchmädchenrechnung. Der Strompreis für die Industrie richtet sich nach dem Großhandelspreis. Die Steuerersparnis könnten wir nicht aufschlagen. Auch um Privatkunden gibt es starken Wettbewerb. 2012 ist die Zahl der Kunden, die ihren Anbieter gewechselt haben, massiv nach oben gegangen. Wenn wir den Preis zu hoch setzen, verlieren wir Kunden.

Wieso erhöhen Sie dann locker zum 1. März die Strompreise für Privatkunden um zehn Prozent?

Weil wir das Inkassobüro der Bundesregierung sind. Wenn die EEG-Umlage und die regulierten Netzentgelte erhöht werden, müssen wir unsere Tarife erhöhen.

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