RWE-Hauptversammlung: Weg mit den Kohle-Drecksschleudern

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KommentarRWE-Hauptversammlung: Weg mit den Kohle-Drecksschleudern

von Angela Hennersdorf

RWE-Chef Peter Terium weiß: Mit der geplanten Klimaabgabe auf Kohle-Dreckschleudern geht es RWE an die Substanz. Da bleibt nur eines – RWE muss sich endlich neu erfinden. Doch leider fehlt es an Ideen.

Absurder geht es schon nicht mehr: Vor den Toren der Grugahalle verteilen RWE-Auszubildende Flugblätter. Darin fordern die Jugendlichen die RWE-Aktionäre auf, mit ihnen gegen die von der Bundesregierung geplante Klimaabgabe auf Kohle-Kraftwerke am kommenden Samstag in Berlin zu demonstrieren. Schließlich gehe es um ihre Arbeitsplätze und damit um ihre Zukunft. Die sonst so umweltbewusste Jugend wettert gegen Klimaschutz? Das ist schon bemerkenswert.

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Während die Auszubildenden brav im Sinne des Konzerns Anti-Klimaabgabe-Flugblätter verteilen, ziehen auf der Hauptversammlung ein Umweltaktivist aus den USA und aus Russland gegen umweltbelastende Kohleabbau-Technologien in Amerika und in Russland zu Felde.

RWE Terium strapaziert die Geduld der Aktionäre

RWE-Chef Peter Terium mahnt auf der Hauptversammlung: Die Krise sei noch nicht vorbei. Der Stromerzeuger will neben Kohle vor allem auf Ökostrom setzen und das Geschäft außerhalb Europas ausbauen.

RWE-CEO Peter Terium bei der Hauptversammlung in Essen am Donnerstag. Quelle: REUTERS

Aus Russland kommt Dmitry Berezhkov nach Essen, der die Auswirkungen des Kohleabbaus im westsibirischen Kemerowo darlegt. Der RWE-Konzern bezieht laut Berezhkov Kohle aus diesem Gebiet, welches nach einer russischen Statistik, zu einem der drei verschmutzten Orte Russlands gehört.

Auch aus Kolumbien ist eine junge Frau angereist. Auch sie beklagt die Umweltbelastungen aus dem Kohle-Bergbau. Auch von dort bezieht RWE Kohle. Die Kohle zerstöre ihre Lebensgrundlage. Sie bittet RWE-Chef Terium um Hilfe.

Und hier, im umweltbewussten Deutschland, löst die geplante Klimaabgabe auf Braunkohle-Dreckschleudern, Widerstand beim Konzern und seinem Nachwuchs aus? Klar, die Forderung von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist politisch getrieben. Sie ist aber trotzdem richtig.

Regionalversorger unterstützen Klimaabgabe auf Kohle-Kraftwerke

Gabriel geht es sicherlich nicht darum, Arbeitsplätze in den Braunkohle-Tageabbau im Westen wie im Osten Deutschlands zu zerstören. Aber wie will Deutschland seine Klimaziele erreichen? Spätestens zum Klimagipfel in Paris im November muss Bundeskanzlerin Angela Merkel konkret werden.

Wirtschaftsminister Gabriel hat also vorgeschlagen, den Kohlendioxid-Ausstoß von älteren Kraftwerken bis 2020 um 22 Millionen Tonnen zu senken, um bis dahin die geplante Minderung um 40 Prozent zu erreichen – gemessen am Jahr 1990. Wenn Kohle-Kraftwerke über eine bestimmte Freigrenze hinaus CO2 ausstoßen, sollen die Betreiber nach dem Willen des Ministers eine Strafe von bis zu 20 Euro pro Tonne zahlen.

Deutsche Energieversorger im Vergleich

  • E.On

    Umsatz im Jahr 2013: 36,8 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 18.518 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 704 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 11 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • RWE

    Umsatz im Jahr 2013: 28,1 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 28.257 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 271 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 6 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • EnBW

    Umsatz im Jahr 2013:20,5 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 13.802 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 128 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 13 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • Vattenfall

    Umsatz im Jahr 2013: 15,3 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 18.352 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 86 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 23 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

Logisch, RWE-Chef Peter Terium geht scharf ins Gericht mit den Plänen des Ministers. „Die Abgabe würde nämlich das sofortige Aus für einen Großteil des Braunkohletagebaus und von Braunkohlekraftwerken bedeuten“, sagt Terium. Zudem seien zehntausende Arbeitsplätze gefährdet.

Unterstützung bekommt Gabriel ausgerechnet von zahlreichen Stadtwerken für sein umstrittenes Kohle-Konzept. Rund 51 Regionalversorger sind für die Pläne der Bundesregierung, um die nationalen Klimaziele zu erreichen. Es sei seit nahezu acht Jahren allen Akteuren bekannt, dass es einen Umbau des fossilen Kraftwerkparks geben soll und muss, heißt es in einem Brief der Regionalversorger.

Immerhin – die Regionalversorger haben erkannt: Der Braunkohle-Tagebau und die Braunkohlekraftwerke sind langfristig ein Auslaufmodell. Trotzdem will RWE-Chef Terium um den Erhalt der Anlagen kämpfen. Wohl auch deshalb, weil es dem Konzern an Ideen fehlt, wie er sonst aus der Krise kommen könnte.

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In erneuerbare Energien etwa will der Energieriese in den kommenden drei Jahren gerade einmal eine Milliarde Euro investieren. In den Ausbau des Netzes sind es immerhin eine Milliarde Euro pro Jahr. Ob das reicht?

Klar ist nur eines: RWE muss sich neu erfinden. Wie das geschehen soll? Die klare Antwort darauf bleibt RWE-Chef Terium schuldig.

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