RWE und E.On in der Krise: Der schwierige Kampf um das Geschäft mit Ökostrom

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RWE und E.On in der Krise: Der schwierige Kampf um das Geschäft mit Ökostrom

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Kohlekraftwerk und Windräder: Sowohl mit konventionellen als auch alternativen Kraftwerken lässt sich derzeit schwer Geld verdienen.

von Mario Brück und Yvonne Esterházy

Die großen Energieversorger RWE, E.On, Vattenfall und EnBW setzen auf das Geschäft mit grünen Energien. Doch das Geschäft wird zunehmend schwieriger – im Inland wie im Ausland.

Die Energiewende fordert ihren Tribut: Genau ein Jahr nach dem Erzrivalen E.On gibt nun auch der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE sein jahrzehntealtes Geschäftsmodell auf. Künftig trennen die Essener das Zukunftsgeschäft von der klassischen Stromerzeugung aus großen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken. Vorstandschef Peter Terium wirbt eindringlich um Zustimmung, er spricht von einem logischen und großen strategischen Schritt.

Mit dem geplanten Börsengang der Zukunftsgeschäfte rund um Ökostrom, Netze und Energievertrieb soll die „grüne“ Sparte neue finanzielle Spielräume für das erhoffte Wachstum erhalten. Doch das wird zunehmend schwieriger – auch wenn der Ökostrom-Boom derzeit noch anhält.

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Terium spaltet RWE. Quelle: dpa/Montage

Wind und Sonne, Biomasse und Wasser deckten im vergangenen Jahr 28 Prozent des Strombedarfs in Deutschland. 2015 dürfte der Wert erneut steigen. Das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der regenerativen Stromquellen bis zum Jahr 2020 auf 35 Prozent zu hieven rückt damit näher. Als im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an den Start ging, waren es nicht einmal sieben Prozent. Das Geschäft mit Ökostrom machen aber nicht die großen Energiekonzerne, sondern ganz neue Wettbewerber.

Den deutschen Konzernen fehlen die Ideen

Bislang sind weder Peter Terium (RWE), Johannes Teyssen (E.On) noch Frank Mastiaux, Chef des Energieversorgers EnbW mit besonders pfiffigen Ideen aufgefallen, wie und wann sie jenseits ihres dahinschmelzenden Kerngeschäfts künftig Kohle verdienen wollen.

Das ernsthafte Bemühen, den Schritt in die neue Zeit zu schaffen, ist den Stromkonzernen nicht abzusprechen. Visionen von neuen Zukunftsgeschäften haben sie reichlich: von neuen Kundenangeboten rund um Strombeschaffung, Energieeffizienz, Hausautomatisierung und den neuen Möglichkeiten, Verbrauch, Transport und Einspeisung von Strom intelligent zu steuern. Allein die Stromversorgung auf grün umzustellen, wird nicht reichen. Dafür haben die Konzerne viel zu viel Zeit vergeudet.
E.On bringt es heute beispielsweise konzernweit auf eine installierte Solarkapazität von rund 80 Megawatt. Das ist weniger als ein Zehntel eines einzigen mittelgroßen Kernkraftwerks. Aufstrebende mittelständische Unternehmen wie etwa Capital Stage, ein mittelständischer Betreiber von Solar- und Windparks, hat alleine in Deutschland Solarparks mit mehr als 140 Megawatt in Betrieb. Europaweit kommen die Hamburger auf fast 450 Megawatt.

Deutschlands Energieriesen im Vergleich

  • Eon

    Mit über 122 Milliarden Euro Umsatz und weltweiten Kapazitäten zur Stromerzeugung von 61 Gigawatt im Jahr 2013 ist Eon Deutschlands größter Energiekonzern. Doch den Düsseldorfern machen die Folgen der Energiewende zu schaffen. Das klassische Stromgeschäft wirft wegen des wachsenden Anteils von Sonnen- und Windenergie immer weniger Geld ab. Zudem häufte Eon durch seine Expansion einen Schuldenberg von 31 Milliarden Euro an. Ende 2013 hatte der Konzern 62.200 Mitarbeiter.

  • RWE

    Die Gewinne des zweitgrößten deutschen Versorgers sind wegen des niedrigen Börsenstrompreises 2014 rapide geschrumpft. Das betriebliche Ergebnis sank auf 4 Milliarden Euro und lag 25 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Außenumsatz des Konzerns ging von 52,4 auf 48,5 Milliarden Euro zurück. Die Nettoverschuldung von RWE bewegte sich 2014 mit 31 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Ende 2014 beschäftigten die Essener weltweit knapp 59.800 Mitarbeiter.

  • EnBW

    Die Nummer drei der Branche will zum Treiber der Energiewende werden. Ende 2013 erzeugte EnBW knapp 20 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser, Sonne und Biomasse. Bis 2020 soll der Anteil 40 Prozent betragen. Die Karlsruher haben rund 20.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro. Unrentable Kraftwerke und niedrige Strompreise sorgten unter dem Strich in den ersten neun Monaten 2014 für ein Minus von über 770 Millionen Euro.

  • Vattenfall

    Fallende Preise machten dem schwedischen Konzern 2014 zu schaffen. Der Umsatz sank auf 166 Milliarden Kronen (18 Milliarden Euro). Auch das bereinigte Betriebsergebnis von 2,6 Milliarden Euro fiel geringer aus - teils wegen Rücklagen für den deutschen Atomausstieg. 2015 will das Staatsunternehmen aus Stockholm mit 30.200 Mitarbeitern einen strikten Sparkurs fahren. In Deutschland erwägt Vattenfall einen Verkauf seiner Braunkohle-Sparte in Brandenburg und Sachsen.

Vergleichsweise gut aufgestellt sind die Düsseldorfer dagegen bei Meereswindparks. In diesem kapitalintensiven Geschäft nennt sich E.On weltweit drittgrößter Offshore Windkraftbetreiber. Derzeit baut der Düsseldorfer Energiekonzern den Windpark Rampion mit 400 Megawatt Kapazität in der britischen Nordsee, bereitet die Investitionsentscheidung für den Mühlenpark Arkona Becken Südost (400 MW) in der deutschen Ostsee vor und bietet mit einem Partner für den Offshore-Park Kriegers Flak mit 600 Megawatt in der dänischen Ostsee.

Auch RWE hat in Sachen Meereswindparks aufgerüstet. In diesem Jahr haben die Essener die beiden Offshoreparks Gwynt y Môr in der britischen Ostsee mit rund 570 Megawatt und Nordsee Ost mit 295 Megawatt in Betrieb genommen.
Doch die Wachstumsaussichten, vor allem in Deutschland, aber auch im Ausland sind begrenzt. Verantwortlich dafür ist die Novelle des EEG. Im vergangenen Sommer hat die Bundesregierung beschlossen den Ausbau der Offshore-Windkraft massiv zu deckeln. Bis 2020 sollen nicht mehr zehn, sondern nur noch 6,5 Gigawatt Leistung offshore gebaut werden. Das entspricht etwa der Leistung von sechs Atomkraftwerken. Bis 2030 sollen dann 15 Gigawatt installiert sein. Auf diese Weise will Berlin verhindern, dass die Strompreise weiter steigen.

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